Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1928-05-04 · 18 (4.5.1928) · p. Seite 284

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
18 (4.5.1928)
Date
1928-05-04
Page
Seite 284 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9072829-9103081-9158279--08445-9081949
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

284 Das Jüdische Echo Nr. 18 Und nach dem „Anzünden“ — des Tanzes zweiter Teil, die Fortsetzung der Tänze vom Tage und Vorabend; Tanz unten im Hofe, Tanz oben auf dem Dache, und ringsherum, im Feuer lodernd, Seide, Purpur, kostbare Gewänder bis zum Morgengrauen: „Bar Jochai, Bar Jochai, Heil dir Gesalbter!“ Spät nachts wird die Menge der Tänzer müde und monoton, müde und monoton werden auch die Zuschauer. Die angezündeten Feuer beginnen zu erlöschen; es scheint, die „Hochzeit“ geht ihrem Ende entgegen. Bis zur nächsten „Hochzeit“ — ein volles Jahr. Dazwischen: Wochentage, Leiden und Nahrungssorgen. Und der Mensch ist doch kein Engel. Wer weiß ob es ihm nächstes Jahr gegönnt sein wird, nochmals auf dem Grabe R. Simons zu tanzen? Man hat keine Lust, sich von hier zu trennen. Noch ein wenig, noch ein wenig — vielleicht kommt inzwischen der nächste Lag-B’omer heran. -- * * * Besonders schwer fiel der Abschied einer kleinen Gruppe von Braslaver Chassidim die auf dem Dache tanzten. Ungefähr zehn an der Zahl. Es herrschte Stille und ihr Tanz war ohne Musikbegleitung. Aber wie ergreifend! Eine kreisrunde Kette, die Gesichter nach oben gerichtet, die Augen in Ekstase geschlossen; und die Lippen lispeln leise eine mysteriöse Melodie: „Daß nicht sich schämen, nicht erröten, die auf Ihn vertrauen.“ Ich glaubte eine Szene aus dem „Dybuk“ vorzusehen. Ach, wie tief sind diese hier in das Geheimnis der Ekstase eingedrungen. Braslav und Zfath, R. Simon b. Jochai und R. Nachman von Braslav, die hier ineinander aufgehen. Das Herz flog ihr zu, dieser kleinen Schar von Tänzern und die Hände klatschten von selbst: „Daß sich nicht schämen, nicht erröten, die auf ihn vertrauen; daß sich nicht schämen, nicht erröten, die auf ihn vertrauen.“ Doch gegen Mittag, wenn die schweren Tautropfen fallen, wenn der rauhe Bergwind weht, beginnen die Hände zu versagen und wollen nicht mehr klatschen, allmählich verweigern die Beine den Dienst. Wie wohl täte jetzt ein weiches Bett, eine warme Decke, damit man einige Stunden Schlaf genießen und im Traume das Schauspiel der Nacht und des Morgens fortsetzen könnte. Und kein Bett ist da. Weder in den Gräben des R. Simon und R. Eleasar noch im Bethause von Miron. Einzig und allein im Altersversorgung^- haus und in der Jeschibah des R. Simon und R. Eleasar gibt es Betten. Doch dort ist alles besetzt; wer früher kommt, der mahlt früher. Und die übrigen Genußsüchtigen, die auch am Lag- B’omer nicht auf den Schlaf verzichten mochten, gingen noch in der Nacht nach Zfath. * *■ * Schwer sind besonders die Morgenstunden. Die Zeit der Pause zwischen den Nachttänzen und den Tänzen, die sich nach der „Chalakah“ erneuern. In diesem Zeitpunkt wankt man hin und her, „gerupft von allen Seiten“, kdin Tanz und kein Schlaf. Da erinnerte ich mich, daß es in Miron auch die Gräber von Beth-Schammai und Beth- Hillel gibt, die wegen der Feier für R. Simon fast in Vergessenheit geraten. Dorthin lenkte ich meine Schritte. Als ich zum Grabe R. Simons zurückkam, sah ich die Kinder bereits von der Prozession zum Grabe des „Proletarier-Gelehrten“ R. Jochanan d. Schuster, zurückkehren; nach der „Chalaka“. Wie eine Herde junger Schafe nach der Schur sahen die Kinder aus. Und im Hofe des R. Simon- Grabes erneuerte sich die Feier. Die Väter setzen ihre „Schäfchen“ rittlings auf die Schultern und tanzen so mit ihnen bei „Orchester“-Begleitung. Manche Kinder fühlen sich dabei ganz wohl; andere aber weinen, stöhnen, brüllen angstvoll, doch keiner kümmert sich darum. Es ist eben ein frommer Tanz, der Tanz der Väter mit den Kindern, eine Generation auf der anderen reitend. Erschütternd ist auch das Lied, das während dieses Tanzes gesungen wird: Schreiet, Kinder, schreiet: „Warum, warum, warum, Warum hast du uns verlassen?“- Dies Lied wird immer wieder gesungen und das Echo der Berge antwortet: „Warum?“ Und in der Morgenluft Mirons ertönt eine Stimme: „Warum? Warum?“ Und viele Tage und Nächte hinterher verfolgt dich die Stimme der Kleinen: „Warum, warum, warum hast du uns verlassen?“ — Gemeind en-u. Vereins-Echo Zionistische Ortsgruppe München Schekelaktion 5688 Da der Delegiertentag Ende Mai stattfindet, ist es Pflicht aller Zionisten, in den nächsten Tagen für sich und ihre Familienangehörigen den Schekel zu entrichten. Zugleich ist es ihre Aufgabe, unserer Bewegung auch neue Anhänger zuzuführen, die durch Entrichtung des Schekels das Bekenntnis zum Baseler Programm ablegen. Jeder Zionist ist dafür verantwortlich, daß das Ergebnis der diesjährigen Schekelaktion von der organisatorischen Größe und-der Kraft der zionistischen Bewegung beredtes Zeugnis ablegt. Zionistische Ortsgruppe München. Am Mittwoch, dem 9. Mai, abends 8.15 Uhr, findet im Sitzungssaal der Israelitischen Kultusgemeinde München, Herzog-Max-Straße 7/0, eine Mitgliederversammlung statt. Sämtliche Mitglieder werden gebeten zu erscheinen. Bar-Kochba, München. Am Sonntag, dem 6. Mai, beginnt das Sommertraining mit folgenden Trainingszeiten: Leichtathletik und Handball Dienstag und Sonntag ab 6.30 Uhr sowie Sonntag vormittags ab 10 Uhr jeweils auf dem Sportplatz an der Säbenerstraße (Linie 25). Am Sonntag, dem 13. Mai, beteiligen wir uns am Erstlingsneunkampf; am 3. Juni am Großstaffellauf Grünwald- München. Sämtliche Aktiven werden hiermit aufgefordert regelmäßig und pünktlich zum Training zu kommen. Am Sonntag, dem 6. Mai, vormittags 9.30 Uhr, spielt unsere I. Handballmannschaft gegen Allg. Sportverein II in folgender Aufstellung: Kornhauser II Levite Kornhauser I Fleischer Schuster Felsen Schneuer Helfeld Orljansky Goldstern Gröbel. Bar Kochba, Leichathletikabteilung. Unsere II. Mannschaft trainiert unter Leitung unseres Sportlehrers Veith und wird Sonntag endgültig aufge-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.