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Das jüdische Echo · 1929-04-26 · 17 (26.4.1929) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
17 (26.4.1929)
Date
1929-04-26
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 17 26. Äpril 16. Jahrgang Pessach 5689 Pessach, das Fest des Frühlings in der Geschichte unseres Volkes, hat diesmal eine besondere Bedeutung. Seit Jahr und Tag bemüht sich die Zionistische Organisation den Auftrag der Mandatsmacht zur Ausführung zu bringen, eine Jewish Agency zu schaffen, die vom ganzen jüdischen Volke getragen wird. Nach schweren inneren Kämpfen auf den letzten Kongressen und sonstigen zionistischen Tagungen ist der Versuch unternommen, auch die nichtzionistischen Kreise des jüdischen Volkes für dieses Problem zu gewinnen und zur tätigen Anteilnahme an der Jewish Agency heranzuziehen. Der Versuch ist größtenteils gelungen — nur eine Organisation stand bisher noch abseits: die Agudas Isroel. Erfreulicherweise hören wir in den letzten Tagen, daß auch hier führende Männer und Gruppen den Anschluß suchen und wir wollen uns der Hoffnung hingeben, daß die Verhandlungen durch beiderseitiges Entgegenkommen zu einem günstigen Abschluß führen. So können wir denn in Harmonie der gemeinsamen Arbeit für Erez Israel zum ersten Male ein Pessachfest der Geschlossenheit feiern, das den Anfang für weitere Zusammenarbeit bilden wird. Die Kräfte des Aufbaues werden sich vereinen zu zukunftsreichem Schaffen. K. R. Volk wer düng Wir Juden nennen uns mit Stolz eines der ältesten Kulturvölker der Welt. Die wenigsten sind sich über die Bedeutung dieser Aussage klar. Schließlich stammen ja alle Menschen von Adam ab und Franzosen, Deutsche, Engländer und alle anderen Völker können ihre Stammbäume bis auf die Stammeltern zurückführen. Als Individuen blicken alle Menschen auf einen gleichen Zeitraum der Entwicklung bis in die graueste Vergangenheit zurück. Wenn man von einer Menschengruppe jedoch sagt, sie sei als solche alt oder älter als andere Gruppen, so will das heißen, daß diese Menschengruppe früher als andere zu einer gemeinsamen Zusammenfassung gelangt ist und von einer diese Gemeinschaft bestimmenden Idee beherrscht war. So gesehen, sind die Juden neben Chinesen und Indern eines der ältesten Völker des Erdballs. Die jüdische Gemeinschaft hat historische Tradition, die in die Zeit der Assyrier, Babylonier und der antiken Ägypter reichen. Es bleibe dahingestellt, ob wir die Nachfahren der Chabiri oder der Hyksos sind, die im dritten Jahrtausend vor Christi in Vorderasien ein Nomadenleben geführt und Einfälle nach Ägypten unternommen haben, welches nach der Meinung der Historiker lange Zeit unter der Herrschaft dieser Hyksos gestanden hat. Sicher ist, daß wir im zweiten Jahrtausend vor der gewöhnlichen Zeitrechnung bereits den Übergang von der Stammesordnung zu einer Volksgruppe durchgemacht haben. Nach unseren Überlieferungen ist der deutlichste Einschnitt dieser Entwicklung unsere Rückwanderung aus Ägypten in das heimatliche Vorderasien. Es ist jenes Ereignis, das die Grundlage für das Pessachfest abgibt. Aber nicht allein die Tatsache, daß wir, von einem gemeinsamen Willen geeinigt, unter der Führung eines überragenden Sehers und Propheten den Rückmarsch in die Stammesheimat antraten, ist das Großartige an diesem Ereignis. Schließlich hat ja jedes Volk im Laufe seiner Entwicklung einen Zeitpunkt erlebt, in dem es durch die Ereignisse zu einer Volksgemeinschaft geschmiedet wurde. Das Gewaltige der jüdischen Volkswerdung besteht darin, daß sich dieser historische Akt unter der Herrschaft von Ideen vollzog, die einzig in der Geschichte der Menschheit dastehen. Der Auszug aus Ägypten ist darum ein welthistorisches Ereignis, weil er die Periode der Schaffung des biblischen Gesetzes einleitet. Und dieses biblische Gesetz, das seine Fortführung in der Richter¬ und Prophetenzeit fand, ist, voller Stolz können wir das sagen, einzigartig in der Geschichte der Menschheit. In einer Zeit, in der, wie Benjamin Disraeli einst stolz behauptete, die Vorfahren der heutigen Kulturvölker noch im Dreck ihrer Pfahlbauten steckten, haben die Juden bereits den Dekalog als Grundlage ihrer Lebensauffassung angenommen. In jenen Tagen, da nirgends das Recht des einzelnen Menschen stipuliert war, gaben sich die Juden Fremdengesetze, die in ihrer Großartigkeit und Einfachheit bis auf den heutigen Tag noch nirgends überboten sind. Die soziale Gesetzgebung der Bibel, die Bodenreformbestimmungen, die Lohngesetze, die Tierschutzanordnungen, kurz der gesamte Umkreis des jüdischen Gesetzes, ist, zu unserer Ehre sei es gesagt, um eine Zeit entstanden, in der die übrigen Völker noch im Wust dumpfer Machtinstinkte lebten. In einer Welt, deren letztes Argument rohe Gewalt war — gewandelt in verschiedener Form ist es bis auf den heutigen Tag noch der Fall —, setzte jüdischer Geist dieser Auffassung den Grundsatz der Gerechtigkeit entgegen. Da sich unsere Volkwerdung unter solchen Auspizien vollzog, ist sie nicht nur eine Angelegenheit einer Volksgruppe, sondern bedeutet eines der wichtigsten Ereignisse in der Geschichte der Gesamtmenschheit. Wenn wir also das Fest der Überschreitung, den Passah, feiern, so liegt darin nicht nur die Erinnerung an den Anfang unseres geeinigten Volkstums, sondern auch das stolze Bewußtsein, daß in jenen Tagen eine neue Epoche für den Aufstieg der Allmenschheit lag. In diesem Geiste sollen Juden in der ganzen Welt heute wie vor tausenden Jahrep ihr Passahfest feiern: Erfüllt von Judenstolz auf eine heroische Vergangenheit, deren Kennzeichen nicht Gewalt und Unterdrückung, sondern Gesetz der Gerechtigkeit war. M. W.

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