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Das jüdische Echo · 1929-01-25 · 4 (25.1.1929) · p. Seite 51

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
4 (25.1.1929)
Date
1929-01-25
Page
Seite 51 (sequence 3)
Language
German
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Das jüdische Echo Nummer 4 25. Januar 16. Jahrgang Ein überparteiliches Urteil Oskar Wassermann in Stockholm Die Frage des Palästinaaufbaus ist in ein neues Stadium getreten. Wie dieses Problem von einem großen Wirtschaftler und bewußten, wenn auch unparteiischen, Juden gesehen wird, lehrt nachstehender Bericht über eine Veranstaltung in Stockholm, in der Oskar Wassermann aus Berlin, einer der bedeutendsten Wirtschaftsführer Deutschlands, über den Stand dieser Angelegenheit sprach. Nachstehend der Originalbericht eines gelegentlichen Mitarbeiters. Auf Einladung des Herrn John Josephson, Vorsitzenden des schwedischen Palästinakomitees, sprach in dessen Heim Oskar Wassermann, Direktor der Deutschen Bank, Berlin, im Dezember vorigen Jahres vor geladenen Gästen über das Thema: „Der Aufbau Palästinas und seine Bedeutung für das Judentum.“ Nachdem der Redner in großen Zügen die Geschichte des Zionismus seit Herzl und insbesondere die Schwierigkeiten, die seiner Verwirklichung von jüdischer Seite bereitet wurden, geschildert hatte, beleuchtete er die allgemeine Verbreitung des Palästinagedankens von der Balfour-Deklaration bis zu dem letzten wichtigen Ereignisse, dem erfolgreichen Abschluß der Verhandlungen über die Gründung der Jewish Agency in Amerika. Wassermann betonte, daß der Aufbau Erez Israels damit aufgehört habe, eine Parteisache zu sein, daß die Zionisten nichts sehnlicher wünschten, als die ungeheure Verantwortung und Bürde, die sie im Namen des gesamten Judentums vor allen Kulturvölkern übernommen hätten, mit allen Juden zu teilen. Dies nicht etwa nur deshalb, weil die Zionisten glaubten, das große Werk nicht allein durchführen zu können, sondern weil ihnen die Bestimmungen des Mandates geradezu die Pflicht auferlegten, sich mit allen Kräften um die Mitarbeit der Nichtzionisten zu bemühen. Die Zionisten hätten diese Pflicht loyal erfüllt. Jetzt sei die Reihe an den anderen, dafür zu sorgen, daß dieses große Werk menschlicher Gesittung von Erfolg gekrönt werde. Zum ersten Male seit 2000 Jahren seien die Juden vor eine große konstruktive Aufgabe gestellt. Gelingt es, sie zu lösen, wird es dem gesamten Judentum zum Segen gereichen, gelingt es nicht, weil ein Teil der Juden glaubt, sich der Mitarbeit entziehen zu können, wird die Welt mit Recht alle Juden für den Mißerfolg verantwortlich machen. Niemand, der in Palästina gewesen ist ■— ob Jude oder Nichtjude — habe sich dem mächtigen Eindruck entziehen können, den die kulturellen und materiellen Leistungen der Einwanderer auf jeden gebildeten und fühlenden Menschen machen müßten. Ohne Zweifel gäbe es genügend Anlaß zur Kritik! Man dürfe aber nicht kleinlich sein, sondern müsse lobend anerkennen, in welchem Geist die Menschen das Land aufbauen. Und da könne es keinen Zweifel geben. Dieser Geist sei bewunderungswürdig! Interessant, man kann sagen originell, ist die Art, wie Wassermann, selbst ein hervorragender Wirtschaftler und als solcher Kenner des Prinzips der Wirtschaftlichkeit, dieses Prinzip nicht ohne Einschränkung auf Palästina anwenden will. Es sei verfehlt, dort heute schon Unwiderrufliches zu schaffen. Die neuen Einwanderer brächten zwar aus Europa eine Menge an sich wertvoller Fachkenntnisse und Erfahrungen mit. Diese könnten aber nicht so ohne weiteres auf Palästina übertragen werden. Die allgemeinen Bedingungen Palästinas, insbesondere die klimatischen, seien so grundverschieden von denen ihrer Heimatländer, daß eine völlige Akklimatisierung der Einwanderer in der ersten Generation außerordentlich schwer sei. Man müsse es der kommenden Generation überlassen, sich ihre eigenen Lebensbedingungen zu schaffen! Auch Mose habe das Volk 40 Jahre durch die Wüste geführt, weil er erkannt habe, daß die in Ägypten aufgewachsene Generation für Palästina untauglich sei. Das Land gehöre den Kindern! Und wer gesehen hätte, wie diese in Erez Israel aufwachsen, der könne für die Zukunft nur Optimist sein. Vielleicht noch wichtiger als die kolonisatorischen Erfolge sei die Schaffung neuer kultureller Werte für die Juden und die ganze Menschheit. Wir müssen daran glauben, daß noch einmal die Lehre und das Wort Gottes von Jerusalem ausgehen wird. Die Juden des Galuth brauchen dieses geistige Zentrum des Judentums in Palästina, um sich ohne Gefahr für den Bestand ihres Judentums an ihre Heimatländer anzupassen. Das gewaltigste ist die Wiedererweckung der hebräischen Sprache. In dieser Sprache würden die Juden der Welt noch einmal wieder Dinge zu sagen haben, die in anderen Sprachen nicht gesagt werden können. All das sei Grund genug, das große Werk zu unterstützen. Die 15 Millionen Juden der Welt könnten und müßten die Pflicht empfinden, den 160 000, die jetzt in Palästina leben, ja, wenn es einst notwendig sein wird, auch 500 000, zur Schaffung der materiellen Existenz zu verhelfen. Nicht nur jener, sondern um ihrer selbst willen. Die Ausführungen des Vortragenden waren von verhaltener, jedoch großer innerer Wärme erfüllt und wirkten um so überzeugender, als hier ein Mann sprach, dessen hervorragende Stellung im internationalen Wirtschaftsleben von vornherein den Verdacht ausschloß, daß er ein Utopist oder Träumer sei. Deshalb konnte auch Dr. Ehrenpreis in seiner Dankrede mit Recht darauf hinweisen, daß nicht der Inhalt der Rede selbst das Entscheidende sei, sondern die Tatsache, daß ein Mann wie Wassermann sie gehalten habe.

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