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Das jüdische Echo · 1929-05-31 · 9 (31.5.1929) Der letzte Waldjude · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
9 (31.5.1929) Der letzte Waldjude
Date
1929-05-31
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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'• i ^"WUn^ ........ ,. v -, :-———;-==-■ ---- ROMAN-BEILAGE DES „JÜDISCHEN ECHOS“ DER LETZTE WALD|UDE VON J. OPATOSCHU Aus dem Jiddischen von Siegfried Schmitz 8. Fortsetzung Alle Bösewichter unter den Völkern, die schlimmsten Scheusale werden zu dem Stein pilgern, sich vor ihm niederwerfen und an ihm ihre Lust erhitzen; und Gott wird ihre Glut in den Stein tun und der wird zerspringen; da wird ein böser Geist herausfahren. Das wird Armilus der Satan sein, den die Völker den Antichrist nennen. Zwölf Ellen hoch wird er sein und zwölf Ellen breit, und seine Augen werden spannbreit auseinanderstehen. Seine Augen sind tiefrot und das Haar seines Hauptes gelb wie Gold. Die Spuren seiner Schritte sind grün. Und zwei Köpfe wird er haben. Armilus, der böse Geist, wird nach Frankreich kommen, wo ein großes Getümmel herrscht, und sagen, er sei der Erlöser; man wird ihm glauben und ihn zum Kaiser krönen. Dann wird er viele Länder und Reiche erobern, das Synhedrion der Juden wieder hersteilen, und auf der ganzen Welt werden nur zwei Reiche übrigbleiben, die er nicht erobert hat — Edom und Moab; und wenn er diese beiden Reiche eingenommen hat, dann wird er einen Boten zu den Juden entsenden und zu den zehn Stämmen, die jenseits des Sambatjon wohnen, daß sie ihm die jüdische Thora geben und ihn zu einem Gott machen. Da wird der Held Nehemia mit dreißigtausend Helden aus dem Stamme Ephraim sich erheben, die Thora auf schlagen und dem Bösen vorlesen: „Ich bin der Ewige, dein Gott, du sollst keine anderen Götter haben neben mir!“ Da wird Armilus antworten, dieser Satz stehe in seiner Thora nicht, und wird weiter verlangen, daß alle Juden glauben, er sei Gott, so wie es die übrigen Völker glauben. Da wird Nehemia mit seinen dreißigtausend Helden Krieg gegen ihn führen und Zweimalhunderttausend seiner Männer hinmorden. In Wut wird der Bösewicht Armilus seine Armeen aus der ganzen Welt sammeln und Krieg gegen die Juden führen. Wie Fliegen werden seine Heere fallen, da wird aber auch Moschiach, der Sohn Josefs, umkommen, der der Held (Copyright 1929 by Dr. Präger, Pressedienst, Wien-Berlin; Nehemia ist. Er wird begraben werden bei den Vätern. Der Juden Herzen werden weich und mutlos werden, aber Armilus der Bösewicht wird nicht wissen, daß der Moschiach tot ist, sonst würde er von den Juden nichts übriglassen ... Als Rabbi Meirl mitten in dieser Erzählung war, fuhr ein Schlitten vor. Man klopfte an das Fenster. Rabbi Meirl sprang auf. „Mordechai, sie bringen ihn!“ „Wen?“ „Den Bösewicht!“ Zitternd öffnete Mordechai die Tür. Ein paar Menschen, frostgerötet, mit weißen, schneebedeckten Bärten, traten ein, nahmen Mordechai beiseite und sprachen leise mit ihm; sofort hieß Mordechai Surele den Salon aufschließen und das Bett machen. Dabei bebte er vor Angst und wartete atemlos, daß man Armilus den Bösewicht hereintrage mit zwei Köpfen, zwölf Ellen breit, zwölf Ellen hoch, ein Riesengeschöpf derer von Gog und Magog. Aber die Fremden trugen einen kleinen Mann herein, der ganz in Pelze eingehüllt war; sie sagten, er sei ein großer General, ein Franzose, und habe sich stark erkältet. Als Reb Mordechai das kleine Männchen sah, atmete er erleichtert auf; er war überzeugt, nicht den habe der Zaddik gemeint, und glaubte auch nicht recht daran, daß das überhaupt ein General sei. Er lebte doch kaum! Mordechai sah sich um und suchte Reb Meirl, aber der Zaddik war verschwunden. Surele blieb allein beim Kranken, wärmte Flaschen mit heißem Wasser, legte sie ihm an die Füße, wickelte ihn in Daunendecken ein und saß, die ganze Nacht an seinem Bett. Sie hörte, wie der Kranke Kolonnen und Armeen hin und her schob, kommandierte, die Fäuste ballte, lachte und dann weinte, daß alle den Kaiser verraten hätten und er jetzt mit einem Bettelsack werde durch die Welt wandern müssen.

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