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Das jüdische Echo · 1928-01-01 · 14 (1928) Richter und Narr/ Die Zauberin von Kastilien · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
14 (1928) Richter und Narr/ Die Zauberin von Kastilien
Date
1928-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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ROMAN-BEILAGE DES „JÜDISCHEN ECHOS“ RICHTER UND NARR VON ALTALENA (Wladimir Jabotinsky) (Copyright by Meyer <$: Jessen, München 2. Fortsetzung „Ich habe es erraten“, sagte der Mann aus Asdod, der älter war als alle andern und noch nicht soviel getrunken hatte. „Unser Gastgeber hält uns frei auf Kosten alles dessen, was er uns früher im Spiele abgewonnen hat.“ Den Philistern gefiel das außerordentlich, und sie klatschten in die Hände: liebten sie doch gelungene Streiche, selbst wenn der Scherz sie selbst betraf. Und die zwanzig betrunkenen Stimmen überboten sich nun in Erinnerungen an frühere Wetten, die vom Haupt des heutigen Zechgelages gewonnen oder verloren worden waren. Er war offenbar ein großer Spieler vor dem Herrn und zudem mit außerordentlicher Phantasie begabt. Die Gegenstände der Wetten zeichneten sich durch verblüffende Mannigfaltigkeit aus, von einem Becher Met, den man, mit den Beinen an einem Ast hängend, austrinken mußte, bis zum Wettlauf mit einem Pferd. Jetzt, da Tajisch sich aufgerichtet hatte, konnte man ihn genau betrachten: er war ein breitschultriger und st'arkbrüstiger, aber noch sehr junger Mann; sein Bart sproßte erst kaum. Gekleidet war er wie alle übrigen; die in den Nacken geschobene Mütze ließ eine nicht sehr hohe, aber breite Stirn sehen. Seine Nasenflügel blähten sich und bebten vom Lachen, bei dem sich auf den Backen jugendliche Grübchen bildeten; der Levit fühlte sich an das rothaarige Mädchen erinnert. Der Mund des jugendlichen Prassers mochte ja vielleicht auch nicht groß* sein, doch riß er ihn alle Augenblicke weit auf, wobei er aus vollem Halse lachte und weiße, ebenmäßige Zähne zeigte; dafür war das Kinn quadratisch, vorgewölbt und wuchtig und der Hals ein klein wenig zu stark für sein Alter. Jetzt war er schon ganz außer Rand und Band geraten. Er warf nur so mit witzigen Wortspielen um sich, die zum größten Teil von solcher Sorte waren, daß der Levit in seiner Ecke den Kopf schüttelte, indes die Mägde kreischten und das Gesicht mit den Händen verdeckten. Er machte allerhand Kunststücke vor: verschluckte Ringe und fand sie wieder hinter dem Gurt des Nachbarn; wühlte in dem graumelierten Bart des Asdoder Gastes und zerrte einen Käfer daraus hervor; stopfte sich einen ganzen Klumpen Feigen in den Mund, preßte die Zähne zusammen, löste, lediglich durch Bewegungen des Gaumens und Schlundes, eine Feige nach der anderen und schluckte sie hinunter — alle sahen es und wunderten sich —, worauf er die unberührte Masse aus dem Munde nahm und sie nach den Hunden schleuderte. Dann richtete er sich kniend auf — er erwies sich als sehr groß, jedoch in den Hüften schmal wie ein Mädchen —, ergriff drei Tonschüsseln, warf sie alle drei gleichzeitig in die Luft, fing die eine mit dem Kopf, die zweite vorne mit der Hand und die dritte mit der Hand hinter dem Rücken auf. Schließlich, als die Gäste schon vor Lachen vergingen und nur noch heulen konnten, stellte er eine Versammlung zur Königswahl in Tierstimmen dar. Die Täuschung war eine vollkommene. Der Stier brüllte, der Panther knurrte, heiser und näselnd kicherte die Hyäne, der Esel schnaubte, das Kamel brummte ärgerlich, die Schafe blökten, und das alles folgte so schnell aufeinander, als stritten sich die Tiere in der Tat und unterbrächen einander; schließlich begann ein alter Ziegenbock, das Stimmengewirr übertönend, feierlich und ausgiebig zu meckern, und allen wurde klar, daß er zum König gewählt worden war. Die Gäste weinten bereits vor Lachen und fuchtelten entkräftet mit den Händen; die Neger wälzten sich auf der Erde, die Wirtin und die drei Mägde bekamen hysterische Anfälle; selbst der Levit, der sich seiner Stellung bewußt war und überhaupt lärmende Heiterkeit nicht billigte, vermochte sich nicht eines beifälligen Ausrufes zu enthalten. Tajisch hörte ihn; er blickte scharf in die halbdunkle Hofecke neben der Küche und rief der Wirtin zu: „Dergeto! Was ist das für ein Wandersmann dort bei dir?“ „Ein Kaufmann,“ sagte sie, an den Tisch tretend, „ein sehr anständiger Herr. Er ist aus dem Hochland, aber ein ganz eigentümlicher Mensch — spricht mit singender Stimme wie ein Priester aus Ekron.“

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