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Das jüdische Echo · 1928-01-01 · 42 (1928) Richter und Narr · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
42 (1928) Richter und Narr
Date
1928-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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ROMAN-B EIL AGE DES „JÜDISCHEN ECHOS“ RICHTER UND NARR VON ALTALENA (Wladimir Jabotinsky) (Copyrigth by Meyer & Jessen, München)- 30. Fortsetzung Dreißigstes Kapitel Abschied Eines Tages sagten die Kinder, mit denen Simson jetzt am sandigen Ufer des Hafens von Gaza zu sitzen pflegte: „Da steht nun schon lange eine Frau und sieht dich an. Aber sie ist keine Hiesige und auch keine Herrin. Sie ist auf einer Eselin mit einem Treiber hergekommen.“ Eine „Hiesige“* bedeutete in ihrer Sprache eine Eingeborene, und „Herrinnen“ nannten sie die Philisterfrauen. „Mag sie stehen, was geht es mich an?“ antwortete Simson. Die Frau aber, die offenbar verstanden hatte, daß man sie bemerkte, trat heran und sagte zögernd: „Ich möchte mit dir unter vier Augen sprechen.“ Ihrer Aussprache nach war sie eine Danitin; der Stimme nach eine nicht mehr junge Frau, mißvergnügt und müde. „Was willst du?“ fragte Simson mürrisch und kühl. „Man hat mich zu dir geschickt“, antwortete sie leise. „Von wo?“ „Aus dem Norden,“ sagte sie nach einigem Schwanken noch leiser, „aus dem Lande Laisch, wo du die Auswanderer ansiedeltest.“ Simson überlegte, drehte den Kopf nach links und nach rechts und befahl schließlich der Kinderschar, sich zu entfernen. Das Weib setzte sich neben ihn und schwieg lange. Simson fühlte, daß sie ihn aufmerksam ansah, das aber hatte er nicht gern, „Warum hat man dich geschickt und wer?“ fragte er schroff. „Es ist ein reiches und ruhiges Land“, begann sie, und ihre Stimme zitterte urid stockte. „Fleißige Menschen haben dort ein gutes Leben. Wer arm nach Norden zog, hat jetzt Felder, Herden und Sklaven; und sie preisen alle deinen Namen.“ Simson wandte sich ab und antwortete nichts. Sie fuhr fort: „Doch war das eine schwere Arbeit, und es starben an ihr viele Menschen vor der Zeit.“ „Niemand stirbt vor der Zeit“, sagte Simson achselzuckend. „Doch wäre es besser für den Menschen, vor seiner Stunde zu sterben, als weiterzuleben, wenn seine Stunde vorüber ist.“ Die Frau schwieg wieder; Simson hörte ihren schweren Atem und befürchtete, sie könnte zu weinen beginnen. Frauentränen hatte er nie leiden mögen, jetzt aber war ihm auch noch das unangenehm, daß sie aus Mitleid zu ihm weinen wollte. „Sage, worum es sich handelt, und geh dann“, sagte er barsch. „Erinnerst du dich noch an einen Jüngling namens Jahir?“ fragte das Weib. „Er stand einmal in deinen Diensten. „Ob ich mich seiner erinnere oder nicht, ist nicht deine Sache“, antwortete Simson gereizt. „Die philistäischen Henker haben ihm schon längst die Haut vom Leibe geschunden, und nicht er hat dich geschickt. Wer hat dich gesandt?“ „Er hatte eine Schwester,“ flüsterte das Weib, „sie hieß Kami und war die Tochter eurer Nachbarn in Zora. Als man Jahir festgenommen hatte — lange danach — heiratete sie und zog mit ihrem Mann nach Norden. Sie ist es, die mich zu dir schickte.“ Simson hob den Kopf, als wollte er sie sich genauer ansehen. „Wer bist denn du selbst?“ fragte er. „Ich bin ihre Dienerin; aber sie liebt mich, und ich weiß alles — kenne ihr ganzes Leben, sogar vor der Heirat.“ „Wie geht es ihnen denn?“ „Ihr Mann ist gestorben. Die Männer sterben dort früh.“ „Sind Kinder da?“ „Ein zehnjähriger Sohn; auch zwei Töchter. Der Sohn heißt wie du.“ Simson antwortete nichts. Seine Erregung war vorüber und er wollte die Frau jetzt nicht mehr fortjagen; aber ihm war traurig zumute geworden — er wäre froh gewesen, wenn sie von selbst gegangen wäre. Ü -1 a

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