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Das jüdische Echo · 1929-02-15 · 7 (15.2.1929) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
7 (15.2.1929)
Date
1929-02-15
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 7 15. Februar 16. Jahrgang Der Zionismus und die nichtjüdische Welt Von Gerhard H o 1 d h e i m Im nachfolgenden veröffentlichen wir mit der freundlichen Erlaubnis des Verlags ein Kapitel aus dem ersten Teil des vor kurzem bei C. A. Schwetschke & Sohn, Berlin, erschienenen neuen Buches von Gerhard Holdheim: „Palästina. Idee, Probleme, Tatsachen.“ (Preis broschiert RM. 3.50, geb. RM. 4.80.) Der Autor, einer der bekanntesten zionistischen Publizisten und einer der besten Kenner des Gegenstandes, hat sich mit diesem Buch nicht die Aufgabe gesetzt, das ganze Wissen über und um Palästina systematisch und erschöpfend in einem wissenschaftlichen Werke niederzulegen, dazu ist der Stoff heute schon viel zu umfangreich, und ein dicker Foliant würde nicht genügt haben, alles Material unterzubringen. Das Ziel, das sich Holdheim gesteckt hat, in die Gedankenwelt des Zionismus einzuführen und über die Wirklichkeit Palästinas, insbesondere über den Stand des jüdischen Aufbauwerkes zu berichten, hat er jedoch voll und ganz erreicht. In dem ersten, der zionistischen Idee gewidmeten Teil seiner Arbeit behandelt Holdheim den heute seiner Meinung nach kaum mehr umstrittenen jüdischen Volksbegriff; er gibt eine Übersicht über die Lage des Judentums zur Zeit der Emanzipation, über das moderne Judenproblem und die Palästinaidee; er zeigt die Stellungnahme der nichtjüdischen Welt zum Zionismus auf, spricht über das Wesen des jüdischen Nationalismus — freilich, wie man zugeben wird müssen, nicht sehr tief — und orientiert schließlich in den „Zionistenkongreß“, „Zionistische Arbeit in der Diaspora“, „Zionismus und Palästina“ überschriebenen Kapiteln über die aktuellen Probleme der Zionistischen Weltorganisation. Der zweite Teil versucht in 11 Kapiteln einen Querschnitt durch die geographischen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse Palästinas zu geben; der Kenner wird zwar nicht viel Neues erfahren, an mancher Einzelheit der Darstellung vielleicht sogar Kritik üben müssen und auch manches vermissen, jedenfalls aber wird er für die Zusammentragung und systematische Anordnung des sonst nur in vielfacher Zerstreuung vorhandenen Materials dankbar sein; für den aber, der sich über die Tatsachen Palästinas erst Belehrung holen will, ist dieses Buch geradezu von unschätzbarem Werte, und es gibt schlechterdings augenblicklich nichts, was ihm an die Seite zu stellen wäre. Die zionistische Überzeugung des Autors hat ihn nicht gehindert, bei der Darstellung der palästinensischen Probleme mit strengster Objektivität zu verfahren und so wird jeder, der sich mit Palästina beschäftigt, mit Freude und Dank das Buch Holdheims benützen, dem möglichst rasch aufeinander folgende neue Auflagen schon deshalb zu wünschen sind, damit die Daten auf modernem Stand gehalten werden können. Vielleicht kann dann auch die dem Buch (das übrigens in einem Anhang den Text des Palästinamandats enthält) beigegebene etwas rohe Kartenskizze durch eine richtige Landkarte ersetzt werden. I. E. * * * Das starke Bewußtsein eines neuen Jude-Seins erfährt eine mächtige Anfeuerung durch die Reaktion der Nichtjuden auf die jüdische Leistung in Palästina. Schon heute, wo das Werk noch in seinen Geburtswehen liegt, geht ein großes Staunen durch die Welt. Man kann es kaum begreifen, daß das Judentum entschlossen ist, wieder aktiv in die Geschichte einzugreifen und neues, schöpferisches Leben auf eigenem Boden anzustreben. Denn das war doch die tiefste Wurzel des Antisemitismus, daß die Juden ein vom Quell des Lebens entferntes, gespensterhaft durch die Welt wandelndes Element darstellen. Ein Volk, das ohne staatlichleibliche Existenz, ohne natürlichen Schwerpunkt sich zum Spielball in der Hand der Nationen degradierte, mußte Affekte herausfordern und der Mißachtung anheimfallen. Die g e i s t i g e n Kräfte des Judentums wurden nicht verstanden; seine physische Schwäche, seine Gestaltlosigkeit aber empfand man und benutzte sie als Ziel blinder Instinkte. Wäre es nur die Fremdartigkeit des jüdischen Volkes gewesen —■ nie hätte die Abneigung so einzigartige Formen annehmen können. Die Rückkehr der Juden nach Palästina bildet die Einleitung einer neuen Epoche in der Welt beurteil ung des jüdischen Volkes. Eine Menschengruppe, die sich bisher fast widerstandslos zertreten ließ und nur als Bettler und Bittsteller der Welt gegenübertrat, verlangt plötzlich vor aller Öffentlichkeit sein Recht auf Eigenexistenz. Von überall her strömen Delegierte zusammen und verkünden in feierlichen Akten das Bewußtsein ihrer nationalen Einheitlichkeit und den entschlossenen Willen, für die Wiederaufrichtung ihres alten Heimatlandes zu kämpfen. Dieses gequälte, stumm leidende Volk klagt plötzlich die Völker an und verlangt Wiedergutmachung des ihm angetanen Unrechts. Die Welt horchte auf, Staatsmänner vieler Länder begannen sich zu interessieren, und es entstand ein unbekanntes Gefühl des Respekts vor der neuen Bewegung. Die Grundforderungen des Zionismus sind inzwischen erfüllt. Was Theodor Herzl von Anfang an begriff: daß nicht nur die Juden, sondern die gesamte Kulturwelt an der Judenfrage, „diesem verschleppten Stück Mittelalter“, leide — es ist schließlich die Erkenntnis der verantwortlichen Staatsmänner geworden. Wohl bei keinem Punkte der politischen Neuordnung ist eine solche Einmütigkeit der Völker festzustellen wie da, wo es galt, den historischen Anspruch des jüdischen Volkes auf Palästina zu proklamieren. Aber man hat — um Lloyd Georges Wort zu gebrauchen — den Juden nur den „Start“ gegeben. Man hat ihnen eine politische Chance gewährt und das selbstver-

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