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Das jüdische Echo · 1929-02-15 · 7 (15.2.1929) · p. Seite 112

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
7 (15.2.1929)
Date
1929-02-15
Page
Seite 112 (sequence 21)
Language
German
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108 Das Jüdische Echo Nr. 7 findenden Einweihung des von ihm geschaffenen Gesundheitszentrums beizuwohnen. Edmond de Rothschild steht im 84. Lebensjahre. Nathan Straus hat im vergangenen Jahre seinen 80. Geburtstag gefeiert. Einwanderung im Dezember Jerusalem, 4. Februar. (JTA.) Der in den vergangenen Monaten zu verzeichnen gewesene Überschuß der jüdischen Einwanderung über die Auswanderung ist auch bei der Ein- und Auswanderung im Dezember 1928 zum Ausdruck gekommen. In diesem Monat wanderten nach der soeben bekanntgegebenen offiziellen Mitteilung 187 Juden (unter der allgemeinen Zahl von 261 Einwanderern) in Palästina ein und nur 99 (unter insgesamt 178 Auswanderern) verließen in dem gleichen Monat das Land. Im November 1928 wanderten 185 Juden ein, 167 wanderten aus. Im Oktober betrug die Zahl der jüdischen Einwanderer 205, die der jüdischen Auswanderer 180. Die neuen Einwanderer in Palästina alle untergebracht Jerusalem, 1. Februar. (JTA.) Die in der vergangenen Woche aus Europa in Palästina eingetroffenen Einwanderer konnten in den letzten Tagen sämtlich ihren Arbeitsstellen zugeteilt werden. Die Regierung Transjordaniens stimmt der Vergebung der Toten-Meer-Konzession an Novomeyski und Tulloch zu Jerusalem, 7. Februar. (JTA.) Die Regierung Transjordaniens hat zu der Verleihung der Konzession der Ausbeutung der Salze des Toten Meeres seitens der britischen Regierung an den jüdischen Ingenieur Novomeyski und den britischen Major Tulloch ihre Zustimmung erteilt. Die von der transjordanischen Regierung bezüglich der Verleihung der Konzession Unterzeichneten Dokumente wurden bereits nach London zurückgesandt. Uriel Birnbaum Anläßlich seiner am 6. März d. J. im Rahmen der Lehrkurse der Israelitischen Knltusgemeinde im Steinickesaal stattfindenden „Vorlesung aus eigenen Werken“ und der daran anschließenden Vortragstournee in Reichsdeutschland. Der Name Rirnbaum hat einen guten Klang innerhalb des Judentums. Schon vom Vater Uriels, von Dr. Nathan Rirnbaum (Mathias Acher) her, der vielumstrittenen Persönlichkeit, in der ein Teil seiner Beurteiler einen unsteten, inkonsequenten Menschen sah, der von einer Überzeugung zur anderen taumelte, bis er schließlich beim Glauben landete, der andere hingegen einen Mann, dessen Geist vom Geiste der Propheten war. Wie immer aber auch die Beurteiler urteilten, in einem Punkte sind sich alle einig gewesen: in der Anerkennung seiner persönlichen Lauterkeit, der Ehrlichkeit in seinem harten Kampfe um die jüdische Wahrheit und des Ernstes, mit dem er die jedesmalige Phase seiner Entwicklung auf dem Wege, der ihn letztlich zur Religion führte, verfocht. Bei Uriel Birnbaum, dem Sohne, sind diese Schwankungen nicht in Erscheinung getreten. Er übernahm die Religion sozusagen schon fast als väterliches Erbe, und seit ungefähr fünfzehn Jahren sind die Arbeiten und Äußerungen dieses zu einem großen Dichter und bedeutenden Maler herangereiften Mannes, der sich der begeisterten Anerkennung hervorragender und repräsentativer Persönlichkeiten der verschiedensten Richtungen erfreut, nichts anderes als ein einziges, ununterbrochenes Wirken im Dienste Gottes. Es wäre aber unrichtig, aus der Tatsache der ausschließlich religiösen Fundierung des künstlerischen Schaffens Birnbaums, vielleicht auf eine Monotonie in diesem seinem Schaffen zu schließen. Denn die Religion ist für Birnbaum nicht etwa eine Marotte oder der bevorzugte Gegenstand seiner künstlerischen Behandlung, sie ist vielmehr die Grundlage seines Lebens und jeder Äußerung desselben. Wurzelnd in der Religion und erfüllt von religiöser Triebkraft ist es ihm geradezu unmöglich, ein Werk hervorzubringen, das nicht in Beziehung zur religiösen Wahrheit, zu Gott stünde. Dies ist übrigens leicht verständlich, wenn man sich über Wesen und Wirkung der Religion klar ist und über die Macht, die sie auf die von ihr in Wahrheit und zutiefst Ergriffenen ausüben muß. Der Glaube an Gott, als dem Schöpfer des Weltalls, das er nach seinem Willen und zu seinem Zweck erschaffen hat, der eingewurzelte Glaube, daß der Lebensablauf sich nach Gottes Bestimmung vollzieht und daß jede Handlung im Sinne Gottes oder gegen ihn geschieht, hat zur Folge, daß — wie gesagt — jede Lebensäußerung nur in Hinsicht auf dies höchste, einzige und überweltliche Kriterium erfolgt, das unser Dasein einschließt und in das jedes Atom dieses Daseins zuletzt einmünden muß. So führt es schließlich zum gleichen Ende, ob Birnbaum beispielsweise den Krieg ganz bewußt religiös erlebt und dieses Erlebnis auch bewußt in Bildern und Dichtwerken gestaltet, wie in seinem grandiosen Werk „In Gottes Krieg“ .(das übrigens mit dem Bauernfeldpreis der Stadt Wien ausgezeichnet wurde), oder ob er, wie in seinem bewunderungswürdigen Bildwerk „Der Kaiser und der Architekt“ etwra zuerst aus purer künstlerischer Lust am Phantasieren, sich mit der malerisch-architektonischen Darstellung phantastischer Städtebauten beschäftigt und woraus sich letztlich das weltanschauliche und im weiteren Sinne sogar politische Bekenntnis des Autors ergibt, demzufolge jeder Versuch einer erdachten und konstruierten Welt notwendig scheitern muß und nur die organisch erwachsene, aus Gott hervorgegangene Welt (trotz des in ihr herrschenden Elends, des Krieges, der Armut und der Ungerechtigkeit) moralische Daseinsberechtigung hat. Diese, die reale Welt, ist aber die einzige, die dem farbenfrohen Künstler in jenem regenbogenfarbenen, überirdischen Licht auch einer höheren, ästhetischen Schönheit zu erstrahlen vermag und wovon die gottlosen Ästheten, die Nur-Ästheten sich nicht einmal eine entfernte Vorstellung machen können.

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