Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 11 (15.3.1929)
- Date
- 1929-03-15
- Page
- Seite 172 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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172 Das Jüdische Echo Nr. 11 Friede in der zionistischen Bewegung Polens Warschau, 5. März. (JTA.) Die von der Gruppe der „unabhängigen Zionisten“ eingeleitete Aktion zur Herstellung des Friedens in der polnischen zionistischen Organisation hat einen durchschlagenden Erfolg zu verzeichnen. Gestern 1 Uhr nachts, bei Gelegenheit des zu Ehren des Direktors des Keren Hajessod in Jerusalem, des Dichters Leib Jaffe, gegebenen Banketts wurde ein Friedensabkommen von dem Führer der radikalen Opposition, Abg. Grünbaum, und den Vertretern des Zentralkomitees, Levite, Rosenblatt und Hindes, unterzeichnet, das unter anderem folgende Punkte enthält: Das Zentralkomitee wird neu konstituiert in der Weise, daß neben den neun Mitgliedern, die durch den Parteirat gewählt, weitere neun Mitglieder von der Opposition gestellt werden, und der Vorsitzende einer neutralen Gruppe anzugehören hat. Beide Parteien verpflichten sich, in prinzipiellen Fragen einander nicht zu majorisieren. Das Präsidium des Zentralkomitees besteht aus sieben Personen, und zwar aus dem neutralen Präsidenten, drei bisherigen Mitgliedern des Zentralkomitees, zwei Angehörigen der radikalen Gruppe „Al Hamischmar“ und einem Revisionisten. An die Stelle des zurückgetretenen Präsidenten der Landesorganisation, Herrn Leon Levite, wird wahrscheinlich Rechtsanwalt Borys Stawsky treten. Das vom Zentralkomitee herausgegebene Komunique über die Verständigung schließt mit den Worten: „Das Zentralkomitee hofft, daß in der Zukunft die gesamte zionistische Arbeit in Polen im Geiste gegenseitiger Achtung, des Vertrauens und der Verständigungsbereitschaft geführt werden wird, so daß der Unterzeichnete Akt Wirklichkeit des Lebens werden wird. Die Ausgrabungen der hebräischen Universität in Beth-Alpha beendet Jerusalem, 10. März. (JTA.) Die Universität Jerusalem gibt soeben eine Mitteilung heraus, daß die von der Universität veranstaltete und von Dr. Sukenik geleiteten archäologischen Ausgrabungen in Beth-Alpha nunmehr abgeschlossen sind. Neben der ausgegrabenen Synagoge wurde ein Hof mit gewürfelter Pflasterung entdeckt. Die Mosaiken der Pflasterung enthalten zwei Inschriften, die eine in griechischer, die andere in aramäischer Sprache. Der aramäischen Inschrift ist zu entnehmen, daß die Pflasterung zu der Synagoge führt und zur Zeit der Regierung des Kaisers Justinus hergestellt wurde. Die griechische Inschrift enthält die Namen der beiden Handwerker, die die Pflasterung herstellten. Unter dem Fußboden der Apsis ist ein Behälter gefunden worden, der anscheinend als Sammelbüchse diente; in demselben befanden sich zwei Dutzend Kupfermünzen. 111^ Feuilleton lllll 111 llllllllllllll llll INI I I IIIII Uriel Birnbaum Vorlesung aus eigenen Werken (Gehalten ain 6. März 1929 im Rahmen der Lehrkurse der Israelitischen Kultusgemeinde München im Steinicke-Saal) Vor einem zahlreichen und distinguierten Publikum gab der Wiener jüdische Malerdichter Uriel Birnbaum in einer anderthalbstiindigen Vorlesung eine Übersicht über einen Teil seines bisherigen dichterischen Schaffens. Er begann, seitens der Veranstalter durch Herrn Oberlandesgerichtsrat Dr. Alfred Neumeyer herzlich begrüßt, mit dem Vortrag von Kriegsgedichten, die während des Weltkrieges und im unmittelbaren Zusammenhang mit des Dichters persönlichen Kriegserlebnissen entstanden, in Wien im Jahre 1921 unter dem Titel „In G’tles Krieg“ erschienen sind. Wie schon der Name des Werkes besagt, hat Birnbaum den Krieg religiös erlebt. Er empfand ihn vom ersten Augenblick an als eine g’ttliche Schickung, als ein Strafgericht G’ttes und hat diese, mit seinem Blut besiegelte Erkenntnis nie preisgegeben. Im Gegensatz zu so vielen, ehemals überbegeisterten Kriegsdichtern, die nur allzu rasch ihre frühere Einstellung vergessen hatten, um heute mit dem seichten Strom der Zeit zu schwimmen, hält Birnbaum, heute wie ehemals, jene Erlebnisse in Ehren und wird nicht müde' darauf hinzu weisen, daß alle Not und Greuel des Krieges, als von G’tt gegeben, in Demut und Ergebenheit, ja erlebnisfreudig hinzunehmen sind. „In Gottes Krieg“ besteht aus einer tagebuchartigen Sammlung von Sonetten, in denen alle Ereignisse des Krieges und jede Phase seiner persönlichen Erlebnisse ihren religiös bestimmten Ausdruck finden. Es spricht sich darin aber auch ganz scharf die politisch eindeutig rechts gerichtete Einstellung des Autors und (wie es von einem religiösen Menschen seiner Art nicht anders erwartet werden kann) seine antidemokratische, autoritative Weltansicht aus. Den weiteren Inhalt seiner Vorlesung bildeten Liebesgedichte aus dem leider bisher unveröffentlicht gebliebenen Gedichtband „Leben in Liebe“. Die vorgelesenen lyrischen Gedichte sind durch eine besondere Einfachheit gekennzeichnet und klingen damit stark an das Volkslied an, nur daß sie ebenfalls durchwegs von einem religiösen Grundton getragen werden. Es waltet in ihnen also letzten Endes das gleiche Prinzip vor wie in den Kriegsgedichten. Denn gerade so wie alle außerordentlichen und umwälzenden Weltereignisse als von G’tt zu betrachte» sind, so auch das Alltägliche und Banale. Denn „.. was alltäglich ist, hat Ewigkeit“. In der zweiten Hälfte des Abends las Uriel Birnbaum „Gedichte in einer neuen Form“. Hier fiel besonders das „Nachtgedanken“ betitelte Gedicht auf. Es zeigt nämlich, wie der gläubige Dichter auch nicht von schwersten Zweifeln verschont bleibt, die vielleicht gerade eine unerläßliche Voraussetzung für seine tiefe Gläubigkeit bilden. In den darauffolgenden „Biblischen Sonetten“ macht er mit seiner hervorragenden Nachdichtung j Vornehme Zuglampen Tisch- und Ständerlampen Alabasterschalen J.WINHART&Co. Marsstrasse 7 (am Hauptb.) 00310131010189