Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 6 (8.2.1929)
- Date
- 1929-02-08
- Page
- Seite 91 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6 Das Jüdische Echo 91 Personalia Oberlehrer Schweitzer. Anläßlich des Ablebens von Oberlehrer Schweitzer sendet uns die Vorstandschaft der Talmud-Thora-Schule folgenden Nachruf: Oberlehrer M. Schweitzer ist ganz plötzlich nach kurzer Krankheit im Alter von 72 Jahren verschieden. Sein jähes Hinscheiden bedeutet für uns einen überaus schweren Verlust. Seit Gründung der Talmud-Thora-Schule im Jahre 1919 bis zu seiner Erkrankung hat er sich mit seiner ganzen Kraft eingesetzt für die Ziele der Talmud Thora, und er hat es stets als seine Hauptaufgabe betrachtet, den Kindern Thora zu lehren. Daß ihn nicht nur seine Schüler und Schülerinnen ehrten, zeigten die Vielen, die gekommen waren, ihm die letzte Ehre zu erweisen. bv n'ib'sn nun inDtrj nx n^nn Tnsü nmn Sein Andenken wird allzeit in unserer Mitte erhalten bleiben. Gemeindenu.Vereins-icho Gesühnte Preßbeleidigung. Im Juli v. J. brachten die nationalsozialistischen Blätter „Die Flamme“, „Der Hessenhammer“ und „Die Faust“ einen gleichlautenden Aufsatz, der beleidigende Ausfälle gegen die Buchdruckerei und den Verlag B. Heller in München enthielt. Dem Verlag wurde unsaubere Handlungsweise bei der Werbung von Anzeigen für den israelitischen Kalender vorgeworfen. Der Inhaber der Firma, Dr. Alfred Heller, stellte deshalb gegen den damaligen verantwortlichen Schriftleiter, den früheren Reichstagsabgeordneten Hans Dietrich- Franken, Lehrer in Amorbach, Beleidigungsklage. Das Amtsgericht München verurteilte Dietrich im November zu einer Geldstrafe von 600 RM. Dietrich hatte sich in einer ungewöhnlichen Art zu entlasten versucht: Er erklärte, daß den Artikel sein Mitarbeiter, Schriftleiter Franz Ludwig G e n g 1 e r , verfaßt und daß er, Dietrich, ihn vor der Drucklegung nicht gelesen habe. Über diesen Punkt etwas auszusagen, weigerte sich Gengier, der als Zeuge vernommen wurde. Auf Grund der Anklage Dietrichs erhob Dr. Heller auch gegen Gengier Beleidigungsklage, über die vor dem Amtsgericht München unter Vorsitz des Amtsgerichstpräsidenten Frank verhandelt wurde. Für den Privatkläger erschien Rechtsanwalt Levinger, für den Angeklagten Rechtsanwalt Dr. Frank II. Gengier, der vom persönlichen Erscheinen entbunden war, behauptete bei seiner vor einigen Tagen in Nürnberg erfolgten Vernehmung. daß er wohl den ersten Teil des Aufsatzes geschrieben habe, der sich mit einem Abgeordneten der Bayerischen Volkspartei befaßte, nicht aber den zweiten Teil, der sich auf die Firma Heller bezog. Das Gericht kam jedoch zu der Überzeugung, daß Gengier der Verfasser des ganzen Aufsatzes ist und verurteilte ihn als Mittäter ebenfalls zu einer Geldstrafe von 600 RM. Gesamtausschuß der Ostjuden Vor den Vertretern des Gesamtausschusses der Ostjuden in München referierte am Montag, dem 4. Februar, Herr Dr. Taubes (Berlin) über die vierte Reichskonferenz des Verbandes ostjüdischer Organisationen in Deutschland, an der er selbst als Delegierter Münchens teilgenommen hatte. Über die Beschlüsse der Konferenz hat das „Jüdische Echo“ in der Nummer 4 vom 25. Januar bereits ausführlich berichtet und es sollen deshalb hier nur Einzelheiten nachgetragen und Ergänzungen angeführt werden, die sich aus der Diskussion ergaben. Der Verband wurde in den Jahren 1919—20 in München begründet und hier fand auch die erste Konferenz statt. Die Idee der Gründer war, den Ostjuden Deutschlands eine Führung zu geben — heute bestehen tatsächlich Ortsgruppen in ganz Deutschland. Der Gesamtverband ist in erster Linie ein Zweckverband, aber unbedingt national eingestellt und politisch an befreundete Organisationen, in erster Linie an die Zionisten sich anlehnend. In einer allgemeinen Kritik der Gesamtlage betonte Dr. Taubes, daß eine Ostjudenfrage nicht bestehe — daß sie kein Problem sei — vielmehr stehe es fest, daß die Ostjuden mit ihrer gefestigten, lebendigen jüdischen Kultur befruchtend und erhaltend wirken auf die im Rückgang begriffenen jüdischen Zentren in Deutschland. Das wurde an Hand einer Statistik nachgewiesen. In Rußland ist ein Niedergang des Judentums zu bemerken, während der kulturelle Aufschwung des polnischen Judentums sowie das stark pulsierende jüdische Leben in Amerika auf die Juden in Deutschland belebend wirke. Ein Problem ist die Erziehung der o st jüdischen Jugend, die der Beeinflussung durch die Umwelt ganz besonders ausgesetzt ist. Man will dem jungen jüdischen Menschen eine gute jüdische Erziehung im Sinne der Tradition geben und will ihn aktivieren für jüdische Arbeit. Neben der Kulturarbeit ist die wichtigste Aufgabe des Verbandes die Hilfstätigkeit. Dr. Taubes berichtete einiges über die jüdische Kreditkasse Ivria, die heute mit großen Mitteln ausgezeichnet arbeitet. Ferner berichtete er noch vom Jugendäusschuß, von der fliegenden Bibliothek und den sogenannten flie- D e r neue AUSTRO-DAIMLER 6Cylinder,12/70PS Eine umwälzende Neukonstruktion Hirschbold K o m m. - G e s. Fernruf 51355 MÜNCHEN Sonnenstr. 19