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Das jüdische Echo · 1928-01-01 · 29 (1928) Richter und Narr · p. Seite 120

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
29 (1928) Richter und Narr
Date
1928-01-01
Page
Seite 120 (sequence 4)
Language
German
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120 Romanbeilage des „Jüdischen Echos“ Nr. 29 stellte sich ihnen einfach in den Weg, und die Kaufleute gaben ihm aus Angst vor seiner Riesengestalt alles, was er verlangte. So Verging fast ein ganzes Jahr. „Wanderer auf Eseln“, sagte eines Tages Nechuschtan, auf dem Gipfel eines Felsens sitzend. (Auf Eseln — also waren sie nicht aus dieser Gegend.) „Es sind ihrer drei“, fuhr er fort. „Ich glaube, es ist dein Vater und der Hausverwalter deiner Mutter.“ Simson freute sich, den Vater zu sehen, und ging ihm weit entgegen. Manoa war in diesen Monaten stark ergraut und hatte einen gebeugten Rücken bekommen. Aber auch Simson war ein Bart gewachsen, die Brauen waren näher zusammengerückt, eine frühe Falte hatte sich zwischen die Brauen gelegt, und das ganze Gesicht hatte an Jugendlichkeit verloren. Sie hielten sich lange bei den Händen und sahen einander an. Darauf wandte sich Simson zu Machbonai ben- Schuni. Der Levit war dicker geworden, hatte in seiner Haltung etwas Herrisches bekommen, aber seine Augen waren die gleichen geblieben, sie prüften gleichzeitig hundert Dinge, als hätte er schnell alle Löcher in Simsons Mantel zählen, die Festigkeit der Gesteinsart der Etamer Felsen einschätzen und überschlagen müssen, wieviel Sand es in der Wüste geben mochte. Simson brach plötzlich in ein Lachen aus. Der Vater, der ihn noch nie hatte lachen hören, sah ihn erstaunt an. Machbonai hielt es für schicklich, dies als eine Begrüßung aufzufassen, lächelte würdig und verneigte sich nochmals. Hazlelponi war gesund und schickte einen Gruß, Kleidung und allerhand Leckereien. Das Haus war in Ordnung, der Viehzuwachs und die Ernte waren gut ausgefallen. Die übrigen Nachrichten aber waren nicht erfreulich. Der Erzählende war natürlich Machbonai. Simson hörte ihm zu, sah jedoch dabei den Vater an und erkannte an seinem Gesichtsausdruck, wann der Levit etwas verschwieg oder übertrieb. Es war so gewesen: Als Simson fortgegangen war, hatten alle älteren Leute erleichtert aufgeatmet. Obwohl sie ihn — außer in Zora — nicht lange vor Augen gehabt, hatten sie doch in der kurzen Zeit begriffen, daß es gefährlich war, einen solchen Mann im Lande zu haben. Jetzt aber erwies sich, daß es noch gefährlicher war, einen solchen Mann zu verlieren. Es sei so, als wenn da ein Zaun gewesen und jetzt umgestürzt sei. Die Nachbarn seien gar nicht wiederzuerkennen. Benjamin aber sei ganz unerhört unverschämt geworden. In Saalbim gäbe es fast gar keine Schafe mehr: während des Frühlingsfestes sei eine Bande reicher Jugend aus Beth-Horon gekommen, vorgeblich als Gäste, habe den Mädchenreigen umringt und fast alle Mädchen fortgeschleppt, die Männer getötet oder zu Krüppeln geschlagen. Aber das seien nur Kleinigkeiten: bedeutend ernster sei die Lage an der Grenze Philistäas (Manoa nickte). Die Auslieferung von Gusch und Jahir habe nichts genützt, obwohl einige von den Ältesten, Leute ohne Weitblick, gemeint hätten, daß die Auslieferung das gekränkte Timnata beruhigen würde. (Manoa zog die Brauen hoch und seufzte: er war zwar bei jener Versammlung nicht zugegen gewesen, erinnerte sich aber des Rates des Leviten, als die philistäischen Gesandten nach Zora gekommen waren.) Erstaunlich sei die Blindheit der Menschen, die Unfähigkeit, die gierige Seele des unbeschnittenen Volkes zu verstehen, die durch Zugeständnisse doch nur aufgepeischt würde; die furchtbare Exekution, die vom Morgen bis zum Sonnenuntergang gedauert habe, zu der Edle, einfaches Volk und Eingeborene von allen Enden der Küste als Zuschauer gekommen seien, habe niemanden befriedigt. An den philistäischen Grenzsperren durchsuche man die danitischen Kaufleute und knüpfe ihnen dreifache Zölle ab; in Jaffa habe man unter den danitischen Seeleuten ein Gemetzel veranstaltet; nach Gimso sei eine philistäische Wache aus Lud mit einem berittenen Offizier gekommen und habe die Auslieferung eines flüchtigen Sklaven gefordert, den niemand gesehen habe — buchstäblich niemand. (Manoa blinzelte.) Sie hielten noch immer Gimso besetzt, und die Daniten begännen schon die Stadt fluchtartig zu verlassen. Und geendet habe das damit, daß wieder . Gesandte aus Ekron nach Zora gekommen seien und eine sonderbare Forderung gestellt hätten: da die Daniten aus Ermangelung eigener Schmiede ihre eisernen Spaten zur Ausbesserung in die philistäischen Schmieden brächten, so fordere der Saran, daß die Ortschaften Dans ihm hierfür eine jährliche Steuer zahlten. Darauf habe man Boten nach allen Richtungen ausgesandt, und es sei eine große Versammlung der Ältesten zusammengetreten; so zahlreich sei sie schon lange nicht mehr gewesen. Und insbesondere zu Manoa habe man eine Abordnung von Bürgern geschickt: seit der Feuersbrunst in Timnata sei er schon nicht mehr ans Tor gekommen, und niemand habe sich nach ihm gesehnt, jetzt aber hätten alle plötzlich gefunden, daß man sich ohne ihn nicht beraten könne. (Fortsetzung folgt)

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