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Das jüdische Echo · 1929-02-22 · 8 (22.2.1929) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
8 (22.2.1929)
Date
1929-02-22
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 8 22. Februar 16. Jahrgang Australien und Palästina Ein kolonisatorischer Vergleich Von M. M e (1 z i n i Die englische Regierung hat eine Untersuchungskommission nach Australien entsendet, welche dort das Siedlungswerk einer eingehenden Prüfung unterzogen hat. Die Ergebnisse ihrer Untersuchung erinnern so stark an die allgemeinen Schlußfolgerungen der Experten, die Palästina im Aufträge der Agency- Kommission besucht haben, daß eine nähere Betrachtung von großem Interesse ist. Die erste Schlußfolgerung der britischen Kommission stellt zunächst fest, daß „große Summen nutzlos für Projekte zur Entwicklung Australiens ausgegeben worden seien“. Um die Bedeutung dieses Satzes zu verstehen, muß man wissen, daß die australische Kolonisation und ihre Entwicklung ein staatliches Unternehmen darstellen, an dem Australien und Großbritannien in gleicher Weise beteiligt seien. Die Mittel für die Durchführung dieses Siedlungswerkes wurden aus Steuergeldern der australischen Bürger und aus Anleihen zur Verfügung gestellt, die Australien unter Bürgschaft der englischen Regierung erhalte. Es ist zunächst ein Rätsel, wie angesichts dieser Mitwirkung höchster staatlicher Instanzen ungeheure Summen nutzlos ausgegeben werden konnten. (So z. B. hat der australische Korrespondent der „Times“ im September 1927 seinem Blatte berichtet, daß ein großer Teil der Ansiedler die ihnen anvertrauten Wirtschaften verlassen habe und von 6500 Siedlern nur 1700 an Ort und Stelle geblieben seien. Auch sei kein einziger Siedler vorhanden, dessen Wirtschaft ihn bereits erhalte und der nicht von weiteren Subventionen abhängig sei.) Die Frage nach der Ursache für den Mißerfolg dieses Werkes, dem gegenüber sich das Siedlungswerk in Palästina geradezu glänzend bewährt hat, drängt sich lebhaft auf. Die Leitung der Siedler lag in Australien nicht in den Händen einer Partei, man hat keine „sozialen Experimente“ vorgenommen, sondern sich des vielgepriesenen „kolonisatorischen Regimes“ erfreuen können. Einer der Hauptfehler scheint nach dem Bericht die schlechte Auswahl der Siedlungsländereien gewesen zu sein. So ist in der Nähe von Perth ein Bodenkomplex, in dem 2K Millionen Pfund investiert wurden — mehr als doppelt soviel als die Zionistische Organisation von 1918 bis Ende 1927 für landwirtschaftliche Kolonisation überhaupt ausgegeben hat — infolge seiner mangelhaften Tauglichkeit wieder fast vollständig aufgegeben worden. Eine zweite Ursache für den Mißerfolg des australischen Siedlungswerkes war die Methode der Siedlung selbst. Statt dem Siedler sofort Boden und Arbeitswerkzeuge zu geben, hat die Regierung ihn als einen Lohnarbeiter angesehen und ihn für seine Arbeit bezahlt, so daß die meisten Arbeiter sich nicht als Siedler, sondern als Lohnarbeiter betrachteten. In der Frage der Verpflichtung der Siedler wurde gleichfalls von Anfang an versäumt, klare Abmachungen zu treffen; dadurch wurde der Siedler verleitet, aus Furcht vor einer Uberbürdung mit zu großen Verpflichtungen die Wirtschaft zu verlassen. Nach diesen Ergebnissen des australischen Kolonisationswerkes besteht für uns kein Grund, uns der Ergebnisse unserer Palästinaarbeit zu schämen, wenn wir sie mit denen einer staatlichen Kolonisation größten Maßstabes vergleichen, die unter der Mitwirkung von Regierungen vor sich gegangen ist, welche in solchen Angelegenheiten weit mehr Erfahrung besitzen als die Zionistische Organisation. Natürlich genügt es nicht, einen solchen Bericht allein daraufhin durchzulesen, wieweit er für unsere Mißerfolge einen Trost bietet. Darüber hinaus hat er uns auch manches Positive zu sagen. Als ein solcher Punkt sei die Forderung der Experten angeführt, daß die Einwanderung nach Australien der Aufnahmefähigkeit des Landes entsprechen muß — ein Satz, der angesichts der großen Ausdehnung und der immensen Möglichkeiten dieses Kontinentes doppelte Beachtung verdient. In Palästina, für das die Agency-Kommission zu einem ähnlichen Schluß gekommen sei, hat man sich darüber sehr erregt und darin nur einen Versuch gesehen, die Haltung der Regierung zu rechtfertigen, die das Land vor der jüdischen Immigration verschließen wolle. Die Parallele in Australien ist geeignet, dem palästinensischen Jischuw deutlich genug vor Augen zu führen, was die Voraussetzung für eine regelmäßige Immigration ist. Die Ergebnisse des australischen Untersuchungsberichtes zeigen den Zionisten und den künftigen Mitgliedern der Agency, daß das jüdische Siedlungswerk in Palästina trotz aller seiner Mängel Außerordentliches erreicht hat. Fehler müssen natürlich ausgebessert werden; zur Verzweiflung aber oder zur Enttäuschung besteht keine Veranlassung. Auf der anderen Seite sollten unsere Kritiker, und namentlich jene aus den Kreisen der englischen Beamtenschaft in Palästina, verstehen, daß die Juden in Palästina auf kolonisatorischem Gebiete ohne die Erfahrungen von Generationen, ohne die mächtigen Mittel des Imperiums und ohne irgendwelche Erleichterungen Resultate auf kolonisatorischem Gebiete erzielt hätten, die den Vergleich mit den Resultaten der australischen Regierungskolonisation leicht aushalten könnten. „Haarez“

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