Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 43 (26.10.1928)
- Date
- 1928-10-26
- Page
- Seite 686 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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686 Das Jüdiscbe Echo Nr. 43; des Waad Leumi an einer Sitzung teilnahm, bestand darauf, daß der Waad Leumi unmittelbar mit der Londoner Regierung und dem Völkerbund in Genf in Verhandlungen treten solle, ohne sich der Zionistischen Exekutive als Mittler zu bedienen. Diese direkte politische Tätigkeit mit London und Genf soll eine permanente werden. Es kam zu keinerlei Beschlüssen. Heute tritt der Waad Leumi wieder zusammen, um endgültige Beschlüsse zu fassen. Unerhörte Studentenexzesse in Budapest Kampf zwischen Professoren und Unterrichtsminister Budapest, 17. Oktober. (JTA.) Seit einigen Tagen steht Budapest unter der Drohung ernster Universitätsunruhen, und es hat den Anschein, als ob für die jüdischen Studentenschaften an den ungarischen Universitäten eine neue Periode geistigen und physischen Martyriums beginnen sollte. Diesmal scheint die Regierung entschlossen zu sein, den jüdischen Studenten zu ihren ohnehin schon eingeschränkten Rechten zu verhelfen. Bei den am 16. Oktober stattgefundenen Immatrikulierungen an der Budapester Hauptuniversität wurden dreißig jüdische Studierende, unter ihnen acht Mädchen, die sogar auf Grund der an den Universitäten eingeschränkten Studiumrechte ein Recht auf die Zulassung haben und noch dazu die Matura (Abiturium) mit Vorzug bestanden haben, durch Beschluß des Senats und des Professorenkollegiums von der Immatrikulation ausgeschlossen. Ebenso hatte die Technische Hochschule die Immatrikulierung mehrerer jüdischer Studenten entgegen den gesetzlichen Bestimmungen abgewiesen, nur weil sie Juden sind. Dieses Verhalten der Professorenschaft hat in Budapest in jüdischen wie in nichtjüdischen Kreisen großes Erstaunen und Empörung hervorgerufen. Der Deputierte Pakots, der schon einmal im Namen des Budapester Stadtrates bei der Regierung gegen den Numerus clausus interveniert hatte, erschien beim Unterrichtsminister Graf Kuno Klebeisberg und teilte ihm die neuen Tatsachen mit. Graf Klebelsberg ordnete die nachträgliche Aufnahme von sechzehn der abgewiesenen Studenten an. Während nun die medizinische Fakultät drei der abgewiesenen Studenten nachträglich immatrikulierte, haben die Professorenkollegien der übrigen Fakultäten sowie der Senat der Technischen Hochschule die Durchführung der Verordnung des Unterrichts m i nisters abgelehnt. In der gestrigen Parlamentssitzung wurde über die neugeschaffene Lage erregt debattiert, insbesondere kam es zwischen dem Grafen Klebelsberg und dem Abgeordneten Pakots, der dem Minister Mangel an Energie gegenüber den widerspenstigen Professoren vorwarf, zu einer ziemlich scharfen Auseinandersetzung. Der Minister betonte, er werde die Aufnahme derjenigen jüdischen Studenten, die ihr Maturitätsexamen mit Vorzug bestanden haben, durchzusetzen wissen. Graf Klebelsberg hat heute im Verordnungsweg die Aufnahme der anderen dreizehn jüdischen Vorzugsstudenten verfügt. Gleich darauf haben die antisemitischen Studenten Plakate an das Tor der Universität geklebt, in welchen sie ihre Entschlossenheit kundtun, die jüdischen Studenten aus der Universität mit Gewalt hinausz u t r e i b e n. Budapest, 20. Oktober. (JTA.) Die Aus-| schreitungen der antisemitischen Studentenschaft L in Budapest nehmen immer mehr an Ausdehnung; zu. Obwohl die Gebäude der Universität und der > Hochschulen von Polizei umgeben waren, kamen j im Innern der Gebäude fortwährend Zusammenstöße vor. Der Rektor der Universität, Dr. Wolken-; berg, erschien im geistlichen Talar unter den Studenten und nahm einen der insultierten jüdischen Studenten unter seinen persönlichen Schutz, um; ihn vor weiteren Mißhandlungen zu schützen. Die jüdischen Hörer flüchteten aus den Hörsälen und ’ Korridoren. Die Skandalszenen wurden auf der Straße fortgesetzt. In den gestrigen Abendstunden kam es wiederum zu großen Straßenkrawallen. Studenten und Pöbel; zogen singend und johlend über die Ringstraße, wo die Administrationslokale der Zeitung „Az Est“ gestürmt wurden. Die Auslagenfenster wurden zertrümmert und im Lokale selbst wurden die Bücher vernichtet und zum Teil fortgetragen. Während dieses Angriffes fielen meh- rere Revolverschüsse aus der Menge, die aber niemanden verletzten. Die Polizei drängte sodann die Menge in die Seitengassen ab. Ein Teil der Demonstranten zog am Abend zum orthodoxen jüdischen Tempel, wo gerade der . Sonnabend-Abendgottesdienst abgehalten wurde. Die Polizei drängte die Menge ab. Mehrere Fenster des Tempels wurden durch Steinwürfe zertrümmert. Bei allen diesen Attacken der der Demonstranten und der Gegenattacken der ■P-EL ZAAODEN ■BERNHARD BAUCH MÜNCHEN SCHÄFFLERSTRASSE 3 KAUFINGERSTRASSE 25 BRIENNERSTRASSE 8