Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 19 (10.5.1929)
- Date
- 1929-05-10
- Page
- Seite 302 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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302 Das Jüdische Echo / Literarische Beilage Nr. 19 Herzl diesem Landstrich, dem Hinterland von Haifa, beimaß, das jetzt, im 25. Todesjahre Herzls, in den Besitz des Jüdischen Nationalfonds übergegangen ist und den Traum zur Wirklichkeit gemacht hat. Eine jede der zahlreichen Parteien, aus denen sich die heutige zionistische Organisation zusammensetzt, fühlt sich zu Herzls Bannerträger berufen. In den verschiedensten Auslegungen erhebt die revisionistische, die radikale und die Zentrumspartei den Anspruch, seine Anschauungen zu verbreiten. Sicherlich tragen sie auch alle dazu bei. Es steht jedoch fest, daß Herzls Traum, ob es sich nun um „Haifa und einen kleinen Teil des Hinterlandes“ oder um das ganze neuentstandene Land handelte, der Erwerb des Bodens als Volkseigentum vorschwebte. In dieser Hinsicht hat der Jüdische Nationalfonds, an dessen Gründung Herzl beim V. Zionistenkongreß solch energischen Anteil nahm, sein direktes Erbe angetreten, und zwar nicht nur in bezug auf die nationale Heimstätte, sondern auch auf die Prinzipien sozialer Gerechtigkeit, die dieser Heimstätte zugrunde liegen sollten. Keinen geeigneteren Zeitpunkt als den jetzigen, ein Vierteljahrhundert seit dem Heimgang unseres Führers, hätte sich der Jüdische Nationalfonds wählen können, um mit der Losung an unser Volk heranzutreten, daß es das Hinterland von Haifa, um das Herzl seine diplomatischen Verhandlungen führte und romantische Ideen wob, erlöse. Möglicherweise kannte er damals selbst noch nicht die tiefe Wahrheit der Worte, die er seinerzeit auf das Titelblatt von „Alt-Neuland“ schrieb: „Wenn Ihr wollt, ist es kein Märchen.“ Diese Worte sind zum zionistischen Motto geworden. Die Geschichte der Haifabayböden beweist seine Richtigkeit und Stärke. Gemeinden-u.Vereins-Echo Hebräische Sprachkurse München. Das Sommersemester 1929 beginnt Montag, den 6. Mai. Zu Beginn des Semesters werden zwei neue Anfängerkurse ■— für Kinder und Erwachsene — eingerichtet. Interessenten werden gebeten, möglichst bald sich im Unterrichtslokal, Herzog-Rudolf- Straße 1 zwischen 3 bis 6 Uhr (Telephon 297449) anzumelden. Die Eltern werden besonders darauf aufmerksam gemacht, daß bei den Elementarkursen bereits zwei fortgeschrittene Kinderkurse bestehen. Die Kinderkurse werden Dienstag und Mittwoch nachmittags abgehalten. Um die Beteiligung allen Interessenten am Hebräischen Sprachunterricht zu erleichtern, hat das Komitee der Hebräischen Sprachkurse beschlossen, das Honorar wie folgt herabzusetzen: Für Erwachsene pro Semester 20 RM„ pro Jahr 40 RM.; für Kinder bis zu 14 Jahren pro Semester 10 RM., pro Jahr 20 RM.: das zweite Kind zahlt pro Semester 8 RM., pro Jahr 16 RM.: das dritte Kind zahlt pro Semester 6 RM., pro Jahr 12 RM. Teilnehmer, die weitere Ermäßigung wünschen, wollen ihr Gesuch bis spätestens 15. Mai an das Komitee der Hebräischen Sprachkurse, z. H. des Herrn Paul Grünbaum, Rothmundstraße 6, richten. Der Stundenplan ist folgender: Mo 6.45—8 Uhr morgens Kurs I | 1 8.36—9.30 abends; Kurs II - Di 6.45-8 Uhr morgens Kurs VI 5-6.36 nachm. Kinderkurs II! 7.30-8.30 abends Kurs IV | 8.30-10 Anfängerk. für Erw. Mi - 3.45-5 nachm. Anfängerkinderkurs 5-6.30 nachm. Kinderkurs I 7 30-9.30 j abends Kurs V Do 6.45-8 morgens | Kurs VI S i 7.30—8.30 abends | Kurs II | 8.30-9.30 abends Kurs I Fr 6.45—8 morgens Kurs IV 1 - _ Samstag, 6—7.30 Uhr nachm., Anfängerkurs Gesamtausschuß der Ostjuden, München. Am Samstag abend, 9.15 Uhr, findet im Lessingsaal, Herzog-Rudolf-Straße 1, eine allgemeine ostjüdische Versammlung statt, in der Herr Jakob Reich über „Unsere Lebensfragen“ referieren wird. In Anbetracht des wichtigen Themas und der augenblicklichen Verhältnisse in der Gemeinde, rechnen wir auf zahlreichen Besuch. Jüdischer Kulturverein J. L. Perez, München. Samstag, den 11. Mai, treffen sich unsere Mitglieder und Freunde nach der Versammlung des Gesamtausschusses im Cafe Heck, Galeriestraße. Humor im jüdischen Sprichwort Durch den vom Jüdischen Kulturverein j. L. Perez vor kurzem veranstalteten Vortrag hatte eine sehr zahlreiche Zuhörerschaft Gelegenheit, Herrn Rabbiner Dr. Baerwald auch als Denker und Redner kennenzulernen. Man muß zugeben, daß Herr Dr. Baerwald es in glänzender Weise verstand (an Hand von „Bernsteins gesammelten Volkswitzen“), das jüdische Volksleben von der Wiege bis zum Grabe zu skizzieren. Mit eingehender Kenntnis zeigte er die ganze Entwicklung auf und sprach über Kindheit, Liebe, Ehe, Glauben, Resignation, Leben und Tod. Die mit viel Geschmack als Beispiele ausgesuchten Witze sind Perlen des jüdischen Volkshumors. Die den Saal überfüllenden Zuhörer dankten mit stürmischem Applaus. Zum Schluß sprach ein Mitglied des Vereines herzliche Dankesworte und hob hervor, daß der Perez-Verein ständig bemüht war, jüdische Intellektuelle um sich zu sammeln. Die Veranstaltung des heutigen Abends sei ein wertvolles Produkt dieser Arbeit. Josef L ö w y (A. d. Jiddischen von Ago.) Rezitationsabend im Jüdischen Kultu**—ein J. L. Perez. Am Samstag, dem 27. April, lud der Perez-Verein zu einem Rezitationsabend ein. Müo Horn (Leipzig) rezitierte erstmals in München. Programm: Psalmen, Beer-Hoffmann, Bialik. Ich muß sagen, daß meine Erwartungen (die man so gewöhnlich bei dem ersten Auftreten eines Rezitators hat) sehr angenehm enttäuscht wurden. Man hörte und fühlte, daß Horn sich auch innerlich mit dem Sinn und Geist des gesprochenen Wortes verband und daß er sich mit gutem Erfolg bemühte, den Drill der Schule nicht heraushören zu lassen. Am besten liegen ihm Lieder an die Natur, Vögel und Kinderlieder, also Lieder, in denen er zärtlich, weiblich-weichlich zu Schwachen, Hilflosen sprechen kann. Deshalb gelang ihm, außer vielem anderen, auch Miriams Schlaflied sehr gut. — Der herzliche Beifall des zahlreichen Publikums war wohlverdient. Wie ich höre, wird Milo Horn demnächst in Leipzig im Radio rezitieren. Ago.