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Das jüdische Echo · 1928-12-07 · 49 (7.12.1928) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
49 (7.12.1928)
Date
1928-12-07
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 49 7. Dezember 15. Jahrgang Das reine Licht im unreinen Tempel (Aus einer Laienpredigt) .... Es muß doch einen Sinn haben, wenn das Symbol, das zur Verewigung der Ereignisse des Chanukkahfestes gewählt wurde, nicht an Kampf, sondern an den durch ihn errungenen Frieden erinnert. Was läßt beim Anblick des kleinen brennenden Lichtes an die heroischen Taten der Makkabäer denken, was an die Lagerfeuer ihrer Kriegsscharen, was an ihre abenteuerlichen Züge, ihre Kämpfe gegen die Übermacht der Feinde und gegen die Widerstrebenden im eigenen Volk? Das Licht erinnert vielmehr an jenes letzte Krüglein reinen Öls, das allein unentweiht und unberührt von heidnischen Händen geblieben war. Wir feiern also nicht den Kampf als solchen, obwohl wir uns gerne daran erinnern, daß es auch einmal eine solche Zeit im Leben des jüdischen Staats gegeben hat, sondern was uns wertvoll dünkt, ist nur das durch ihn erreichte Ziel, die Wiedereinsetzung des reinen Geistes an Stelle seiner Vermischung mit fremden Bestandteilen. Das Licht, das aus dem letzten Ölvorrat entzündet werden konnte, zeigt uns jedoch noch etwas Tieferes. Durften jene suchenden Hände, die den entweihten Tempel reinigten, überhaupt darauf hoffen, noch ein solches Krüglein zu finden? War nicht der Tempel erfüllt von fremden Bildern; fremde Priester wandelten durch seine Hallen und verrichteten ungewohnten Opferdienst. Sollte da wirklich überhaupt noch eine Spur des Alten geblieben sein, aus der später wieder der verschüttete jüdische Opferdienst neu hervorgegraben und aufgerichtet werden konnte? Vielleicht erschien es gerade darum als Wunder, wenn so etwas doch gelang, wenn aus einem letzten Rest reinen Öles die Flamme entzündet werden konnte, an der sich alle andern und größer strahlenden Lichter des jüdischen Tempels entzündeten. Seit wir mit den Lippen den Opferdienst ersetzen, erscheinen uns alle Vorgänge, die mit dem ehemaligen Tempel Zusammenhängen, als Sinnbilder und Beispiele für geistige Vorgänge unseres Daseins. Was bedeutet uns darum das Licht, der Rest früherer Reinheit und zugleich die Quelle neuer Vollkommenheit? Deutungen mag es viele geben. Eine sei hier festgehalten, die gerade unserer Zeit entsprechen mag. Was die Schönheit der uns umgebenden Geisteswelt, in die wir hineingestellt sind, auszurichten vermag, ist oft dargestellt, bejaht oder beklagt worden. Fremder Geist hat den eigenen so überwuchert, daß dieser kaum mehr ein selbständiges Leben zu führen vermag. Es gibt Menschen unter uns, bei denen es tatsächlich als eine vergebliche Aufgabe erscheinen möchte, nur einen Rest eines jüdischen Gefühls zu entdecken. Alle Regenerationsversuche werden von vornherein damit abgelehnt, daß ein solches Beginnen fruchtlos sei, weil ja der letzte Funke, der den betreffenden einzelnen oder die ganze Gruppe mit dem Jüdischen verbindet, bereits vollkommen ausgetreten sei. Und doch wird es sich gerade demjenigen, der solche Bemühungen immer wieder unternimmt, als ein ständig sich erneuerndes Wunder erweisen, daß er in irgendeinem verborgenen Herzenswinkel auf einen noch unberührten Vorrat rein jüdischer Empfindungen stößt, der nur entdeckt sein muß, um von hier aus wieder die Umgestaltung der ganzen Persönlichkeit herbeizuführen. Ein solcher Vorgang muß tatsächlich als eine Art Wunder bezeichnet werden. Es wird von jedem, der sich einmal mit derartigen erzieherischen Bemühungen abgegeben hat, bestätigt werden, daß es ihm letzten Endes niemals auf rationalem Weg gelingt, der seelischen Assimilation beizukommen. Er sucht zu beweisen und prallt ab, so lange ab, bis eines Tages die Widerstände weichen auf Grund eines kaum faßbaren psychischen Vorganges, bei dem irgendwelche eingeschlafenen jüdischen Gefühle erweckt werden und die ganze Persönlichkeit seines Gegenübers zu erschüttern beginnen und immer mehr in ihm um sich greifend. Es gelingt freilich nicht, den Tempel völlig zu säubern. Aber daß das jüdische Licht sich vervielfältigt und allmählich zur beherrschenden Flamme wird, dieses irdische Wunder kann gelingen. Es darf ja auch nicht vergessen werden, daß die Makkabäerkämpfe es nur zu hindern vermochten, jüdische Religion und jüdisches Volkstum völlig zu vernichten. Dagegen wurde der hellenistische Geist als Ergänzung und Partner aufgenommen, und aus jener Periode erklärt •sich die Ablösung des Judentums von seinem asiatischen Urgrund. Seitdem sind wir Europäer geworden. Ob wir es bleiben wollen, als solche nach Palästina zurückkehren oder dort diese Seite unseres Denkens abstreifen wollen, sei heute nicht erörtert. Wir stehen bei Chanukkah, dem Beginn der Wiedergeburt aus dem reinen Licht im unreinen Tempel... Bgr. Das Problem der Klagemauer Ein neuer Vorstoß der Moslemiten Jerusalem, 27. November. (JTA.) Der moslemitische Oberste Rat hat der Regierung ein neues Memorandum übergeben, in welchem die Forderung erhoben wird, daß den Juden aufgetragen werden soll, jedes Mobiliar von der Klagemauer zu entfernen und nie mehr Stühle oder sonst etwas zur Gebetszeit mitzubringen. Ferner fordert der Rat die Entfernung des an der Klagemauer diensttuenden . jüdischen Polizeioffiziers, dessen Anwesenheit nach Meinung des Rates der Benutzung der Klagemauer durch die Juden gesetzliche Sanktion zu geben scheint. Die Palästina-Regierung hat in ihrer nach dem Zwischenfall an der Klagemauer am Versöhnungs-

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