Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 18 (3.5.1929)
- Date
- 1929-05-03
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/9072829-9103083-9164484--09403-9082311- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Das Jüdische Echo Nummer 18 3. Mai 16. Jahrgang Die englischen Juden für die Agency Einstimmiger Beschluß für den Eintritt Am 21. d. M. fand in London die vom Jewish Board of Deputies einberufene Konferenz englischjüdischer Organisationen statt, um zur Frage des Eintrittes von Vertretern der nichtzionistischen englischen Judenheit in die Jewish Agency Stellung zu nehmen. Die Konferenz war von zweihundert Delegierten aus London und der Provinz beschickt. Ihr lag nachstehende Resolution zur Beratung und Beschlußfassung vor: Die Konferenz von Vertretern jüdischer Kongregationen und Institutionen in England ermächtigt den Board of Deputies, sechs Vertreter zu wählen, die die jüdische Gemeinschaft Englands in der Jewish Agency für eine vom Board noch zu bestimmende Zeit vertreten sollen. Die Konferenz begrüßt es, daß die englisch-jüdische Gemeinschaft durch ihre Vertretung in der Jewish Agency an der Erfüllung der der Agency durli das vom Völkerbund der britischen Regierung anvertraute Palästina-Mandat zugewiesenen Pflichten teilnimmt. Die Konferenz gelobt, ihr Äußerstes zu tun, um die britische Regierung in der Verwirklichung des Mandates zu unterstützen und das jüdische Aufbauwerk in Palästina nach Kräften zu fördern. Die Konferenz ersucht den Board of Deputies, ein Palästina-Komitee einzusetzen, dem die englisch-jüdischen Vertreter in der Agency angehören sollen. Die Statuten des Palästina-Komitees unterliegen der Genehmigung seitens des Board of Deputies. Den Vorsitz in der Konferenz führte d’Avigdor Goldsmid, der Präsident des Board of Deputies. Von Lord Reading und Herbert Samuel, die am Erscheinen verhindert waren, wurden nachstehende Schreiben zur Verlesung gebracht: 17. März 1929. Lieber Mr. Goldsmid, Ich bedaure, daß es mir nicht möglich sein wird, der am 21. April stattfindenden Tagung beizuwohnen. Ich bringe indes den Beschlüssen, von denen Sie mir mit Ihrem Brief vom 22. d. M. eine Kopie beigefügt haben, meine volle Sympathie entgegen und würde dieselben unterstützt haben, wenn ich anwesend gewesen wäre. Es ist, meiner Meinung nach, eine klare Pflicht der englisch-jüdischen Gemeinschaft, der Agency in der Erfüllung der ihr durch das Mandat auferlegten Pflichten jede in ihren Kräften liegende Unterstützung zu gewähren. Es steht Ihnen frei, von diesem Brief, falls Sie glauben, daß er Ihnen helfen kann, Gebrauch zu machen. Ergebenst gez. Reading. 4. April 1929. Lieber Mr. d’Avigdor-Goldsmid! Es tut mir leid, daß eine Reihe öffentlicher Verpflichtungen die seit langem bestehen, so gelegen sind, daß ich nicht in der Lage sein werde, der Konferenz zur Begründung der Kooperation der britischen Judenheit in der Agency für Palästina beizuwohnen. Ich bin in völliger Übereinstimmung mit dem Gegenstand der Konferenz. Ich habe es immer als eine Sache von allererster Bedeutung erachtet, daß die Bemühungen der Ganzheit des jüdischen Volkes, und nicht nur eines Teiles desselben, auf die Errichtung des Jüdischen Nationalheimes eingestellt werden sollten. Es gibt — und es wird geben — Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der Methoden, des Tempos und des Ausmaßes, in der Zukunft. Diese Differenzen sind natürlich, ihr Ausdruck ist gesund, sie dürfen nicht beunruhigen. Denn, wenn man ihnen auf den Grund geht, so ergibt sich eine breite Basis der Übereinstimmung, und gerade diese Basis ist es, die die Jewish Agency zu schaffen und zum Ausdruck zu bringen beabsichtigt. Laßt uns eingedenk sein, daß das Mandat für Palästina, auf dessen Begründung die ganze Bewegung jetzt ruht, indem es die Zionistische Organisation als die Jewish Agency anerkennt, es erforderlich macht, daß Schritte unternommen werden, um eine breite jüdische Kooperation zu sichern. Die Zionistische Organisation, welche während einer langen Reihe von Jahren die Hauptlast getragen und die unter der klugen und weitsichtigen Führerschaft Dr. Weizmanns große Resultate erzielt hat, ist von einem großzügigen und aufopfernden Geist getragen. Sie schlägt vor, daß die Hälfte der Sitze in der erweiterten Körperschaft von den Organisationen, die jetzt zum ersten Male endgültig daran teilnehmen, eingenommen werden soll. Ich hoffe ernsthaft, daß die jetzige Gelegenheit ergriffen werden wird, um eine voll repräsentative Körperschaft zu schaffen, mächtig in ihren Persönlichkeiten und in ihren Mitteln, die die sichtbare Verkörperung und das tatsächliche Instrument für alles sein soll, was in Beziehung zum Judentum und zu Palästina steht. So wie Edmund Burke sagt: „Der Staat umfaßt die vergangenen, die gegenwärtigen und die zukünftigen Generationen.“ Wir haben die Verantwortung all denen gegenüber, die gegangen sind und jenen, die noch kommen werden. Lasset uns erheben zu der Höhe unserer Pflicht. gez. Herbert Samuel. Ansprachen hielten Sir Robert Waley Cohen, Lord Rothschild, Sir Mathew Nathan und andere. Hierauf fand die angeführte Resolution einstimmige Annahme. * Am Abend des 21. fand im Scala-Theater eine öffentliche Versammlung statt. Lord Melchett hielt namens der Exekutive der Zionistischen Weltorganisation und namens der englischen Zionistischen Föderation eine begeisternde Rede, in der er den Beschluß der Konferenz auf das lebhafteste begrüßte. Im Laufe seiner Ansprache verlas er Begrüßungsschreiben von Prof. Weizmann und Nahum Sokolow.