Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- Romanbeilage des Jüdischen Echo
- Issue
- 4 (1928) Die Zauberin von Kastilien
- Date
- 1928-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3 Geweihte!“ Mten; „Ge- ROMAN-BEILAGE DES,JÜDISCHEN ECHOS“ Sein Name!“ ten ihnen: DIE ZAUBERIN VON KASTILIEN > stellte sich }Pel am heiliemehmen: n betrifft, die so kann ich le unter dem Sultans Sulein — befinden, hem einzigen agende Stimesia, die eine mit ihrem en Don Josef ihm zu Füßen Ider. Und der achtete ihre Grazia ihre diese brachtstadt seines Ewigkeit zu seine Hände Anwesenden, ürstin Donna )sef Nassi zu indzutun, daß nach Ancona irgendwelche Fürsten von istes und ein en Juden des t geschlossen Ile Schiffe, die i von Ancona /erfen sollen, soll nunmehr :hen Handels jel der orienihrem Schatlen leben.“?ede beendet ,i Jakob und rgsenden aus. rsetzung folgt.) VON SCHALOM ASCH 3. Fortsetzung „Söhne Israels, die ihr gepeinigt und geläutert seid! Hört Gott, euren Gott! Im Namen der Glaubensmärtyrer, im Namen des vergossenen jüdischen Blutes und der verkohlten jüdischen Knochen verhänge ich einen feierlichen Bannfluch über Ancona, das blutige Land unserer Feinde. Verflucht sei der, der sein Schiff im Hafen des Papstes Anker werfen läßt. Verflucht, wer unserem Feinde zu Verdienst verhilft, wer seinen Handel fördert und sein Land bereichert. Und vom Antlitz der Erde soll weggewischt werden Ancona. Cherem! Cherem!“ Ein Gemurmel ging durch die Versammlung. „Cherem! Cherem!“ „Der Wächter Israels schläft und schlummert nicht“, fuhr der Alte in seiner Rede fort. „Gott hat Mitleid mit dem Reste seines Volkes Israel. Und Er sandte uns in der Person des Sultans Suleiman einen Retter und Beschützer. Gott schenke ihm den Sieg über seine Feinde! Oh, es wird kein Blut mehr umsonst in Italien vergossen werden. Keine jüdischen Leiber werden mehr auf den Scheiterhaufen brennen. Gott wendet seine Gnade nicht von uns, weder bei Tag noch bei Nacht. In jeder Generation sendet er uns einen Retter. Wir wollen Gott loben für die Gnade, die er uns erweist.“ Niemand wußte, was der greise Rabbi Jakob eigentlich meinte, aber alle begriffen, daß etwas Wichtiges geschehen war und hoben ihre Hände zum Himmel und dankten Gott. Am nächsten Tage früh am Morgen wurden die Juden Roms, ebenso wie alle Römer, durch eine Neuigkeit überrascht, die sich wie ein Lauffeuer in der Stadt verbreitet hatte. Der Sultan hatte nämlich zum Papst einen Boten entsandt, der im Namen Seiner Majestät des Sultans die Marranen Italiens für türkische Untertanen erklärte. Für jeden Marranen, der in den Kellern der Inquisition gepeinigt würde, würde der Sultan einen Christen martern lassen, und für jeden Marranen, der auf einem (Copyright by R. Löwit, Wien, Leipzig) Scheiterhaufen in Italien verbrannt, wollte der Sultan einen Christen in seinem Reiche verbrennen lassen. Darauf öffneten sich die Gewölbe der Inquisition, und alle Marranen, die nun türkische Untertanen waren, wurden, zum Verdrusse des Papstes, auf freien Fuß gesetzt. 4 In Feuer und Wasser Auf dem Throne Christi zu Rom saß der alte achtzigjährige Tyrann Pietro Caraffa, der den Namen Paul IV. trug. Schon als Kardinal unter Paul III. hatte er jüdische Bücher in Rom verbrennen lassen. Paul IV. wurde auf den Thron Christi erhoben, um mit dem Gift seines Fanatismus und durch die Gewalt der Folterräder der Inquisition die päpstliche Herrschaft aufrechtzuerhalten, die unter dem stark wachsenden Einfluß der Ketzer, des Luther in Deutschland und des Calvin in Genf, schon ins Wanken geraten war. Da aber Paul IV. zu schwach und seine Hand bereits zu kurz war, um die protestantische Bewegung, die sich in Deutschland zu verbreiten begann, zu ersticken, ließ er seinen Zorn an den Ungläubigen in seinem eigenen Herrschaftsgebiet aus — an Juden, Mauren und Marranen. In seiner Zelle, die wie die Zelle eines jesuitischen Einsiedlers eingerichtet war und über den obersten Räumen des Vatikans lag, saß der hochgewachsene, tief verärgerte Papst auf einer harten Bank. Sein Antlitz glich einem stürmischen Meer, in dem brausende Wellen hin und her wogten. Das lange, harte Haar des dichten weißen Bartes war steif wie Draht — aber zwischen dem Netz der Runzeln blickten unter den dichten Brauen zwei kindliche Augen hervor, die glanzlos und starr waren, wie zwei erloschene Feuersteine. „Seit wann wird Peters Stuhl vom Sultan der Ungläubigen regiert?“ fragte der Papst den kleinen, ruhigen Kardinal Alexander Farnese, der die Außenpolitik des Vatikans leitete.