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Das jüdische Echo · 1928-11-09 · 45 (9.11.1928) · p. Seite 721

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
45 (9.11.1928)
Date
1928-11-09
Page
Seite 721 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 45 Das Jüdische Echo 721 fahren :n «rsen 8rn<*.m,b,H' dstr.l5 (Leopoldpalais) .Nürnberg, Würzburg Prospekte kostenlos Pei; *CXCflo ionNr.23708 ••^«wäschenurKrage, aden- Lieferaeit ct.8Tiw eiter zu einem wirk. 1 Lebens. In der h ajemeth“ gibt Robr tschau auf das Ja- ’on Sorgen Theodü vom „wachsende rg, Ruppin und Fru; werden in Artik. s, über das jüdisci und seine Schicks;. iajes, Cohens, Bub: stellt; die „religfe drd von Buberjeih üit; und wenn h ui tschechoslowakiir lokales Interest gen Novellen w ler, Baum, Rate )ie Anschaffung k npfohlen werden. I r Volkskalender ik von Hugo Gold in erlag) erweist siel; und reichhaltig iine typographisch tonnte. j. Romane, Noveilci »er mancherlei k." Abhandlungen w >sen die Bestim: :e“ als Familkr.r. itoren von Ge {fest Künstler < Feuilleton Jizcbak Von Felix A 11 o u c h e (Autorisierte Übertragung aus dem Französischen von Karl Baum) Mit 17 Jahren hatte Khamus Mazigh aus Hara Kebira auf der schönen Insel Djerba das einfache, ruhige Leben des alten Ghetto verlassen, um auf dem Kontinent sein Glück zu versuchen. Kurz vorher heiratete er die schöne Stitra, die Tochter Huati Cohens aus Hara Sghira. Er war Waise und wünschte nichts sehnlicher als einen Jungen, den er nach seinem Vater benennen wollte. Aber die erste Niederkunft Stitras brachte ihm eine Tochter. Er hatte zuerst nichts gesagt, da er seine Frau nicht betrüben wollte. Aber vier weitere Töchter folgten mit der Hartnäckigkeit des Galuth Israels, der schlechten Ernten im trockenen Süden. Khamus trug schwer daran. Fünf Töchter, sage und schreibe fünf, und nicht einen Jungen! Ist das nicht etwas, worüber ein guter Jude verrückt werden könnte? Er wurde ungerecht und verärgert. Ununterbrochen kam es zu Szenen in dem kleinen Haushalt zwischen den engen Wänden des Zimmers in der Ruhe de Jerusalem mitten im Ghetto von Sfax; jede Kleinigkeit gab Khamus Stoff zu Streitigkeiten, die niemals enden wollten. Übrigens bestritt der Bedauernswerte die Dialoge fast immer allein, denn die arme Stitra schwieg meist. Sie wußte, daß Khamus darunter litt, keine Erben zu haben, sie wußte, daß er sie im Grunde liebe, daß er seine Kinder vergöttere, und sie verzieh. Sie vergaß sogar, daß sie, eine vom Stamme Cohen, Ansprüche auf alle Rücksichten hatte, sie wünschte nur, Gott möge ihrem Mann die schwere Sünde nicht nachtragen, die er beging, in dem er mit seinem Schicksal haderte. Und schließlich hatte doch der Mann Recht! Sie hatte ihm keinen Sohn geboren und war das Gespött des ganzen Viertels. Sie verstand die Verbitterung Khamus’. Keinen Sohn, mein Gott! ‘Keine Beschneidung, keine Bar Mizwah in der Familie zu feiern! Der Mann hatte Recht. Wer wird an seinem Grabe Kaddisch sagen? Der Mann hatte Recht. Und Stitra schwieg. Nach ihrer zweiten Schwangerschaft hatte sie alles Erdenkliche versucht. Die alte Mabruka, in diesen Dingen wohl bewandert, hatte ihr alle Quellen ihres Wissens erschlossen. Die berühmtetesten Kabbalisten gaben ihr sehr wirksame Amulette. Es gab keinen Rabbi in Palästina, der sie nicht gesegnet hätte, wenn er in Sfax war... Vergeblich. Stitra kam jedes Jahr mit einer Tochter nieder. Die Unglückliche verwünschte die Segnungen ihres Leibes. Nicht wegen der Schmerzen, die sie litt und wieder vergaß; ihr ganzes Wesen drängte dem „Neuen“ entgegen, das kommen sollte. Welche Enttäuschung dann, wenn Semha, die weise Frau von Hara, ihr wiederum sagte, daß es ein Mädchen sei! Sie wollte sterben und weinte, weinte endlos... Wo blieb die Barmherzigkeit Gottes, wenn kein Sohn ihren Lenden entsprang? Wo blieb sie, seine vielgepriesene Barmherzigkeit? * * (Nachdruck verboten.) Das Leben ging seinen Schritt. Hart lastete es auf den armen Juden von Hara. Auf Khamus wie auf allen anderen. Er war Lastträger und mußte zeitlich morgens auf den Beinen sein, wenn er Stitra und den fünf Kleinen das zum Leben Notwendige geben wollte. Glücklicherweise war er arbeitsam, während die Beduinen dem Müßiggänge lebten. Der Djerbe hatte meist genügend Arbeit. Gewiß, das Öl ist teuer und das Brot unerschwinglich, aber wenn man sich mit einer Schüssel Bohnen oder mit einer Fischsuppe begnügt, reicht es zum Leben. Die Hauptsache, daß man am Wochenende den Sabbat würdig begehen kann. Man kam also immer aus in dem kleinen Haushalt in der Rue de Jerusalem. Ja, es war Stitra, weiß Gott durch welches Wunder an Sparsamkeit, sogar gelungen, einige Duros zur Seite zu legen, nicht viel, 20 vielleicht, etwa 100 Franken. Sou für Sou hatte sie zueinander gelegt und es bekümmerte sie, daß es nicht mehr wurde. Denn sie hatte bestimmte Pläne, die gute Stitra, da Mabruka nicht mehr half, da auch die Wirkungen der Amulette ausgeblieben waren. Sie wollte, wie so viele andere, zum Said in El Hama gehen, wollte sich an seinem Grabe niederwerfen, Wachslichter und Räucherwerk zu seinen Ehren verbrennen, wollte beten und ihn so inständig bitten, daß er für sie sicherlich bei Gott fürsprechen und sie mit einem Knaben beschenken würde. Zwei Jahre lang dachte sie daran, Tag und Nacht. Aber sie hatte es nicht über die 20 Duros hinausgebracht. Und das reichte nicht aus, um den Bittgang zu unternehmen. Eines Morgens klangen die schweren Silberringe nicht mehr an ihren Armen, die ein Hochzeitsgeschenk ihrer Mutter gewesen waren. Sie waren zu anderen Wertsachen in den Schrank des Pfandleihers Angiolius gewandert. Der Malteser hatte Stitra dafür nach endlosem Handeln einige schmierige Scheine auf die Hand gezählt. * * * (Schluß folgt.) Möbelo. 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