Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- Romanbeilage des Jüdischen Echo
- Issue
- 1/13 (5.4.1929) Der letzte Waldjude/ Chaim Lederers Rückkehr
- Date
- 1929-04-05
- Page
- Seite 48 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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48 Romanbeilage des „Jüdischen Echos“ Nr. 13 „Vielleicht ist der Vater zu früh aus dem Geschäft absgeschieden? Seine Energie ist noch zu stark?“ — warf Morris ein. „Der Zeitunterschied spielt keine Rolle“, — entgegnete der Arzt. „Wir haben in unserer Praxis Fälle, wo die betreffenden Individuen kaum noch ein halbes Jahr zu leben hatten, da ihre Lungen oder ihr Herz völlig verbraucht waren — und doch laufen sie in den Shop zurück, um ihre letzten Tage im Shop zu verbringen. Es ist einerlei: wann immer er auch den Shop verlassen hätte, er wäre immer zu ihm zurückgekehrt.. „Und was ist da zu tun?“ „Nichts. Vorläufig abwarten und vorsichtig sein! Die Krankheit ist übrigens nicht gefährlich ...“ * * * Einige Tage später war der alte Lederer verschwunden. Er hatte sich zu einem Spaziergang vom Hause entfernt und war nicht mehr zurückgekehrt. Wertsachen oder Geld trug er außer ein paar Dollar nicht bei sich. Und in der Bank, wo eine bedeutende Summe auf seinen Namen deponiert war, wurde nie ein Scheck mit seiner Unterschrift präsentiert. Detektivs stellten in sämtlichen Shops von Neuyork und der näheren und weiteren Umgebung Nachforschungen an, doch ohne Erfolg. Ein paar Wochen später kamen Nachrichten, der alte Lederer sei in einem Wäsche- Shop in Boston gesehen worden. Es wurde gesucht, doch Lederer wurde nicht aufgefunden — es lag eine Verwechslung vor. Später kam eine ähnliche Nachricht aus Philadelphia, doch auch sie erwies sich als unrichtig. So vergingen einige Monate und Lederer blieb verschwunden. Seine Angehörigen beruhigten sich und stellten die Nachforschungen ein. Die Kinder erwähnen ihn nie mehr. Seine Frau tut es dann und wann mit einem Seufzer oder einer Träne. Doch die gelten keinem Lebenden — sondern einem Toten ...