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Das jüdische Echo · 1928-01-01 · 9 (1928) Die Zauberin von Kastilien · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
9 (1928) Die Zauberin von Kastilien
Date
1928-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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ROMAN-BEILAGE DES „JÜDISCHEN ECHOS“ DIE ZAUBERIN VON KASTILIEN VON SCHALOM ASCH (Copyright by R. Löwit, Wien, Leipzig)' 8. Fortsetzung Nun sahen jetzt die Gebildeten in den Büchern lange nach .und suchten aus den Werken von Maimonides das aus, was sie für ihre Angelegenheit brauchten. Nachdem sie sich in der Geheimbibliothek eine geraume Zeit aufgehalten hatten, fanden sie schließlich die gesetzliche Entscheidung, kehrten zurück und verkündeten in der Versammlung: „Die Juden dürfen wohl die Perlen dem Papst übergeben, als Steuer, als Lösegeld für ihr Leben und für alles, was der Papst will. Und der Papst mag auch mit den Schätzen tun, was er will. Aber in keinem Falle dürfen die Perlen der Madonna dargebracht werden als Dankopfer für die Rettung vor der Überschwemmung, denn das würde einem Götzendienst gleichkommen. Nach der Entscheidung des heiligen Rambam müssen die Juden in einem solchen Falle lieber den Glaubenstod erdulden als sich zu einem Götzendienst hergeben.“ Die Versammlung hörte die Entscheidung schweigend an. Eine GrabesstÜle herrschte eine Weile lang unter den Anwesenden. Dann ließen sich einige Stimmen vernehmen: „Wir wollen überhaupt nichts sagen, wir wollen die Perlen dem Papst ohne Worte übergeben.“ „Wenn man uns aber fragt?“ „Wir werden sie schon mit irgendeiner Antwort täuschen. Wissen denn die Leute, was sie tun? Sie sind ja wie ungezogene Kinder.“ „Wo sollen wir aber so große Perlen hernehmen?“ fragte jemand. Darauf erhob sich Rabbi Jakob, rief seine % Enkelin Jephtha herein und sagte zu ihr: „Meine. Tochter, hole deine Perlen und gib sie der römischen Gemeinde — es schickt sich nicht für ein jüdisches Mädchen, Perlen zu tragen, wenn die Gojim damit ihre Heiligenbildeschmücken.“ Darauf holte die lebende Jephtha aus ihrem Schmuckkästchen ihre Familienperlen hervor und gab sie hin, für den Schmuck der toten Jephtha im Kloster zum „Heiligen Herzen“. Als aber die „Madonna der Liebe“ Jephthas Perlen trug, glänzten sie mit einem keuscheren Schein als alle anderen Schmuckstücke, die ihr ihre Verehrer dargebracht hatten. 12 Der Karneval von Rom Die Straßen Roms erglänzten in einem' Flammenmeer von Farben. Nicht nur die Menschen, sondern auch die Häuser, die Denkmäler und die Kirchen, die Säulen und die Marktbrunnen waren zu Ehren des großen Karnevalsfestes geschmückt. Die Wände der Häuser ertranken geradezu im Farbenmeer der kostbaren orientalischen Teppiche, mit denen man die Wände geschmückt hatte und die in der Sonne schillerten, als wären es Juwelen. Fenster und Türen, Balkons und Dachgalerien waren mit frisch blühenden Girlanden und die Straßen selbst, durch die die Prozessionen ziehen sollten, mit Palmen, Myrten, Chrysanthemen und orientalischen Pflanzen geschmückt. Rom hatte das Aussehen eines Lustgartens orientalischer Herrscher. Die Einwohner wußten nicht mehr, wo sie sich eigentlich befanden. Viele Häuser hatten sich in Schiffe verwandelt; mit großen Segelmasten ausgestattet, sahen sie wie herumirrende Ozeanpflüger aus, die in ein phantastisches Farbenmeer hineingezaubert waren. Die Kirchen hatten sich in Tempel heidnischer Götter, des Apollo und der Venus, verwandelt; die christlichen Denkmäler und Marktbrunnen in Standbilder wilder Faune, Waldfeen und betrunkener Bacchen, die aus überfüllten Bechern tranken, während rings umher nackte Kinder mit Weintrauben in Weinkrügen einen Tanz aufführten ... Jede Säule und jede Straße Roms war mit grünen Blättern geschmückt und mit leuchtend roten Rosen bekränzt. Alle neuhlnznlreteiiiteii Abonnenten erschienenen Teile des Romans Mos nncbjelteieri

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