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Das jüdische Echo · 1928-01-01 · 7 (1928) Die Zauberin von Kastilien · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
7 (1928) Die Zauberin von Kastilien
Date
1928-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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ROMAN-BEILAGE DES JÜDISCHEN ECHOS“ DIE ZAUBERIN VON KASTILIEN VON SCHALOM ASCH 6. Fortsetzung Die Begierde nach ihr brannte in ihm mit einer Macht, die nur durch seinen religiösen Glauben bezähmt wurde — und dieses heiße, unerfüllte Verlangen seines Fleisches und seiner Seele legte er in das Bildnis der heiligen Mutter hinein, das er insgeheim von dem Judenmädchen für die Nonnen der Kirche zum „Heiligen Herzen“ malte. 9 Das Bild Pastila hatte sich Zeichnungen und Skizzen von Jephthas Kopf und ihrem Gesicht gemacht und ihre Bewegungen mit Strichen festgehalten. Er betrachtete sie fleißig während der Zeit, da sie sich in der Kirche aufhielt und er die Möglichkeit hatte, sie zu beobachten. Auf seinem hohen Gerüst hatte er seinen Tempelwinkel, in dem er tagtäglich, gleich der Verrichtung eines Gebets, das jüdische Mädchen aus dern Ghetto als heilige Mutter malte. Das war seine Andacht, sein bißchen Liebe, seine beschränkte menschliche Auffassung von der Unendlichkeit und das bescheidene Geschenk, das er Gott darbrachte. Er konnte sich aber weder die Heilige Mutter noch das Mädchen aus dem Ghetto als mit einem kleinen Kind auf dem Arm vorstellen. Er sah sie vielmehr immer als das ewig Mütterliche. Sie war für ihn eine Mutter schon am Tage ihrer Geburt. Dadurch verstand er besser die uralten byzantinischen Maler, die die Madonna allein malten, oder, wenn sie sie schon mit dem Kinde darstellten, dieses mit einem Bart und dem Gesicht eines erwachsenen Menschen ausstatteten. Sie hielt im Arm nicht ihr Kind, sondern das Kind der Welt — den Menschen. Daher malte Pastila das jüdische Mädchen nicht in der traditionellen Weise, die die heilige Mutter entweder mit dem „Kinde auf dem Arm“ oder als „Trauernde Mutter“, den gekreuzigten Sohn bewei- (Copyright by R. Löwir, Wien, Leipzig) nend, zu malen vorschrieb, sondern er malte sie im Geiste der „Unbefleckten Empfängnis“, nach der Auffassung, die sich damals der jungen Künstler bemächtigte. Einer Dampfwolke, die, sich ballend und rollend, von der Erdkugel aufsteigt, entschwebt eine Mädchengestalt, ohne Flügel und nur mit dem lichten kindlichen Körper, empor in den Himmel. Von ihren Schultern fällt gleich einer Feuerflamme ein Mantel von blauem himmlischem Samt. Es ist, als ob sie der Erde das letzte zurückgibt, das sie noch irdisch erscheinen ließ. Und nun enthüllt sich im herrlichen Sonnenlicht ihr junger, fast noch kindlicher, eben erst reifender mädchenhafter Körper. Sie bleibt aber nur einen Augenblick lang nackt, denn schon werden da und dort Teile ihres nackten Körpers von der rauchenden Wolke und von ihrem Haar verhüllt, durch die aber genau so, wie die Sonnenstrahlen, auch die dunkelleuchtende, perlmutterfarbige Haut ihres Körpers hindurchscheint. Sie ist nackt — die Gottheit kennt kein Gewand — aber ihr nackter Körper ist noch kindlich (wie ihn Fra Angelico malte, dessen Verehrer Pastila war). Nur eine tiefe, keusche Leidenschaft ist in der Unschuld, in der Unbeholfenheit des jungen kindlichen Leibes verborgen. Sie selbst will nichts, weiß von nichts, sie bringt sich nur ganz, bis zum letzten Tropfen ihres Blutes, Gott als Opfer dar. So steigt sie zu Gott wie eine Braut empor. Und das Blut zittert in jedem Kämmerlein ihres Körpers, erwacht und pocht durch die perlmutterfarbene Haut ... Doch wenn sie auch mit ihrem schwebenden, kindlichen Körper sich in den Himmel erhebt, so bleibt ihr Blick dennoch stets an der Erde haften: ihren Kopf hält sie gesenkt und blickt auf die Erde herab, auf die Erde, mit der sie für ewig durch Blutbande verknüpft ist, und für die sie ihr Los, ihr Leid und ihre Gnade tragen muß. Diesem Blicke verlieh der Maler die Kraft, Alle neuMozuireienilei ADonnien erschienenen Teile des Romans kosienios Mchoellelerl.

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