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Das jüdische Echo · 1928-12-28 · 52 (28.12.1928) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
52 (28.12.1928)
Date
1928-12-28
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 52 28. Dezember 15. Jahrgang Erweiterung der Jewfsh Agency nach dem 16. Kongreß Die Resolutionen der Exekutive mit 39:5 Stimmen angenommen Noch liegen die Berichte über den Abschluß der Sitzung des Zionistischen Aktions-Komitees nicht ganz vor; trotzdem aber läßt sich bereits sagen, daß nach der Annahme der von der Exekutive vorgeschlagenen Resolutionen mit der überwältigenden Majorität von 39:5 Stimmen die endgültige Erweiterung der Jewish Agency nach dem 16. Zionistenkongreß, also noch vor dem Herbst 1929 gesichert erscheint. Ermöglicht wurde dieses begrüßenswerte und allgemein erwartete Resultat der Tagung (vgl. den Leitartikel in unserer letzten Nummer) vor allem durch die großen politischen Erfolge, die Dr. Weizmann in Amerika zu erreichen verstand. Das Memorandum der Marshallgruppe, das er bei Beginn der Tagung bekanntgeben konnte, gleicht nahezu alle Meinungsverschiedenheiten zwischen dieser Gruppe und den Sommerbeschlüssen des Aktions-Komitees aus; wenn in der Frage der Siedlungsformen, sowie der zunächst provisorischen Zusammensetzung der Agency noch relativ kleine Differenzen zwischen der zionistischen und der nichtzionistischen Auffassung bestehen, so darf man doch ohne weiteres hoffen, daß es der überlegenen Verhandlungsführung Weizmanns, der in jahrelanger Arbeit trotz ungeheurer Widerstände die Kooperation vorbereitet hat, gelingen wird, sie ohne beiderseitige Verstimmung auszugleichen. Der große Fortschritt, den damit der Palästinagedanke im Bewußtsein des gegenwärtigen Judentums gemacht hat — bedeutet doch sicherlich die Erweiterung der Agency eine Vervielfältigung der für Palästina wirkenden Kräfte,- ja vielleicht den Beginn einer ungeahnten Entwicklung des jüdischen Nationalheims —, prägt sich am besten darin aus, daß viele nichtzionistische Gruppen in den verschiedenen Ländern, in Frankreich, England, vor allem aber in Deutschland heute gezwungen sind, sich Rechenschaft darüber abzulegen, in welcher Form auch ihre Beteiligung an der Agency realisiert werden könnte. Eine lebhafte Debatte zwischen der „Jüdischen Rundschau“ und der „Jüdisch-liberalen Zeitung“, auf die noch zurückzukommen sein wird, beweist, wenn nichts anderes, so doch eines: daß die Politik der Abstinenz gegenüber dem Palästinaaufbau schon jetzt allen Juden unzulässig erscheint, daß also im Wesen bereits gelungen ist, was Weizmann von der Erweiterung der Agency erhoffte: die Einigung aller jüdischen Kräfte für Palästina. Der Verlauf der Verhandlungen Donnerstag, halb 11 Uhr vormittags, eröffnet Präsident M o t z k i n die Sitzung mit einer hebräischen Ansprache und teilt mit, daß das Präsidium des A.-C. eine Tagesordnung von acht Punkten vorschlage. Die Tagung ist auf Wunsch der Exekutive einberufen worden und soll sich hauptsächlich mit der Frage der Erweiterung der Jewish Agency befassen. Die übrigen Punkte der Tagesordnung werden, wofern die Zeit reichen wird, allerdings beschleunigt behandelt werden müssen. Die Tagung muß am Montag, dem 24. Dezember, schließen, weil eine ganze Reihe von A.-C.-Mitgliedern am Dienstag verreisen wird. Motzkin ge_ denkt der während der Zwischenzeit seit der A.- C.-Tagung im Juli 1928 verstorbenen führenden Zionisten. Um 11 Uhr vormittag begann Dr. Weizmann mit seinem Bericht über die gemeinsam mit Harry Sacher in Amerika geführten Verhandlungen mit den Nichtzionisten. Er schildert ausführlich die Vorgänge auf der Tagung der amerikanischen Nichtzionisten sowie die sich daran knüpfenden Verhandlungen mit dem von der Nichtzionistenkonferenz gewählten Siebener-Komitee betreffend die vom A.-C. im Juli 1928 beschlossenen Resolutionen. Als Ergebnis der Verhandlungen ist ein Memorandum des Herrn Louis Marshall zu betrachten, das Dr. Weizmann dem A.- C. vorlegt. Dr. Weizmann erörtert die einzelnen Punkte des Memorandums und erklärt, daß nach seiner Meinung das Ergebnis der Verhandlungen befriedigend ist. Er verliest auch einen Brief von Ussischkin, der ihn zu' dem Resultat beglückwünscht und die Äußerungen Marshalls bezüglich des K. K. L. als befriedigend erklärt. Dr. Weizmann schlägt vor, nunmehr die andern Voraussetzungen für die Bildung der Agency zu schaffen, vor allem die Beteiligung von sechs Ländern zu sichern. Er ist der Meinung, daß der Zionistenkongreß in diesem Jahre schon im Juli zusammentreten soll, damit sich an den Kongreß die erste Tagung des Councils der Jewish Agency anschließen kann. Zum Schluß führt Dr. Weizmann aus, welche Bedeutung die Schaffung der erweiterten Agency haben wird. Außer der zu erwartenden Steigerung des Keren Hajessod ist die Schaffung einer neuen Kolonisationsbank geplant, von der in der Öffentlichkeit in der letzten Zeit auch schon die Rede war. Die größte Bedeutung der Agency sieht aber Dr. Weizmann in der fortschreitenden Einigung des Judentums für Palästina, der Bildung einer wirklichen Knesseth Israel, die im Grunde stets das Ziel des Zionismus gewesen ist. Die Zionistische Organisation wird auch in Zukunft die treibende Kraft der Palästina-Bewegung bleiben müssen. Dr. Weizmann empfiehlt dem A.-C. die Annahme des Marshall-Memorandums, damit sofort weitere Schritte zur Bildung der Agency gemacht werden können. Nach Dr. Weizmann ergreift der Präsident der Exekutive, Sokolow, das Wort, der über die Bedeutung der Jewish Agency spricht.

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