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Das jüdische Echo · 1928-12-07 · 49 (7.12.1928) · p. Seite 784

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
49 (7.12.1928)
Date
1928-12-07
Page
Seite 784 (sequence 12)
Language
German
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784 Das Jüdische Echo Nr. 49 Feuilleton Kunst und Volkskunst im Gebrauch der Juden Auf Einladung des .„Vereins für Volkskunst und Volkskunde“ hielt im kleinen Unionsaal, der bis auf den letzten Platz besetzt war, Herr Theo Harburger einen Vortrag über „Kunst und Volkskunst im Gebrauch der Juden“, wobei er ungefähr folgendes ausführte. Während im allgemeinen die Verbindung von Kunst und religiöser Übung im menschlichen Gefühl so sehr verankert ist, daß wir schon vom ersten Auftreten auch der primitivsten Äußerungen jedes der beiden Empfindungsgebiete auf ihren Zusammenhang stoßen, scheinen die Juden, das Volk, dem die Anbetung und bildliche Darstellung alles dessen verboten ist, „was im Himmel oben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde ist“, der Kunstübung ablehnend gegenüberzustehen. Daß dem aber nicht so ist, beweist, daß im gleichen zweiten Buch Moses ausführlich Bau und Einrichtung des Stiftszeltes durch den Künstler Bezalel auf göttliches Geheiß angeordnet wird. Diese Beschreibung ist auch vielfach in der nachbiblischen Zeit, so beim Tempelbau des Salomo und bei späteren Synagogenbauten, als Vorbild verwendet worden. Als Beispiele dafür zeigte der Redner den Grundriß der Synagoge in Harburg an der Wörnitz und das Innere einer Anzahl alter Synagogen; so der Heidingsfelder, der Altneuschul in Prag, der Synagoge in Mantua und schließlich der in Tetuan, deren Ausgestaltung und kulturgeschichtliche Bedeutung er würdigte. Den Vorhang am heiligen Schrein fordert schon die biblische Vorschrift als Trennung zwischen Heiligtum und Allerheiligsten. Vielfach wurde als frommer Brauch das zur Hochzeit getragene Kleid später zu einem Vorhang umgearbeitet und dann dem Dienste des Höchsten geweiht. Außer den verschiedenartigen, in bescheidener häuslicher Arbeit hergestellten Stücken, können wir auch in Bayern solche bewundern, die in eigens zur Erzeugung dieser Stickereien entstandenen Manufakturen gefertigt worden sind. Eine solche bestand in Höchstädt a. d. D„ wo Jacob Gans, dessen Werke wir noch heute in Krumbach und Ichenhausen finden, als Goldsticker tätig war. Der Aron-ha-Kodesch wurde nun näher beschrieben, in ausgezeichneten Lichtbildern Thora-Rollen, mit allem Zubehör' Thora-Mäntelchen, Wickelbändern, Zeigern, Schild, Thoraaufbauten und Krone gezeigt und ihre Bedeutung ausführlich erklärt. . Im 18. Jahrhundert wandten sich die Juden mit der größeren Sicherung ihrer Lebenslage dem Schmuck des Gotteshauses zu; besonders die Augsburger Goldschmiedekunst tritt mit prächtigen Stücken hervor. Es wurden Thoraaufbauten des Simon Bardet aus Augsburg sowie einige Nürnberger Werke gezeigt, Hängeleuchter, Sabbatlampen und Chanukkahleuchter in den schönsten Formen und verschiedensten Ausführungen;' zwei Nürnberger Sabbatbecher, Gewürzbecher, Kerzenhalter und Teller, wie sie zur Hawdoloh Verwendung finden; ferner eine Gabenschüssel für Purim und Sederschüsseln. Zu den künstlerischen Monumenten gehören natürlich auch die Friedhöfe, von denen der Vortragende einige stimmungsvolle Aufnahmen zeigte; so den alten Friedhof in Fürth, in Prag und auf dem Lido bei Venedig. Interessant waren auch die zahlreichen Wappen und Embleme auf den Steinen; schließlich noch die hölzernen Grabmäler des Friedhofs von Fischach. War bisher vorzugsweise die Rede von Werken der Kunst, die von Nichtjuden für den jüdischen Gebrauch geschaffen wurden, so wandte sich der Vortragende nun einem Gebiete zu, in dem nur Juden tätig waren. Er erwähnte nochmals die Stickereien auf Thora-Mäntelchen und Deckchen, die Bemalung von Wimpeln und anderen Textilien; die Steinmetztätigkeit, die vielfach über das bloße Beschriften der Grabsteine hinausging. Wesentlich aber in jüdischen Händen lag die Auszierung von Handschriften. Erhalten sind uns aus dem Gebiet der Miniaturenmalerei als prächtigste Werke die beiden Haggadith von Serajewo und Darmstadt Ferner zeigte der Redner schöne Aufnahmen der Th’phillah von Heidingsfeld, geschrieben und mit Bildern ausgeschmückt von dem Thoraschreiber und Priester Juda Löb aus Trebitsch; ferner das Memorbuch der Gemeinde Fischach, eine Anzahl illustrierter Gebetbücher und Amulette, die besonders in Italien und im Orient hergestellt wurden. Schließlich wurde noch die Synagoge von Bechhofen gezeigt mit der farbenfreudigen phantastischen Ausmalung des Elieser Sußmann, der in dieser fränkischen Gegend noch mehrere Werke schuf. In seinem Schlußwort betonte Herr Harburger, daß die Juden immer die Kunst förderten, soferne es die Lebensbedingungen nur irgend erlaubten, und er wies hin auf die Anteilnahme der Juden auf den Gebieten der Malerei, der Plastik und der Baukunst. Begeisterter Beifall lohnte die reichen Darbietungen des Referenten, worauf Herr Geheimer Regierungsrat Dr. Halm, als Vorsitzender des Vereins, das Wort nahm, um dem Vortragenden für seine interessanten Ausführungen zu danken. Den meisten Anwesenden sei die Materie natürlich fremd und sie fühlten sich um so mehr zu Dank verpflichtet. Geh. Rat Halm wies dann noch darauf hin, daß Anklänge an manche Bräuche der Juden auch bei der christlichen Kirche zu finden seien — so erwähnte er, daß fromme Christen ihr Hochzeitskleid für kirchliche Zwecke zur Verfügung stellen, daß in der Kirche Frauen und Männer früher getrennt beteten und die Marterln und Grabmäler an Wegkreuzungen im Gebirge an die Holzgrabmäler der Juden erinnerten. Mit einem nochmaligen besonderen Dank an den Vortragenden schloß er den Abend. Es war wohl im wesentlichen der Zweck des Referates, den Anwesenden, die zum überwiegenden Teil nichtjüdischen Kreisen angehörten, einen Einblick in die Bräuche der Juden zu vermitteln, die Bedeutung der Kultgegenstände, die zum privaten Gebrauch und zum Gottesdienst in der Synagoge noch heute verwendet werden, zu erklären, wobei festgestellt wurde, daß diese zum größten Teil Produkte der jüdischen Volkskunst darstellen. Diesen Zweck hat das Referat vollkommen erfüllt (an über 60 Lichtbildern hat Herr Harburger ganz überzeugend demonstriert), und man war beson-

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