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Das jüdische Echo · 1929-02-08 · 6 (8.2.1929) · p. Seite 83

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
6 (8.2.1929)
Date
1929-02-08
Page
Seite 83 (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 6 8. Februar 16. Jahrgang Die Tagung des Preußenverbandes Der Reichsverbands,entwurf abgelehnt Am Sonntag, dem 3. Februar, begann im Saale des ehemaligen Preußischen Herrenhauses die Tagung des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden mit einer Ansprache des Rabbiners Dr. Selig mann (Frankfurt a. M.). Die diesmalige Tagung umfaßt eine Tagesordnung von vierzehn Punkten. Wesentlich sind drei: die Frage des Etats, die Frage des Anschlusses an den Reichsverband der deutschen Juden und die Frage der Verlängerung der Legislaturperiode des Landesverbandes um volle zwei Jahre bis 1930. Der Versammlung liegt der Rechnungsabschluß 1927/28 vor. Der Voranschlag lautete auf 1023 000 RM. Die tatsächlichen Ausgaben beliefen sich aber auf 1 283 932 RM. Die Einnahmen setzen sich aus 820 000 RM. Beiträgen der Gemeinden, 333 000 RM. aus Staatsbeihilfen und aus anderen kleineren Posten zusammen. Der Etat für 1929/30 sieht auf der Ausgaben- und Einnahmenseite einen Betrag von 1 213 000 RM. vor, wozu noch ein Nachtragsetat von 30 000 RM. dazukommt, so daß die Gesamthöhe des Etats 1 243 000 RM. ausmacht. Vorsitzender Rechtsanwalt Heinrich Stern hält eine längere Ansprache und macht einige auf die Technik der Verhandlungen bezügliche Mitteilungen. .Kammergerichtsrat Wolff, Vorsitzender des Rats, leitet den vorgelegten Tätigkeitsbericht des Verbandes durch einige Erklärungen ein. Dr. Alfred Klee begründet kurz einen Vorschlag auf allgemeine Versicherung der jüdischen Gemeindebeamten gegen Krankheit, da die Beamtenschaft durch Krankheitsfälle zum großen Teil verschuldet ist. Finanzdezernent Dir. Kareski spricht dann zum Etat, den er in den einzelnen Posten begründet. Hierauf beginnt die Generaldebatte über den Tätigkeitsbericht und Voranschlag, zu dem als erster Sprecher der Liberalen Dr. Walter Breslauer das Wort ergreift. Dr. Breslauer betont, daß die Versammlung gut daran tun werde, sich an die Punkte der Tagesordnung strikt zu halten und sich nicht, wie an der vergangenen Tagung, stundenlang mit einer Broschüre zu befassen, die nicht zu den Interessen des Landesverbandes gehören (gemeint ist die vorjährige Debatte über die Palästinabroschüre von Dr. Weil und Staatsrat Cohn). Trotz dieser Ankündigung fühlt sich Dr. Breslauer bemüßigt (erfreulicherweise, wie der nächste Redner, Kurt Blumenfeld, feststellte), ins Prinzipielle abzubiegen und eine Deklaration abzugeben, was die theoretische und weltanschauliche Basis der Liberalen bei ihrer Arbeit in jüdischen Körperschaften ist. Er führt aus: Die Liberalen fühlen sich hier nicht im Galuth, Schicksal und Vorsehung hätten die Juden in diese Situation gestellt, sie bejahen diesen Zustand und sind bestrebt, ihre Pflichten nach jeder Hinsicht zu erfüllen. Dr. Breslauer verlangte dann die Durchführung von Ersparnismaßnahmen, weil die Verwaltungsspesen noch immer 15 bis 16 Prozent der Gesamtausgaben aüsmachen. Die Wege, Ersparnisse zu machen, sind nach seiner Ansicht Verringerung der Zahl der Delegierten, Rationalisierung des Verwaltungsapparates, Einschränkung der Zahl der Ratsmitglieder. Dr. Breslauer teilt u. a. mit, daß der Generalsekretär des Landesverbandes, Dr. Charig, seinen Posten verläßt. Bei Besprechung des Etats bemängelte er die Subventionierung des Hechaluz, da dieser nicht nur eine professionelle Hachscharah vorsehe, sondern auch eine kulturelle. Das preußische Judentum hat keinen Anlaß, derartigen einseitigen Richtungen, die sich überdies auf Palästina, also ein Land außerhalb Deutschlands beziehen, zu fördern. Breslauer schloß mit der Versicherung, daß die Liberalen im Geiste herzlicher Verträglichkeit mitarbeiten wollen im Sinne des zukunftsträchtigen liberalen Judentums. Kurt Blumenfeld (Jüd. Volkspartei) knüpft zunächst an die Forderung Breslauers, Ersparnisse zu machen, an und schlägt seinerseits im Interesse echter Demokratie vor, die ganze Institution des Rates aufzuheben. Eine Exekutive von mehreren Personen aus der Versammlung würde zweifellos in der Lage sein, die Verwaltungsgeschäfte zur vollen Zufriedenheit zu führen. Die Abschaffung des Rats, der den Löwenanteil der Verwaltungskosten verursacht, wird bei aller Anerkennung des von ihm Geleisteten nicht schwer ins Gewicht fallen. Zur Frage des Judengesetzes erklärte Blumenfeld, daß der gegenwärtige Schwebezustand untragbar sei, weil die Austrittsmöglichkeit für viele Gemeindemitglieder noch bestehe. Das mache sich besonders in den kleineren Gemeinden bemerkbar, wo einzelne wohlhabendere Steuerzahler durch ihre Drohung, aus der Gemeinde auszutreten, die ganze Gemeindeverwaltung in Abhängigkeit halten und sie zu Maßnahmen zwingen, denen sie sonst niemals zustimmen würde. Zum Etat bemerkte Redner, daß er es gern sehen würde, wenn der Posten für Wohlfahrtspflege eine Erhöhung erfahren würde. Insbesondere unterstützt Redner den Antrag auf Errichtung einer jüdischen Arbeitersiedlung in Deutschland als einen hoffnungsvollen Anfang zur Produktivierung der deutschen Juden. Was die Bemerkungen Breslauers in Sachen der Subventionierung des Hechaluz anbelangt, so sei mit Nachdruck zu betonen: der Landesverband soll die ihm zur Verfügung stehenden Mittel gemäß der Bedeutung einzelner Zwecke ohne Rücksicht auf Gesinnung und differente politische jüdische Richtung verwenden. Man hat davon gesprochen, es läge im Sinne des Judentums, Schwerter in Pflugscharen zu verwandeln. Leider machen wir die Beobachtung, daß die Menschen, die diese Grundsätze proklamieren, in der Praxis viel eher geneigt sind, Ausgaben dort zu bewilligen, wo Schwerter getragen werden, als etwa für

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