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Das jüdische Echo · 1928-01-01 · 4 (1928) Die Zauberin von Kastilien · p. Seite 16

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
4 (1928) Die Zauberin von Kastilien
Date
1928-01-01
Page
Seite 16 (sequence 4)
Language
German
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16 Romanbeilage des „Jüdischen Echos' Nr. 4 reit erklären, sich unter die schützenden Fittiche der Kirche zu begeben.“ „Für den Rum der Kirche und zur Belustigung der christlichen Menschen.^ Es gingen nach dem Ghetto vornehme römische Patrizier in farbenreichen Gewändern, mit blausamtenen Tuchmänteln; sie wurden geleitet von zahlreicher Dienerschaft, die ihrer Herrschaft Kissen nachtrug, um sie auf den Ghettomauern auszubreiten, auch teure Teppiche und farbige Gobelins und Baldachine, damit die Herrschaften bequemer sitzen könnten und vor den Sonnenstrahlen geschützt seien. Auch Flechtkörbe mit Wein und Zuckerwerkwurden ihnen nachgetragen, um sie beim Betrachten des Schauspiels zu erfrischen. Es kamen aber auch halbnackte, barfüßige Lohnarbeiter, die ihre Kinder auf dem Kopfe trugen, mit ausgehungerten Gesichtern und brennenden durstigen Augen, die nach einem Schauspiel, nach Zerstreuung und Aufregung lechzten ... Es kamen Landsknechte, Schweizer aus der päpstlichen Armee in ihrer phantastischen Tracht — in wollenen Hosen mit zwei verschiedenartig gefärbten Beinen. Es kamen ferner Mönche verschiedener Orden, Franziskaner und Dominikaner mit ihren grauen Mänteln und Kapuzen auf den Köpfen, barfüßige, schwarzbekleidete Gruppen von Nonnen in kirchlichen Prozessionen mit Kirchenfahnen und Kirchengesang. Es kamen Dirnen, schöne Kurtisanen Roms, Lustweiber der römischen Aristokratie. Diener trugen ihnen Papageien in goldenen Käfigen voran — Zeichen ihres Berufes, mit dem sich auf der Straße zu zeigen sie stolz waren ... Jede von ihnen wurde begleitet von einem Zuge reich gekleideter junger Männer und junger Damen — des Stolzes Roms. Es waren Opfer der Schönheit dieser Weiber, Gefangene ihrer Reize, Trophäen ihrer Siege; je größer die Anzahl der verliebten Begleiter war, desto stolzer und imposanter wiegte sich die Kurtisane in ihrem Tragstuhl, den die Knechte auf den Schultern trugen... Gleich einem Fluß, der bei einem phantastischen Sonnenuntergang in vielen Farben schillert, strömte dieses bunte Volk zu den Mauern des Ghettos. Aber die Mauern waren bereits von Menschen verschiedener Stände, beiderlei Geschlechts und Alters besetzt. Die Diener stritten sich um bessere Plätze für ihre Herrschaften. Livrierte Mohren klappten Stühle für ihre Gebieter auf. Andere breiteten teure Teppiche, hellfarbige Gobelins und verschiedene farbige Kissen über die dicken Steine aus, damit die Herren und Damen, die über Leben und Tod ihrer Sklaven geboten, bequem sitzen konnten. Die Ghettomauern verschwanden in den Farben der verschiedenen Stoffe, Seiden, Samte und Brokate der römischen Aristokratie, der Leute, die an diesem Tage die Mauer mit so zahlreichem Besuch beehrten... In der Sonne leuchteten die Figuren und die Landschaften der reich bemalten Gobelins, die Farben der auf den orientalischen Teppichen dargestellten Früchte und Tiere. Wie der Rausch eines eingedämmten Flusses brauste das Stimmengewirr des Pöbels, der ebenfalls die Mauern besetzt hatte, und von Zeit zu Zeit rollte wie Donner schallendes Gelächter, freudiges Geschrei und lautes Entzücken über den Totentanz ringender Menschen, über das große Schauspiel, das sich vor den Augen des Pöbels innerhalb der Ghettomauern abspielte ... Dieser Totentanz aber begann so. In der Nacht hörten die Ghettobewohner, die wegen der Enge des ihnen überlassenen Stadtteils in Balkenkellern wohnten, ein feindseliges, unheimliches Pochen an den Wänden ihrer Keller. Es klang, als wollte ein Feind bei ihnen eindringen. Die Juden und Marranen, die nach dem Befehl des Papstes — um den Raum des Ghettos nicht zu vergrößern — in dessen Innern sich hatten Unterkünfte schaffen müssen» hatten sich, wie gesagt, gleich Würmern in die Erde eingegraben und ganze Korridore mit unterirdischen Wohnungen ausgebaut. Sie wußten sofort, was das unheimliche Pochen an den Wänden ihrer Wohnungen bedeutete und wer der Feind war, der sich näherte; sie sprangen von ihren Lagerstätten auf, wie von einem Brande wachgerüttelt, packten ihre Kinder, ihre Kranken und Alten (wer Zeit hatte und konnte, packte auch, was sich schnell greifen ließ) und flüchteten nach den obersten Räumen zu den Nachbarn. Einer gab dem andern durch ein Klopfen an die Wand zu wissen, daß ein stürmischer, mächtiger Feind im Anzuge sei: „Das Wasser kommt!“ Der Ruf: „Das Wasser kommt!“ verbreitete sich wie ein Schrecken von einem Hause zum andern, und die Ghettobewohner fuhren aus tiefem Schlaf auf und stürzten davon, um ihr Leben zu retten. Allein das Wasser kam der Schreckensnachricht noch zuvor. Es stürmte schneller daher als Feuersbrand, ganz plötzlich und unverhofft stieg es über die Schwellen der Zimmer; Menschen versanken unversehens mit Betten und Möbeln und allem Hausgerät. (Fortsetzung folgt) Alle neuhinzutretenden Abonnenten erhalten auf Wunsch vom Verlag kostenlos die bisher erschienenen Teile des Romans nachgeliefert.

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