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Das jüdische Echo · 1928-11-16 · 46 (16.11.1928) · p. Seite 737

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
46 (16.11.1928)
Date
1928-11-16
Page
Seite 737 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 46 Das Jüdische Echo 737 was in einem solchen Falle geboten war, führte sie durch. Aber sie holte keinen Arzt. Von Scharlach verstehen die Ärzte nichts, sagte sie, man muß der Weisheit der Überlieferung folgen und den „Segen“1 wirken lassen. Ein Arzt kann nicht helfen. Der Zustand Jizchak verschlechterte sich. Er hob kaum mehr den Kopf vom Polster. An seinem Lager standen Stitra, Khamus und die fünf Mädchen und hielten leise weinend ihren Atem an. Jizchak starb an einem Samstag abend. * * Abgehärmt, mit wirrem Haar, beschäftigte sich Stitra wieder damit, Bohnen für die tägliche Mahlzeit zu bereiten. Das Zimmer, zu Lebzeiten ihres Sohnes gepflegt und nett, war schmutzig, Spinnweben hingen in den Ecken und an den Nägeln der Wände, die seit Monaten wohl nicht mehr getüncht waren. Die Djerbin stand über den Herd gebeugt und fachte seine Glut mit einer trägen Bewegung des Palmwedels an. Sie war vorzeitig alt geworden zu einer Zeit, da andere noch nicht verheiratet sind. Alles schien ihr fremd und sie tat ihre Arbeit mit mechanischen Bewegungen. Ihre Gedanken waren anderswo. Seit dem Tode Jizchaks war sie ganz verändert. Man hielt sie manchmal für verrückt. Und doch war sie sehr still. Sie weinte und klagte nicht, sie schien nur nachdenklich und geistesabwesend. Vor der Türe spielten ihre vier Töchter. Das fünfte, von der gleichen Krankheit ergriffen, war seinem Bruder gefolgt. Die Türe ging. Khamus, der sonst erst abends heimkam, unterbricht seinen Rundgang jetzt nicht selten Mittag, an einem gewöhnlichen Werktage. Er, der so sparsam war, sitzt jetzt den ganzen Tag bei der Bukha und endlosen Schachpartien im Wirtshause Mussa. Jizchak, der Kleine, lebt nicht mehr. Was geht ihn alles andere an! Er wird kein Kaddisch an seinem Grabe haben. Stitra? Diese Tochter einer Hündin hatten den Erben, den ihm der Said ge- 1 .„Segen“ ist die Bezeichnung der tunesischen Juden für Scharlach. Wie denken Sie über eine Haustrink-Kur? Haben Sie schon beobachtet, daß die herrliche Erholung ihres Sommerurlaubs jetzt wieder den zermürbten Einflüssen des Alltags ausgesetzt ist? Möchten Sie nicht, daß Ihr körperliches Befinden immer gesund und frisch bleibt? Ganz bestimmt ist es Ihrer Gesundheit dienlich, einen heilkräftigen Mineralbrunnen zu trinken. Er hat ja nicht allein die Eigenschaft zu heilen, sondern vor allem auch, den vielen Krankheiten vorzubeugen... und das ist doch ein vernünftiger Grund, ihn regelmäßig zu trinken. Machen Sie eine Haustrink-Kur mit Adelholzener Primusquelle Unter Echtheitsgarantie erhalten Sie den an der frischen Quelle abgefüllten Brunnen frei Haus von der Mineralwasser-Großhandlung OTTO PACHMAYR, G. m. b. H., MÜNCHEN Theresienstraße 33 Bitte, rufen Sie 27471 oder 27473 PBLZMODEA/ BERNHARD BAUCH MÜNCHEN SCHÄFFLERSTRASSE 3 KAUFINGERSTRASSE 25 BRIENNERSTRASSE 8 geben hatte, nicht einmal zu bewachen vermocht! Ihr Name sei verflucht! Und jeden Tag ergriff die Bukha mehr Besitz von ihm, hielt ihn von der Arbeit ab und fesselte ihn an den wackeligen Stuhl der Bar Mussa. Sie war seine beste Freundin. Konnte er bei ihr Jizchak vergessen? * * Die Mädchen waren in reichen, jüdischen Familien als Dienstboten untergebracht. Trotz ihrer wenigen Jahre waren sie kräftig, die Töchter des Khamus. Sie mußten auch die arme Mutter erhalten, die nichts mehr arbeiten konnte und die man, in Gedanken versunken, an der Türschwelle sitzen sehen konnte, mit leerem Blick, hängenden Armen und stummem Munde. Von Zeit zu Zeit lächelte sie stumpf. Sie mußten für die Mutter sorgen. Khamus war gestorben. Nach einer Nacht bei Mussa war er im strömenden Regen, schlotternd vor Kälte, krank und zähneklappernd, von Fieber geschüttelt, nach Hause gekommen. Und keiner nahm sich seiner an. Er war angekleidet ins Bett gesunken, vom Alkohol betäubt. Acht Tage genügten der Krankheit, um seinen vom Kummer und von der Bukha zerstörten Körper zu vernichten. Und eines Abends, gegen fünf Uhr, wurde sein Sarg in das „Haus des Lebens“ getragen. Niemand folgte seinem Sarge, und am offenen Grabe sprach ein Fremder das Kaddisch. ■n £ ui

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