Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- Romanbeilage des Jüdischen Echo
- Issue
- 11 (1928) Die Zauberin von Kastilien
- Date
- 1928-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ROMAN-BEILAGE DES „JÜDISCHEN ECHOS“ DIE ZAUBERIN VON KASTILIEN VON SCHALOM ASCH (Copyright by R. Löwir, Wien, Leipzig) 11. Fortsetzung Besonders seit dem Tode Salornon Molchos, an dessen Wiederauferstehung seine Anhänger (zu denen auch der blinde Rabbi Jakob gehörte) glaubten, sowie seit der Offenbarung des heiligen Rabbi Josef Karo in der heiligen Stadt Zefath, die ihren Einfluß auf die Kabbalisten der ganzen Welt ausübte, sah der Alte dem großen Tage entgegen, da Gott ihn auserwählen und für die Heiligkeit seines Namens sterben lassen würde ... Seitdem man ihn aber in die Folterkammer eingeschlossen hatte, hielt er sich in fortwährender Bereitschaft für seine große Stunde. Er reinigte seinen Körper, er nahm fast keine Speise zu sich, sondern ernährte sich nur von Wasser, um doch nicht zum Selbstmörder zu werden, was den Juden als die größte Sünde galt, durch die man des Lebens nach dem Tode verlustig ging. Die ganze Zeit über sang er mit seiner Enkelin Psalmen oder sann über höhere Dinge nach und träumte sich in geheime Welten hinein. Sein einziger Kummer in dieser großen Freude war nur seine Befürchtung, daß die Feinde seine Enkelin zu sich nehmen und sie — was Gott verhüten möge — anbeten würden. Er befürchtete, man könnte sie am Leben lassen. Und er sprach oft mit ihr darüber. „Deine Väter im Himmel, die dahingeschieden sind zum Ruhme des göttlichen Namens, würden — Gott behüte es — keine Ruhe mehr haben und sich vor den andern Heiligen schämen müssend Das Mädchen blickte aber den Großvater mit ihren großen tränenden Augen an und küßte wortlos seine Hand — und der Alte verstand sie. „Die Väter im Paradiese werden sich über dich freuen, mein Kind.“ Und Großvater und Enkelin stimmten den Psalm an : „Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal Fürchte ich kein Unglück, Denn du bist bei mir.“ Als man jetzt dem Alten verkündete, daß der Heilige Vater, der Papst, selbst gekommen sei, ihn zu verhören, als man ihn aufforderte, aus der Zelle herauszukommen, unterbrach der Alte seinen Gesang dennoch nicht; er lehnte sich nur an seine Enkelin, und es sah aus, als wären beide im Begriff, freudig zu tanzen. Dann aber faßte er Jephtha bei der Hand, verließ die Zelle und ging, von seiner Enkelin geführt, zu dem Stuhle des Papstes, w^obei er die ganze Zeit laut und von Jephtha begleitet den Vers sang: „Der Herr ist mein Licht und mein Heil; Vor wem sollte ich mich fürchten? Gott ist meines Lebens Kraft; Vor wem sollte mir grauen?“ In dem Tribunalzimmer der Inquisition saß auf einem scharlachroten Thron der Stellvertreter Jesu Christi, Papst Paul IV., mit seinem hohen zackigen Hut, im rotsamtnen Mantel. Um ihn herum brannten blutrote Kerzen, die gleich Stäben in großen goldenen Leuchtern steckten. Um den Papst herum war sein Gefolge von Kardinälen und hohen Würdenträgern sowie hervorragenden Vertretern der Inquisition versammelt. Zu Füßen des Thrones stand der hochgewachsene, kräftige Kardinal Michel Ghislieri, der Großinquisitor, im scharlachroten Samtmantel und dem roten Kardinalshut. Zu beiden Seiten des Zimmers standen in zwei Reihen Priester und Inquisitionsmönche in schwarzen Gewändern, mit schwarzen Hüten, die die Gestalt von Kapuzen aus schwarzer Wolle hatten, während ihre Gesichter mit Masken aus schwarzer Wolle verhüllt waren. In ihren Händen hielten sie rote, brennende Kerzen. Viele von ihnen hatten ein weißes Skelett auf ihre schwarzen Mäntel aufgemalt, und so sahen sie wie Knochengerüste aus, die aus Gräbern auferstanden waren und nun mit brennenden Kerzen in der Hand dastanden. Zwischen diesen beiden Reihen der furchterregenden Mönche und Inquisitoren mit den brennenden Kerzen schritt nun der blinde Alle Beahlnznlrelenden Abonten erschienenen Teile des Romans Mos nachoelleiert