Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 50 (14.12.1928)
- Date
- 1928-12-14
- Page
- Seite 803 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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N>. 50 Das Jüdische Echo 803 Auch Sie erhalten vom Verlag B. Heller postfrei nach Ihrem Wunsche eines der folgenden schönen und bedeutsamen Werke zugestellt, wenn Sie uns den Abonnementsbeitrag von RM. 8.— für 1929 bis spätestens 31. Dezember 1928 einsenden. „Das Ghettobuch" herausgegeben von A. Landsberger „Volk des Ghetto" herausgegeben von A. Landsberger!; „Und das Krumme wird gerade" von S. J. Agnon aus dem Hebräischen von Max Strauss, fünf Bilder von Budko „Theodor Herzl" von Leon Kellner „Lehrbuch der hebräischen Sprache" von Moses Rath Neu hinzutretende Abonnenten, die uns den Bezugspreis für das Jahr 1929 einsenden, erhalten ebenfalls eine dieser Prämien nach ihrem Wunsche und vom Zeitpunkt ihrer Einsendung ab das „Jüdische Echo" gratis bis zum 1. Januar 1929. Die Lieferung der gewünschten Bücher erfolgt nach Maßgabe des Eingangs der Geldsendungen und im Rahmen des vorhandenen Vorrats; es empfiehlt sich also, rasch von unserem Angebot Gebrauch zu machen. „DAS JÜDISCHE ECHO" Verlag B. Heller München 2 C Herzog-Max-Straße 4 Postscheck-Konto: Amt München 39 87 nicht aus dein Hause. In diesem Zimmer werdet Ihr bleiben, und da wird Euch alles gereicht werden.“ Wäre meine Tochter gesund gewesen, ich hätte gewußt, ihm gebührend zu antworten, aber so wollte ich keine Geschichten machen. Nur konnte ich nicht verstehen: Wie kann ein gebildeter Mann, ein Ingenieur, ein solcher Feigling sein! Nu, nehmen wir an, man entdeckt mich, man schiebt mich ab, sagen wir, ich werde sogar bestraft... Hat denn ein Jude noch nie ein größeres Malheur gehabt... Weiß mein Schwiegersohn gar nicht, daß unsere Väter sich ins Feuer werfen ließen, daß sie Foltern ertrugen, nur weil sie Juden waren? . . . Und die Pogrome? Und die vielen Hamans? Und doch ist das Haus Jakobs nicht verloren gegangen. Das alles wollte ich ihm sagen, aber ich sah, daß er mich nicht verstehen würde. Der Mensch war so weit gekommen, daß er sich vor seinen eigenen Dienstboten fürchtete und mir selbst das Essen reichte. Nu, wie gefällt Ihnen das? Die Fenster meines Zimmers führten auf einen leeren Hof. Gegenüber befand sich eine schmutzige Wand. Ich saß so volle zwei Tage im Zimmerchen. Es wurde mir langweilig und ich schäme mich vor mir selber. Ich beschloß, aufzupassen, wenn mein Schwiegersohn ausging, um diese Gelegenheit zu benützen, meine Tochter und meine Enkel zu sehen. Aber als ich mein Zimmer verlassen wollte, fand ich die Tür verschlossen. Ich fing an, mit Messer und Schere zu hantieren, und es gelang mir, die Türe aufzumachen. Auf den Zehen schlich ich, bis ich an das Zimmer meiner kranken Tochter kam. Das Herz tat mir so weh, daß ich fühlte: noch ein Moment, und ich weine wie ein Kind. Ich stand ein wenig hinter der Tür, guckte durch das Schlüsselloch. Meine Tochter saß auf dem Bette, bleich, abgezehrt, neben ihr ein Junge von ungefähr sieben Jahren. Ein bildhübscher Junge mit blonden Locken — ganz die Mutter. Leise machte ich die Türe auf. „Riwkele!“ sagte ich leise. „Papachen!“ Und beide weinten wir. Es stellte sich heraus, daß sie nichts von meinem Kommen gewußt hatte. „Papa,“ sagte meine Tochter, „gleich kommt Boris. Er wird ärgerlich, wenn er dich sieht. Bei uns ist es jetzt so streng.“ „Ängstige dich nicht, Riwkele. Es gibt , einen Gott im Himmel... Heute ist Chanukkah, und um Mer Feiertage willen wird uns der liebe Gott vor Unannehmlichkeiten schützen.“ „Ist heute Chanukkah?“ fragte meine Tochter. „Ja, Riwkele! Und du wußtest es nicht?“ Verlegen sah sie mich an. „Nu, es macht nichts* Riwkele ... Heutzutage ist das nun mal so ... Und K. ist so weit von den jüdischen Städten entfernt. Riwkele erklärte dem Jungen, daß ich sein Großvater sei. Er sah mich mit seinen großen blauen Augen an und sagte nichts. „Kannst du im Siddur lesen?“ fragte ich den Jungen auf Jüdisch. „Er spricht nicht Jüdisch, Papa!“ erklärte mir Riwkele und wurde noch verlegener. Ich begriff gleich, daß mein Enkel kein Rabbiner werden wird. Als mein Schwiegersohn kam und erfuhr, daß ich die Tür aufgeschlossen hatte, wurde er sehr aufgeregt. „Was habt Ihr gemacht? Ihr müßt sofort nach Hause reisen! Man findet Euch, und dann bin ich verloren,“ sagte er wiederum. Da konnte ich nicht mehr schweigen und sagte ihm kurz, daß er Dummheiten spräche. Abends steckte ich die vier Chanukkah-Lichter an, k-lebte sie an der Fensterbank fest und verrichtete andächtig den Segensspruch. „Moaus zur Jeschuossi...“ sang ich leise, und ich guckte auf meine Lichter und es war mir wohl und traurig zumute*