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Das jüdische Echo · 1928-01-01 · 34 (1928) Richter und Narr · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
34 (1928) Richter und Narr
Date
1928-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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RICHTER UND NARR VON ALTALENA (Wladimir Jabotinsky) (Copyrigth by Meyer &. Jessen, München) 22. Fortsetzung. Und um Simsons gerunzelte Stirn zu verdecken, machte sie ihm eine Frisur, das heißt sie schob seine Zöpfe bis über die Brauen und befestigte sie mit einem goldenen Reif. Er aber saß folgsam da und lächelte. Am Morgen ging er nach Zora. Sie stampfte mit den Füßen und weinte — denn sie wollte ihn nicht fortlassen. „Schwöre, daß du morgen zurückkehrst!“ „Wenn auch nicht morgen,“ sagte er, „so werde ich doch einmal zurückkehren.“ Er hatte selbst keine Lust fortzugehen. Noch nie hatte er sich der Grenze seines Landes mit solchem Widerwillen genähert. Wieder mürrische Gesichter, Sorgen, tiefsinnige Älteste, schreiende Volksmengen... Er war ihrer so sehr müde, so sehr ausgehungert war der Narisäer Simson, und allzugut war es ihm in dieser letzten Woche, in dem Zelt an der Biegung des ausgetrockneten Baches ergangen, Dreiundzwanzigstes Kapitel Der Zahnlose Man erwartete ihn am Tor. Schon eine Meile vor Zora hielten Straßenkinder nach ihm Ausschau, und als sie ihn erblickten, rannten sie zurück, um die Versammlung zu benachrichtigen. Einige aber blieben zurück und folgten ihm, sich leise unterhaltend, in einiger Entfernung nach. Es war eine große Volksversammlung. Laufboten hatten die Ältesten aller wichtigsten Ortschaften zusammengerufen, wie an jenem Tage vor vielen Jahren, als man beschlossen hatte, Kundschafter nach dem Norden zu entsenden, und Simson Richter im Lande Dan geworden war. Unter den Ältesten sah man sowohl altbekannte, als auch neue Gesichter. Es war auch der uralte Schelach, der Sohn des Jubal, das Haupt von Saalbim, zugegen, vom Alter schon ganz gebeugt, aber immer noch mit den gleichen listigen Augen. Da waren auch die Propheten aus den Höhlen der Umgebung — wieder die gleichen und auch andere — niemand entsann sich ihrer Gesichter. Die drei Gesandten von Juda saßen gesondert auf einer Bank, hinter ihnen stand ein großes bewaffnetes Gefolge. Unter den Ältesten Zoras befand sich Manoa, indes der Levit Machbonai watschelnd von einem zum andern ging, irgend etwas fragte oder zu beweisen suchte. Simson trat in die Mitte des Kreises. Die Sitzenden erhoben sich schweigend. Er begrüßte niemanden, nur seine Augen begegneten jenen des Vaters — er hatte den müden Gesichtsausdruck eines hochbetagten Greises — und auch jenen des Joram Thekoa. „Was wollt ihr von mir?“ fragte Simson. Niemand antwortete ihm. Die drei Gesandten blickten zu Boden, die übrigen Anwesenden sahen die Gesandten an. Da räusperte sich Machbonai und sagte: „Wäre es nicht vielleicht besser, wenn zuerst unsere Brüder vom Stamme Juda unter vier Augen mit dem Richter sprächen...“ „Sie sollen nur hier sprechen“, unterbrach ihn Simson. Flüsternd und geräuschvoll begannen die Anwesenden sich wieder hinzusetzen; nur Joram ben-Kaleb aus Thekoa blieb stehen. Auch er war in den letzten Jahren zusammengeschrumpft und ergraut, außerdem aber lastete heute eine schwere Unbehaglichkeit auf seinem Gesicht und beugte sein Haupt. Nichtsdestoweniger sagte er, was er zu sagen hatte, laut, deutlich, ohne zu schwanken oder zu stocken. Die philistäische Gesandtschaft sei unter dem Schutz einer ganzen Heeresabteilung gekommen, was es früher nie gegeben habe. Sie hätten ein ganzes Kriegslager, fast vor dem Tore Hebrons, aufgeschlagen. Aber in der Ebene, in der Nähe der Grenze, versammele sich ein richtiges Heer aus allen fünf Tyrannien. Den Oberbefehl darüber habe der Sohn des Saran von Ekron, indes der Neffe des gleichen Saran, namens Achisch, „Barbiermesser“ genannt, an der Spitze der philistäischen Gesandten und jener Heeresabteilung stehe, die mit den Gesandten gekommen sei.

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