Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 15 (12.4.1929)
- Date
- 1929-04-12
- Page
- Seite 233 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 15 Das Jüdische Echo 233 Deutschen Liga für Völkerbund mit Wirkung vom 1. April 1929 beschlossen. Schändung der Synagoge, Verwüstung der jüdischen Volksschule in Arnsberg Berlin, 8. April. (JTA.) Aus Bochum wird telegraphiert: Nach einer nationalsozialistischen Versammlung in Arnsberg, in der der ehemalige Pfarrer Münchmeyer ein Hetzrede hielt, zog eine Rotte Nationalsozialisten zur Synagoge und schlug dort die Fenster ein. Die Bande drang auch in die jüdische Volksschule ein, zerbrach Tische und Bänke, riß Bilder und Karten von den Wänden, und verunreinigte die Schulzimmer auf nicht .wiederzugebende Weise. In den Betsaal der Synagoge vermochten die Burschen nicht einzudringen, da die Türen fest verschlossen waren. Die Polizei hat bereits fünf der Täter festgenommen. Dr. Joseph Breuer als Rektor der Frankfurter Jeschiwah definitiv bestätigt Frankfurt a. M., 8. April. (JTA.) Der Vorstand der Synagogengemeinde „Israelitische Religionsgesellschaft“ hat Herrn Rabbiner Dr. Joseph Breuer, welcher bereits seit Jahren in Stellvertretung die Jeschiwah der Israelitischen Religionsgesellschaft geleitet hat, definitiv als Rektor der Jeschiwah berufen. Übersetzung des schweizerischen Zivilgesetzbuches ins Hebräische Zürich, 31. März. (JTA.) Das „Israelitische Wochenblatt für die Schweiz“ meldet: Das Schweizerische Zivilgesetzbuch hat bekanntlich weitreichende moralische Eroberungen gemacht, indem es bei der Gesetzgebung anderer Länder in großen Partien übernommen worden ist, so noch unlängst in der Türkei. Der Herausgeber der in hebräischer Sprache erscheinenden juristischen Monatsschrift „Hamischpat“ in Jerusalem beabsichtigt nun, das Schweizerische Zivilgesetzbuch ins Hebräische zu übersetzen, wodurch möglicherweise auch eine Übernahme unseres Zivilrechts in das künftige Recht Palästinas bewirkt “ werden kann. Die Kosten dieser Übersetzung sind allerdings erheblich. Eine Anzahl jüdischer Juristen der Schweiz veröffentlicht im „Israel. Wochenblatt“ einen Aufruf für Spenden zur Deckung dieser Kosten. Ernennungen jüdischer Universitätsprofessoren in Wien Wien, 1. April. (JTA.) Unter 11 Dozenten der Wiener Universität, die zu Universitätsprofessoren ernannt worden sind, sind 6 Juden, und zwar die Internisten Fres Leo Heß, Emil Zak, Paul Saxl und Herbert Elias, der Neurolog Josef Gerstmann und der Heilpädagoge Erwin Lazar. Zum ersten Male seit vielen Jahren wurden wiederum jüdische Gelehrte an der Wiener Universität zu Professoren ernannt. Das Konsistorium der jüdischen Gemeinden Italiens tritt in die Jewish Agency ein Mailand, 2. April. (JTA.) Der Generalrat des Konsistoriums der jüdischen Gemeinden Italiens, der das repräsentative Organ der italienischen Judenheit ist, beschloß in seiner soeben in Mailand abgehaltenen Tagung, mit den Vertretern der zionistischen Föderation Italiens wegen Ernennung eines Vertreters des Konsistoriums für den nichtzionistischen Teil der Jewish Agency in Verhandlungen zu treten. Neuer gesetzlicher Status der italienischen Judenheit Rom, 4. April. (JTA.) Die Aussöhnung Italiens mit dem Vatikan, der neue Vertrag zwischen Staat und Kirche und die Neubildung des päpstlichen Staates in Italien haben eine Neuregelung des verfassungsmäßigen Status der jüdischen Gemeinden Italiens notwendig gemacht. Im Zusammenhang mit der neuen religiösen Politik hat die Regierung beschlossen, eine Modifizierung der gesetzlichen Verfügungen bezüglich der Juden, die noch vor der Bildung des vereinigten italienischen Königreichs in Kraft getreten waren, vorzunehmen. Zu diesem Zweck wird eine Sonderkommission eingesetzt, der drei Juden, unter ihnen der Oberrabbiner von Rom, und drei Nichtjuden angehören. Aufgabe dieser Kommission wird es sein, den Entwurf einer Neuregelung des Status der jüdischen Gemeinden herzustellen. Wie es heißt, wird der anfängliche Plan,- die Stelle eines Oberrabbiners für ganz Italien zu schaffen, fallen gelassen. Viel wahrscheinlicher ist, daß ein rabbinischer Rat, ähnlich einem Beth-Din, als oberste rabbinische Landesbehörde eingesetzt werden wird. Eindrucksvolle studentische Demonstration gegen einen antisemitischen Professor Paris, 1. April. (JTA.) Professor Loth, der bekannte politische Antisemit und Vorkämpfer des Numerus clausus, Professor an der Warschauer medizinischen Fakultät, besuchte die berühmte Universität in Montpellier (Südfrankreich) und sollte im Auditorium maximum einen Vortrag halten. Als er zu sprechen anfing, erhoben sich 200 jüdische Studenten, in der Mehrzahl Opfer des polnischen Numerus clausus, und verließen den Saal. Die christlichen Studenten, die über Loths Numerus-clausus-Tätigkeit informiert worden waren, folgten dem Beispiel ihrer jüdischen Kollegen. Im Saale blieben nur die Professoren zurück, von denen mehrere unverkennbar das Vorgehen der Studenten billigten, aber ihren Gast nicht im Stiche lassen wollten. Lord Balfour zieht sich aus dem öffentlichen Leben zurück London, 6. April. (JTA.) Lord Balfour, der am 25. Juli d. J. 81 Jahre alt wird, hat sich infolge seines hohen Alters und seines hartnäckigen Leidens, besonders seines Kehlleidens, das ihm andauerndes Sprechen schwer macht, entschlossen, sich aus dem öffentlichen Leben zurückzuziehen. Er wird eine Wiederwahl als Lord-Präsident des Council darum ablehnen. Er verkauft sein Londoner Haus in 4 Carlton Gardens, das 58 Jahre lang sein Londoner Heim war, und einst (1846 bis 1855) das Heim eines anderen großen Premierministers, Lord Palmerston, war und das an der Stelle des 1827 niedergerissenen Prinzregenten-Palais erbaut worden war und wird seinen endgültigen Aufenthalt auf seinem schottischen Besitztum in Whittinghame nehmen. Ueberkinger Sprudel Süddeutschlands führendes Tafelwasser Generaldepot Eduard Kühles, München RASPSTRASSE 6 TELEPHON 92200