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Das jüdische Echo · 1928-01-01 · 1 (1928) Die Zauberin von Kastilien · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
1 (1928) Die Zauberin von Kastilien
Date
1928-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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R O M AN-B E I LA G E DES .JÜDISCHEN ECHOS1 DIE ZAUBERIN VON KASTILIEN VON SCHALOM ASCH (Copyright by R. Löwit, Wien, Leipzig VORWORT „Den ganzen Tag über streckte ich meine Hände flehend zu dem störrischen Volke hin.“ (Jesaia.) Am Ende der Via,Appia, am Ufer des Tiber, in der Nachbarschaft der alten Stadt, in der die Tempel von Venus und Apollo und die Triumphbögen von Cäsar und Titus standen, lag das jüdische Ghetto, umgeben von einer dicken, hohen Mauer. Über dem Tor des Ghettos, das aus den Triumphbogen von Augustus gebaut war, hatte der Papst ein hohes, spitzes, eisernes Kreuz aufstellen lassen, an dessen Rückseite in hebräischen Buchstaben die aus dem Buche Jesaia entnommenen Worte angebracht waren: „Den ganzen Tag über streckte ich meine Hände flehend zu dem störrischen Volke hin/* Allein das „störrische“ Volk kümmerte sich um die Moral, die die heilige Kirche über seinem Tor angebracht hatte, nur wenig. Jeden Morgen und jeden Abend, beim Eintritt und beim Verlassen der Ghettotore, senkten die Juden ihre Köpfe, um nicht die heiligen Worte des Propheten Jesaia zu sehen, die vom Kreuze in blutiger Schande mit goldenem Glanze auf sie niederflammten ... In dieser Gegend, am Ufer des Tiber, im jüdischen Ghetto, lebten die Juden von alters her. Sie hatten sich dort schon bald nach der Zerstörung des zweiten Tempels niedergelassen. Es war, als wollten sie ihre ehemaligen Feinde, die Tempel des Apollo und der Venus, die einst mit ihrem Gott gewetteifert hatten, sowie die Triumphbogen ihrer Besieger nicht mehr verlassen — so hatten sie sich an die alte, von den Wellen halb überflutete, vergessene Stadt angeklammert, die in Ruinen versunken und wie verschämt dalag — vor den hohen Türmen, die sich auf den römischen Bergen erhoben, vor dem neuen Gott Christus. Während der ganzen Zeit — im Verlaufe von Epochen und Generationen, vom alten klassischen Rom bis tief in die Zeit der Renaissance, siedelten sich Juden an den Ufern des Tiber an in der feuchten, schmutzigen Gegend. Erst in der Zeit der Päpste Alexander und Julius, Clemens und Paul III. (die mehr Apostel der alten heidnischen Götter des alten Rom, als des Gottes Christus waren), begannen die Juden, aus allen Teilen der christlichen Welt, wo sie unter den flammenden Ruten der Kirche und der Inquisition stöhnten, in beträchtlicher Anzahl nach Rom einzudringen. Gerade in Rom, unter der Herrschaft der Päpste, fanden sie mehr Schutz als in allen andern christlichen Ländern. Dort entstanden ihre Gemeinden und sind ihre Synagogen erbaut worden. Spanische Juden ließen sich in Rom nieder, trotz des verräterischen Versuches ihrer Brüder, den Papst zu bestechen, er sollte sie nicht ins Land hereinlassen. Die Juden von Kastilien hatten ihre besondere Gemeinde in Rom. Französische Juden hatten hohe, angesehene Stellungen an den Höfen der Päpste und Kardinäle als Ärzte und Bankiers inne, und selbst aus Deutschland waren Juden nach Rom gekommen. Die Juden ließen sich in allen Teilen der Stadt nieder und hatten dort ihre Synagogen. Papst Paul IV. aber trieb sie in die Mauern des Ghetto zurück, das er noch enger und höher umschloß. Er sonderte für sie, für die Tausende und aber Tausende von Juden mit ihren Frauen und Kindern, einen viereckigen Platz von einer Meile Umfang ab, in dem allein sie wohnen, leben und sich bewegen durften ... Dann setzte er die alten Beschränkungen ihrer Rechte wieder in Kraft und schaffte von sich aus neue dazu. Die Juden stöhnten unter dem Joch des Statthalters Christi in Rom ... Aber in dem viereckigen Raum, auf dem feuchten, schmutzigen Boden des Ghetto pflanzten sie sich dennoch fort und vermehrten sich; und konnten sie sich auch nicht in die Breite dehnen, so reckten sie sich nach

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