Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 42 (19.10.1928)
- Date
- 1928-10-19
- Page
- Seite 670 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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670 Das Jüdische Echo Nr. 42 Vom Bade zurück? Gut erholt durch herrliche Ruhe, gebräunt von der Sonne, gesundet am heilsamen Quell? Ja, und nun? Unbedingte Fortsetzung Ihrer Kur zu Hause! V orheugung geg.ROckkebrlbrerBescbwerden Unter Echtheitsgarantie erhalten Sie den ge. wünschten, an der Quelle abgefüllten Brunnen frei Haus von der Mineralwasser-Grobhandlung Otto Pachmayr, G.m.b.H., München Rufen Sie 27471 oder 27473 des in ungeheurer Stärke aufgebotenen Militärs und der Gendarmerie ruhig verlaufen. Die jüdische Bevölkerung von Wiener-Neustadt, die diesen Kundgebungen mit großer Besorgnis entgegengesehen hat, hat sich später angesichts der von der Regierung getroffenen Vorkehrungen und übernommenen Bürgschaften beruhigt; der Simchath-Thora-Gottesdienst in der Synagoge, der zuerst abgesagt worden war, konnte schließlich stattfinden. Die Leitung der Heimwehren, die bisher jede antisemitische Politik ihrerseits geleugnet hat, hat in ihren letzten Kundgebungen antisemitische Postulate aufgestellt; sie gab an, für eine „Verankerung“ christlich-nationaler Auffassung zu kämpfen. In der Parlamentsdebatte über die Heimwehren wurde der sozialdemokratische Führer Otto Bauer von Landbund-Abgeordneten mehrfach in beschimpfender Form als „Jude“ angesprochen. Der Korrespondent der „Frankfurter Zeitung“ drahtet seinem Blatt: „Einen wichtigen Programmpunkt scheint Dr. Steidle (der Führer der Heimwehren) verschwiegen zu haben, nämlich den des aktiven Antisemitismus. Seit einigen Tagen prangen an den Straßenwänden der Stadt Wien große rote Plakate, die zu Pogromen auffordern und von Untergebenen Steidles angebracht sind. Darin hat sich der italienische Fascismus, der Dr. Steidle als Vorbild vorzuschweben scheint, von Anfang an wohltuend unterschieden.“ Antisemitischer Terror in Litauen Kowno, 12. Oktober. (JTA.) Seit mehreren Tagen wird die Judenschaft des Städtchens Zarschunischok, Kreis Troky, von Huligans terrorisiert, die die Schilder der jüdischen Geschäfte beschmutzen, die Fenster in den jüdischen Häusern einschlagen und jüdische Passanten schwer mißhandeln. Im Orte selbst und in der weiteren Umgebung gibt es keine Polizei, die den Huligans entgegentreten könnte. Die katastrophale Mißernte in Beßarabien — Ein jüdisches Nothilfskomitee Bukarest, 2. Oktober. (JTA.) Wie aus Kischinewr mitgeteilt wird, war in diesem Jahr in ganz Beßarabien eine katastrophale Mißernte zu verzeichnen. Die Ernte hat nicht einmal die Aussaat eingebracht. Die Auswirkungen sind um so bedrohlicher, als schon die Ernten der letzten fünf Jahre weit unter Mittelmaß waren. Seit 1900 war keine so schlechte Ernte wie in diesem Jahr zu verzeichnen gewesen. Die jüdische Bevölkerung Beßarabiens, die sehr von der landwirtschaftlichen Produktion abhängig ist (Handel mit Landwirtschaftsprodukten usw.), ist schwer betroffen: große Teile der jüdischen Bevölkerung leiden buchstäblich Hunger. Um dieser furchtbaren Notlage abzuhelfen, haben verschiedene Kreise der jüdischen Bevölkerung ein Hilfskomitee gegründet. Antisemitische Studenten in Bukarest verurteilt Bukarest, 1. Oktober. (JTA.) Das Bukarester Militärgericht sprach heute das Urteil gegen jene Universitätshörer, die im Mai d. J. in die Wohnung des Universitätsrektors Pangrati eingedrungen waren und den Rektor zwingen wollten, den wegen der Ausschreitungen in Großwardein und Klausenburg verurteilten Studenten die Disziplinarstrafe zu erlassen. Hauptangeklagter Serbulescu wurde mit vier Mitangeklagten zu je einem Monate Strafhaus verurteilt, zwei Studenten erhalten je zwanzig Tage Arrest. Vierzehn Angeklagte wurden freigesprochen. Der Berichterstatter über Mandatsfragen im Völkerbund für den jüdischen Aufbau Palästinas Genf, 27. September. (JTA.) Der finnländische Außenminister Iljalmar Procope, der in der letzten Sitzung des Völkerbundsrates den Vorsitz führte und zum Berichterstatter über die Mandatsfragen für das Jahr 1928/29 gewählt worden ist, sprach sich gegenüber dem Genfer Korrespondenten der Jüdischen Telegraphen-Agentur über seine Stellung zum Zionismus und zum Palästinamandat aus und erklärte, er habe volles Verständnis für die zionistischen Ideen und Bestrebungen und hege Sympathie für die zionistische Bewegung. Im Verlauf der Unterredung betonte Minister Procope, daß in Finnland eine Judenfrage nicht existiere und daß die Juden in diesem Lande gleiche Rechte und Freiheiten mit allen übrigen Bürgern des Landes genießen. Die amerikanische Ritualmordaffäre beigelegt. New York, 9. Oktober. (JTA.) Der Bürgermeister des Städtchens Massena im Staate New York, Ha wes, der beim Auftauchen der Ritualmordlegende gegen die Judenschaft seiner Stadt am Vorabend des Versöhnungstages ein Verhör mit dem Rabbiner angestellt und dadurch dem Ritualmordgerücht noch Nahrung gab, hat sich nach seiner unter dem Vorsitz des von Major Warner in Albany stattgefundenen Vernehmung entschlossen, sich gegenüber Louis Marshall, dem Präsidenten des American Jewish Committee, und Dr. Stephen S. Wise, dem Präsidenten des American Jewish Congress, wegen des Zwischenfalls vor aller Öffentlichkeit zu entschuldigen. Dem Verhör des Bürgermeisters Hawes in Albany hat Stephen Wise persönlich beigewohnt. Louis Marshall und Stephen Wise erklärten, daß sie die Entschuldigung des Bürgermeisters Hawes entgegennehmen, womit der Zwischenfall als abgeschlossen zu betrachten sei. Irma Lindheim kommt nach München New York, 1. Oktober. (JTA.) Frau Irma L. Lindheim hat dem Vorstand des Frauen- und Mädchenvereins Hadassah in Amerika mitgeteilt, daß sie sich aus Gesundheitsrücksichten genötigt sehe, das Amt einer Präsidentin in der Hadassah endgültig niederzulegen. Frau Lindheim erlitt bekanntlich Anfang Juni d. J. einen Nervenzusammenbruch und trat auf ärztliche Anordnung eine Europareise an. Von der einige Wochen später stattgefundenen Hadassah-Convention wurde sie mit großer Mehrheit zur Präsidentin wiedergewählt. Vor kurzem