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Das jüdische Echo · 1928-01-01 · 40 (1928) Richter und Narr · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
40 (1928) Richter und Narr
Date
1928-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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ROMAN-BEILAGE DES „JÜDISCHEN ECHOS“ RICHTER UND NARR VON ALTALENA (Wladimir Jabotinsky) (Copyrigth by Meyer & Jessen, München) 28. Fortsetzung Der Saran schüttelte den Kopf. „Nein, du hast mich nicht verstanden. Wir werden gegen Dan und Ephraim und Juda ziehen, und du selbst wirst dem Heer voranschreiten, doch nicht um zu sengen und zu plündern, sondern um aufzubauen. Aufzubauen, wie von jeher alles Große in der Welt aufgebaut wird: durch die Macht des Schwertes. Sag’, Tajisch, viele Jahre schon lenkst du den Stamm Dan. Warst du aber Oberhaupt von Juda, Richter für Benjamin? Und war deine Seele nicht erzürnt über den Zwiespalt und die Zwietracht der Nachkommen des einen Urvaters? Ich spreche mit dir zum erstenmal; unserer Jugend, mit der du zechtest, hast du auch nur deine Scherze erzählt, doch nicht deine Pläne; aber ich kenne deine Pläne, denn Führer, die als Führer geboren sind, verstehen einander ohne Worte. Trägst du denn nicht in deinem Herzen den Gedanken einer einheitlichen Ordnung über alle Stämme, bis zu den fernsten, jenseits des Jordan, am Fuße der Hermonkette, wo heute vielleicht noch nicht einmal dein Name bekannt ist?“ Simson antwortete nicht, aber der Saran brauchte auch keine Antwort. „Niemals, in keinem Lande, in keinem Volke,“ fuhr der Saran fort, „ist eine einheitliche Ordnung durch den guten Willen der Ältesten auf einer Volksversammlung vor den Stadttoren geschaffen worden. Große Reiche werden durch das Schwert aufgebaut, am häufigsten durch das Schwert eines Fremdländers. In alten Zeiten, als wir noch die Inseln im Meer beherrschten, haben unsere Heerführer viele solche Reiche geschaffen, große und kleine. Sie machten mit ihren Booten Überfälle auf die Küsten, wo Völker lebten, die weder Obrigkeit noch Gericht kannten. Und nachdem sie diese unterworfen, gaben sie ihnen Macht und Ordnung und Stolz. Bis auf den heutigen Tag bezeichnet man, in allen Sprachen des Meeres, solche Eroberer mit unserem fürstlichen Namen als Sarane, obwohl dies Wort verschieden ausgesprochen wird. Dies vorzuschlagen bin ich zu dir gekommen. Ein Richter kann kein Reich schaffen; nur Eroberer schaffen Reiche. Unterwirf mit uns zusammen die Stämme, deren Blut deine Mutter an dich weitergegeben hat, schmiede aus ihnen mit eisernem Hammer einen festen Block, schaffe aus ihnen ein Volk, lehre sie alles, was du selbst bei uns gelernt hast — Ordnung, Maß, Sitte — und es wird vielleicht einmal der Tag kommen, da es nicht fünf, sondern sechs Sarane in dem großen Philistäa geben wird, und der sechste wirst du sein.“ Simson ließ seinen glühenden Blick unverwandt auf der Stelle im Dunkeln ruhen, von wo diese Worte ertönten. Bis jetzt hatte er nachlässig und gereizt geantwortet, jetzt klang seine Stimme anders — es war die Stimme des Führers, der mit einem Führer sprach. „Du verstehst dich aufs Reden, Vater der Fürsten“, sagte er. „Verstehst du dich auch darauf, zu schweigen, wenn ein anderer denkt?“ „Wohl verstehe ich mich darauf. Überlege“, antwortete der Greis. So saßen sie lange Zeit schweigend da. Dann erblickte der Saran wieder sich gegenüber zwei leuchtende Punkte. „Kennst du Philistäa, Fürst?“ fragte der Gefangene. „Kein Mensch kennt sein eigenes Antlitz“, antwortete der Saran. „Er kann nur sein Spiegelbild kennen: ist er blind auf dem rechten Auge, so ist er es im Spiegel auf dem linken. Was aber kennst d u von Philistäa?“ „Ich kenne die singende Sprache, die schmucken Kleider, die höflichen Sitten. Ich kenne auch Dinge, die wichtiger sind: ihr habt eure Regeln für alle Angelegenheiten des Lebens, von der wichtigsten bis zur nichtigsten, würdige Ordnung in Krieg, Gebet und Stadt. Und ich kenne das, was noch wesentlicher ist: das satte Herz. Es gibt hungrige Herzen, sie sind stets auf der Hut, werfen ihre Netze aus und halten Ausschau nach Beute. Es gibt aber auch satte Herzen, die vor dem Schlaf gähnen und sich nach nichts mehr sehnen.“

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