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Das jüdische Echo · 1929-03-29 · 12 (29.3.1929) Chaim Lederers Rückkehr · p. Seite 46

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
12 (29.3.1929) Chaim Lederers Rückkehr
Date
1929-03-29
Page
Seite 46 (sequence 4)
Language
German
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46 Romanbeilage des „Jüdischen Echos' Nr. 12 „Ja, ja, ja! Ich will wieder in den Shop zurück. Ich muß in den Shop zurück, hörst du? Ich muß, ich muß?!“ „Weißt du, was du redest? Begreifst du überhaupt, was du redest? Du willst ein Arbeiter werden? Du,*Chaim Lederer in Firma „Lederer and sons“, willst in den Shop zurück? Ein halbes Leben hast du dafür gearbeitet, aus dem Shop herauszukommen, und jetzt, da du endlich draußen bist, willst du in Shop zurück? Weißt du, was du redest? Weiß du, was das heißt? Du bist krank, mein lieber Mann, sehr krank. Ich unglückliche Frau, weh’ mir, ich weiß ja nicht, was ich mit dir anfangen soll! Jetzt sehen schon alle, daß du krank bist. Heute hast du dich in deinem eigenen Shop mitten unter die Arbeiter gesetzt und hast Schmach und Schande über uns gebracht. Und jetzt willst du wieder ein Arbeiter werden! Du bist krank, Chaim, sehr krank! Ich muß die Kinder rufen, ich arme, unglückliche Frau! .. XIV. Kapitel SHOP-KRANKHEIT. Am nächsten Tag erhielt der alte Lederer einen unerwarteten Besuch: Doktor Salkind kam zusammen mit einem zweiten Arzt. Dr. Salkind war der Hausarzt der Familie Lederer. Lederer selbst brachte ihm nicht viel Zuneigung entgegen, denn in seinen Augen war Dr. Salkind eine der „Neuheiten“, die seine Frau eingeführt hatte, seit sie reich geworden waren; und Lederer liebte ihn ebensowenig, wie die neuen Möbel und die neue Ordnung im Hause, die er als ebenso überflüssig empfand. Doch Dr. Salkind war von unerschütterlicher Liebenswürdigkeit, lächelte stets und war immer bei gutem Humor, so daß man ihm nicht ernsthaft bös sein konnte. Und selbst wenn man ihm bös wurde, so nützte es nichts; denn Dr. Salkind machte sich nichts daraus, und wie die Katze immer auf die Füße fällt, so blieb er in allen Situationen der liebenswürdige, höflich lächelnde Dr. Salkind. Als Dr. Salkind diesmal kam, wollte ihn der alte Lederer anfangs nicht empfangen. Als ihm gemeldet wurde, Dr. Salkind wolle ihn sehen (dies meldete ihm seine Frau in der zartfühlenden Art, mit der man einem Schwerkranken etwas beibringt), wurde er wütend und drohte, den Doktor die Treppe hinunterzuwerfen. Aber bald wurde er ruhig und sein Zorn legte sich; denn er besann sich: „Am Ende meinen sie wirklich, ich sei verrückt!“ Er kam selbst zu Dr. Salkind hinaus, ein künstliches Lächeln auf den Lippen, über das er noch aus seiner'Geschäftszeit verfügte. „Ah, Sie sind wirklich gekommen, um festzustellen, ob ich bei vollem Verstände bin? Bitte, mit Vergnügen! Überzeugen Sie sich!“ — mit diesen Worten empfing er den Arzt. „Aber, Mister Lederer, was fällt Ihnen ein! Wollen Sie mich beleidigen? Ich habe Ihnen doch nichts Böses getan! Ich war gerade bei Ihrer Frau Gemahlin, um ihre Leber zu untersuchen — und da hat sie mich gebeten, ich möge ein wenig nach Ihnen sehen. So möchte ich mich einfach erkundigen, wie es Ihnen geht, wie Sie sich fühlen, seit Sie sich vom Geschäft zurückgezogen haben, und wie Ihnen das Unbeschäftigtsein behagt...“ Fortsetzung folgt. In der nächsten Nummer beginnen wir mit dem Hbdruck unseres neuen Romans: Der letzte Waldjude von J. Opatoschu Äus dem Jiddischen übertragen von Siegfried Schmitz Der hervorragende jüdische Dichter gibt in diesem Werk ein großangelegtes Bild vom Zustand der polnischen und jüdischen Gesellschaft in der Zeit vor dem Polenaufstand von 1863; der geistige Weg eines chassidischen Jünglings in die große Welt ist in einer Fülle plastischer Szenen packend und mit großer Eindringlichkeit dargestellt.

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