Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 49 (7.12.1928)
- Date
- 1928-12-07
- Page
- Seite 787 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Literarische Beilage Makkabis Gesang von Manfred Sturmann Der Acker ist nicht reif für Brot und Wein, Solang des Feindes Mordhand ihn durchgräbt, Solang sie schändet Heiligtum und Schrein, Solang der Alp der Knechtschaft in uns lebt. Das Rebenmesser ist zur Ernte nicht Wie sonst bestimmt. Die Sense rostet im Verschlag, Die Herden sind erkrankt, es bricht Ein Dunkel, Gottes Zorn, in unsern Tag. Es fault der Stamm des Volkes mit der Saat, Die wir dem jungen Jahre ausgestreut. Die Keime höhnend Feindesfuß zertrat. Hört Gott uns noch, daß er die Saat erneut? Ihr Jungen aus dem Volk, was siecht ihr hin! Seid ihr nicht Waldesstämmen gleich! Erhebt Euch, nehmt Gerät und Schwert und Sichel in Die Faust: nur wer sich Leben gibt, der lebt! Der Mütter Augen segnen diesen Streit. Reißt von der Vaterstirn das schmache Joch, In euch ist Blut, ist Gottes Geißel noch — Empor, den Tempel und das Land befreit! Geschichte der nationalen Bewegung im Orient Bücher sollen da einspringen, wo Lücken in unserem Bewußtsein vorhanden sind, sie sollen den Kreis unseres Horizontes schließen. Wieviel gebildete Laien wissen wirklich Bescheid vom Leben des heutigen Orients, von der Entwicklung, die er in unseren Tagen nimmt! Für die meisten ist er das Morgenland voll von romantischer oder romantisierter Vergangenheit, seine Geschichte hat geendet, seit er nur Objekt des europäischen Imperialismus geworden, nur noch von „natives“ bewohnt ist. Nur gelegentliche journalistische Berichte ließen ahnen, daß es dort vielleicht doch noch — oder wieder —* selbständiges Leben gibt, Beginn eines aktiven Willens zur Gestaltung, des eigenen Loses. Wer solches ahnte, mußte das Fehlen eines tatsächlichen Wissens darüber vermissen und die Lücke bedauern, die hier klaffte. Daher erscheint selten ein Buch als Befriedigung eines so starken Bedürfnisses und findet seine Aufgabe noch so unbearbeitet wie Hans Kohns „Geschichte der nationalen Bewegung im Orient“. (Kurt Vowinckel Verlag, Berlin.) Denn Nationalismus ist das Zentrum des Lebens der orientalischen Völker von heute. Aber diese Bewegung ist so ausgedehnt, zersplittert und von so vielen Seiten beeinflußt, daß neben all den Voraussetzungen an sprachlichen, historischen, politischen Kenntnissen eine ganz besondere Art der Persönlichkeit dazu gehört, diese fremde, chaotische Welt zu ordnen und uns zu vermitteln. „Nur ein Mann, der aus einem Lager stammt, das — janusköpfig — Orient und Okzident übersieht, kann beiden so gerecht werden, wie ein Mensch der Gegenwart dem Werdenden gegenüber gerecht zu sein vermag“, schreibt Professor Karl Haushofer in der Einführung zu Kohns Werk. Denn diese Welt, die vor Jahrtausenden schon Kulturen schuf, ist kein abgeschlossenes Ganzes, sondern gerade heute im Fluß der Entwicklung. Überall, von Indien bis Marokko, sind Kräfte an der Arbeit, die fremde Vormundschaft abzuschütteln und autonomes Leben ermöglichen wollen. Zwei fremde Mächte sind es besonders, deren Interessen mit diesem Geschehen besonders verknüpft sind, das britische Imperium und die Sowjetunion. England besitzt Indien und in allen Teilen Vorderasiens Stützpunkte, die USSR., immer mehr von Europa abgewandt, greift von Norden in mohammedanisches Gebiet gegen Persien, Afghanistan, Indien über. Während aber England mit dem indischen, arabischen Nationalismus zu kämpfen hat, spielt der Bolschewismus bei seiner Propaganda in den eigenen und den fremden orientalischen Gebieten den Nationalismus gegen das Empire aus. Es ist ein langsames Gären bei den Orientalen, das sich in den verschiedensten Stadien und Formen beobachten läßt. Zunächst dringen Bildung und Zivilisation vor, England gründet europäische Schulen in seinen Ländern, Eingeborene studieren in Europa, lernen seine Ideen kennen und werden in ihrer Heimat Vorkämpfer eines Nationalismus, der oft verblüffend dem frühen romantischen oder rationalistischen Nationalismus in Europa ähnelt. Oder wir finden religiös-nationale Bewegungen, Bestrebungen zur Erneuerung der Religion in Arabien, Persien, Indien, immer wieder in Opposition zu Europa. Nach der großen Katastrophe des Weltkrieges gewännen all diese Aspirationen neuen Boden. Die Türkei erhebt sich als selbständiger, europäischer Staat, in Ägypten, in Syrien, in Indien, überall fordert man Selbstverwaltung und dringt damit auch langsam durch. Dieses Buch Hans Kohns geht uns Juden besonders an: nicht nur, weil auch Palästina darin behandelt wird als Schauplatz des jüdischen und arabischen Nationalismus, sondern vor allem weil es eine jüdische Leistung ganz neuer Art ist. In Palästina ersteht eine jüdische Gemeinschaft, die Traditionen von Jahrtausenden orientalischer und europäischer Geschichte in sich birgt und auf dem alten Boden neues Leben schaffen soll, das Orient und Okzident vereint. In dieser Richtung ist Hans Kohns Buch ein Schritt. E. E. Vornehme Beleuchtinoskörper Zuglampen Tisch- und Ständerlampen Alabasterschalen J.WINHART&Co. Marsstrasse 7 (am Hauptb.)