Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 37 (14.9.1928)
- Date
- 1928-09-14
- Page
- Seite 593 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 37 Das Jüdist"? Echo / Literarische Beilage 593 ZIONISTISCHE ORTSGRUPPE MÜNCHEN Donnerstag, 20. Sept. 1928, abends 8'/i Uhr, spricht Herr Kurt Blumenfeld (Berlin) Präsident der Zionistischen Vereinigung für Deutschland über Jüdische Entwicklung u. zionistische Aussichten im Saale des Kunstgewerbehauses, Pfandhausstr. 7, wozu herzliche Einladung ergeht Eintritt RM. 1,—, für Jugendliche RM. —.50 soweit er nicht ein alttestamentarischer Jude war“, gegen sein Herz zu einem Vertreter des kosmopolitischen Gedankens gemacht habe. Das ist die innere Tragik dieses Lebens: die Liebe zu einer Welt, von der er, wenn er nicht ausgeschlossenwar, sich doch selbst ausschließen mußte; das Bekenntnis zu einer andern, gegensätzlichen Welt, erzwungen von der Macht eines tiefschürfenden, kritischen, vor Nichts Halt machenden Verstandes und das dunkle Bewußtsein doch im Wesen von Komponenten bestimmt zu sein, die er nicht anerkennen konnte und wollte und die er in manchen Epochen seines Daseins mit ungeheurer, vielleicht selbstzerstörerischer Schärfe ablehnte. Das Werk Keßlers wird der vielfältigen Persönlichkeit Rathenaus in jeder Beziehung gerecht und fügt seinem Bilde eine Fülle, bisher unbekannter. Einzelheiten hinzu. Mit besonderer Kenntnis sind vor allem die letzten Jahre Rathenaus und seine politische Wirksamkeit geschildert, doch ist auch die Darstellung von Rathenaus Jugend und seiner geistigen Entwicklung immer interessant und durch Mitteilungen aus Briefen, verschollenen Jugendwerken usw. oft in eine ganz neue Beleuchtung gerückt. Zweiunddreißig Abbildungen in Kupfertiefdruck bilden eine wertvolle Ergänzung des Buches, dessen Lektüre angelegentlichst empfohlen werden kann. J. E. Heinrich Kurtzig: Dorijuden. Ernstes und Heiteres von ostischen Leuten. M. Poppelauer Verlag, Berlin. In dem kleinen Bändchen sind außer zwei kleinen Erzählungen („Dorfjuden“, „Der Grabstein“) eine Humoreske („Der Katzenkäufer“) und eine Reihe von jüdischen Anekdoten vereinigt. Lesenswert ist das anspruchslose Büchlein nicht so sehr durch den literarischen Wert seines Inhalts als durch den Einblick in das kulturelle und wirtschaftliche Milieu der ostdeutschen Juden. Wer das östliche Judentum kennt, wird vieles Bekannte wiederfinden; das ist in erster Linie aus den erzählten Anekdoten ersichtlich. Die Menschen, ihr Tun und Treiben, ihre geistigen Interessen sind noch so wenig vom Geiste westlicher Assimilation durchdrungen, daß ihre Einreihung unter die „ostischen“ Leute, wie es der Verfasser im Untertitel seines Buches tut, durchaus gerechtfertigt erscheint. S. Ilse Herlinger. Jüdische Kindermärchen. Verlag Dr. R. Färber, Mährisch Ostrau. RM. 3.50. Die Gestaltung eines jüdischen Stoffes in Märchenform und seine Darstellung in einer dem kindlichen Gemüt adäquaten Weise, scheint ein außerordentlich schwieriges Unterfangen zu sein. Von allen Versuchen, die bis jetzt unternommen wurden, ist keiner in wirklich befriedigender Weise gelungen. Auch dem neuen Buch von Ilse Herlinger haftet dieser Mangel an. Die Verfasserin hat sich Mühe gegeben, z. B. das Erlebnis jüdischer Feste und Bräuche, sowie Gestalten aus der Legende und der Geschichte in ihre Märchen hineinzubringen. Man kann sich aber des Eindrucks nicht erwehren, daß hier gewaltsam jüdischer Stoff in eine ihm fremde Form gepreßt wird; die Folge davon ist, eine mangelhafte Verbindung des Jüdischen mit dem allgemein Phantastischen und Anregenden des Märchens, die keine rechte Befriedigung aufsteigen läßt. Wenn man auch jeden Versuch dankbar anerkennen muß, jüdische Jugendlektüre zu schaffen,