Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- Romanbeilage des Jüdischen Echo
- Issue
- 18 (1928) Richter und Narr
- Date
- 1928-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 17 ebte über völkerung wechseln b « nicht len. Plötz- •iniinen: in tersschwaerwachsestehen seien Seiten, rständlich, ihm mit dem Satz böpfen und tzu geben, weiter fort Rede aber | F I I * über uns in um wieviellung immer j* h jung war,!' sondern er-; )in jetzt alt : at erteilen; i n euch junj u tun sei?“ i n trat wie- | Er war ein i ine scharfe und offen-? gleichzeitg d schüttelte itungen. Er is betrogen, sollte Ephhat Benjabei Jericho rechtigkeit? i geworden; lute der ben und sich Setzung folgt.) ROMAN-BEILAGE DES „JÜDISCHEN ECHOS« RICHTER UND NARR VON ALTALENA (Wladimir Jabotinsky) (Copyright by Mayer & Jessen, München) 6. Fortsetzung Hier ertrank seine Stimme im Geschrei der Versammlung. Schon in der Mitte seiner Rede hatten alle begriffen, wo er hinaus wollte, und von allen Seiten waren beifällige Ausrufe, Getrampel und Händeklatschen erklungen. Zum Schluß ging alles in ein allgemeines Geheul über, sogar die Kinder schrien und drohten mit den Fäusten; selbst die Eingeborenen, die jetz sahen, daß der Sturm nicht in ihrer Richtung blies, faßten wieder Mut und begannen halblaut zuzustimmen. Dan hatte die Wurzel seines Unglücks gefunden, sah die Wege der Rettung: es erhob ihr Haupt die stärkste Macht der Welt — der Neid des Bruders gegen den Bruder. Da stürzte in die Mitte des Kreises der Anführer der Prophetenschar; vier seiner Schüler folgten nach und setzten sich sofort zu seinen Füßen von vier Seiten auf die Erde; mit glühenden Augen betrachteten sie die .Menge, als erwarteten sie einen Überfall. Aber niemand dachte daran, ihnen etwas zu tun; im Gegenteil, der Kreis rückte sogar gleichsam vor Schreck auseinander, und es trat schnell Stille ein. Inmitten dieser Stille begann der alte Einsiedler mit gebrochener, gleichsam nicht ihm gehörender Stimme abgerissene Schreie auszustoßen, und auf jeden Schrei antworteten mit einstimmigem Geheul die zu seinen Füßen sitzenden und die übrigen, nicht weit davon zusammengedrängt stehenden Schüler. „Ihr alle lügt! Ephraim ist schlimmer als Caphtor, Benjamin abscheulicher als Ägypten, Dan aber ist unzüchtiger als alle! Ihr habt es eng, weil ihr Häuser baut. Ihr teilt die Felder und Weinberge und Herden in mein und dein. Wo es ein Mein und ein Dein gibt, dort ist es immer eng! Wir Kinder Gottes leben bei Jehova in einer Höhle, darum haben wir es nicht eng. Wir teilen uns jede Handvoll wilden Honigs, darum haben wir stets von allem genug. Ihr braucht Kaufleute — sie bringen euch feine Gewebe und klirrenden Tand; wir kleiden uns in Felle ...“ Das alles klang lebensfern, und die Menge begriff nicht besonders klar, was er eigentlich predigte; aber man lauschte ihm mit dem ehrfürchtigen Grauen des Wilden vor einem wahnsinnigen und besessenen Schauspiel. Die zweite Hälfte der Rede war klarer. „Dan darf weder gegen Ephraim ziehen, noch mit Benjamin Krieg führen. Ich werde vor Freude tanzen, wenn eure Häuser verbrennen; Israel aber ist das Haus Gottes, es muß für alle Ewigkeit bestehen bleiben, bis alle Völker darin a^ifgehen. Im Hause Jehovas soll es weder Speere noch Pfeile, weder Schleuder noch Blut geben. Wenn schon eure Wolfskehle nach Blut lechzt, so gehet und trinket außerhalb des Gotteshauses. Seht, jenseits des Tales rekelt sich auf Daunen der trunkene Philister; er spielt auf der Harfe, betet gähnend bald den Haifisch an, die Mutter seiner Väter: der Seeräuber; bald die Mücke und die Schmeißfliege, die Könige des Aussatzes und der Seuchen; er trinkt süße Weine und ißt dazu den Talg der Küstenvölker, — sie selbst aber hat er bereits zu Zug-, Trag- und Schlachtvieh gemacht. Ziehet in den Krieg gegen die Fünf Städte! Die Ebene Saron ist fruchtbarer als der Berg Benjamins; die Gewässer Jarkons sind reicher als die Kanäle Sichems. Aber ihr seid Feiglinge, ihr fürchtet euch vor Stahlschwert und Schlachtwagen; es ist leichter, den Bruder zu erschlagen — er ist vertrauensselig, hat keine Posten auf der Grenze aufgestellt — als den Feind, der an seinen Gemarkungen wacht. Ihr Feiglinge! Ihr Lüstlinge, ihr Hethiterbastarde! Ihr Amoriterkot! Schon allein für den Gedanken eines Gemetzels in Israel möge Jehova Hungersnot und Feuersbrunst und Pest und Aussatz über euch schicken ..“ Schäumender Speichel triefte schon längst von seinem schmutzigen weißbraunen Bart herab; er röchelte, taumelte und fiel schließlich mit versagender Stimme in die Arme seiner Schüler. Die Versammlung schwieg in tiefer Bedrückung. Plötzlich machte sich Bewegung in ihr bemerkbar — irgend jemand schob die Menge auseinander. Machbonai ben- Schuni blickte in jene Richtung und sah Simson. Ohne ein Wort zu sagen oder von den Ellenbogen Gebrauch zu machen, bahnte