Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 37 (14.9.1928)
- Date
- 1928-09-14
- Page
- Seite 587 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 37 Das Jüdische Echo 387 der Maschine zu sein; dann verläßt es das Weltall und versinkt in Nichts ... Ich kann deshalb nicht länger leben, weil ich auf Erden nichts mehr zu tun habe. Ich bin zu nichts mehr nütz, weil ich meine Frist abgelebt habe. Ich habe die Schale der Genüsse, die mir vom Geschick bestimmt war, bis zur Neige geleert, ich habe von allem gekostet und alles verschlungen, wonach mich verlangte. Man hat mich vieles gelehrt, man vergaß mich aber zu lehren, wie man leben müsse, um das Leben nicht zu verprassen. Es gibt nichts auf der Welt, was imstande wäre, mich an sich zu fesseln, mich zurückzuhalten. An nichts hat es mir gefehlt, was je für mich von Wert und Bedeutung gewesen wäre — mir fiel alles von selbst in den Schoß — ohne Mühe, ohne Kummer, ohne Sorge — mir flog sozusagen alles entgegen ... Alles, was ich mir nur irgend wünschte, und auch Menschen — Männer sowie die Weiber. Alle umschmeichelten mich, aber ich hatte keinen einzigen wahren Freund. Die Frauen ver^ wohnten mich, doch keine verstand es, sich mir unentbehrlich zu machen. Mir war ein großer Reichtum, als Erbe meiner Vorfahren, in den Schoß gefallen und dieser Reichtum wuchs und vermehrte sich, ohne daß ich meinerseits nur das geringste dazu beitrug. Der Reichtum wuchs solcherart, daß er zuletzt mich selbst überragte. Wie oft krampfte sich mein Herz bei dem Wunsche zusammen, wenigstens einmal im Leben das harte Muß der Arbeit auszukosten.... Statt dessen verschrieben die Ärzte Bewegung, Sport und Zerstreuung — aber nur nicht das eine, Richtige — normal zu leben und meine Pflicht zu tun. Viele Länder habe ich durchstreift, aber keines von ihnen wurde das Land meiner Sehnsucht, viele Gegenden haben mich entzückt, doch keine hat mich dauernd gefesselt... Ich sprach fließend mehrere Sprachen, aber keine war mir Muttersprache — ich warf mit leeren Worten um mich, wie mit Bällen. Ich wechselte meine Heimatszuständigkeit so unbefangen, wie man Handschuhe wechselt. OMNIX itlNCHEN SCHELLINGSTRASSE 39 / TELEPHON 23741 / 29073 Wäscherei d. Münchener Hausfrau HÖCKER &BHUERLE Landwehrstr. 57/59 T. 596858 Hygienisch modernster Betrieb am Platze. Bekannt für erste Qualität. Getrennte Behandlung. Jede Hausfrau kann sich persönlich von der schonendsten Behandlung der Wäsche überzeugen. Waschmittel: Reine Kernseifenflocken 90°/0ig. Haushaltwäsche — V orhangspannerei — Stärkwäsche—Feinbügelei. Größte Lohnwäscherei Münchens Diese Neuerung bietet große Verbilligung Verlangen Sie Prospekte. Unverbindliche Besichtigung* Abholung und Zustellung mittels Autos. Die ganze Welt gehörte mir, ich war jedoch zu unbedeutend, um sie festzuhalten, und nicht stark genug, um sie zu umfangen; ebensowenig war ich zum Herrscher des Weltalls ausersehen. Und das, wonach mich möglicherweise gelüstet hätte, fiel mir von selbst in den Schoß. Es war einfach alles für mich da, alles stand mir zu Gebote — und galt es, einmal etwas erreichen zu wollen, so verhalf mir mein Reichtum dazu. Alles — das Lächeln auf dem Antlitze meines Freundes, den ersehnten Kuß von blühenden Lippen, nicht zuletzt die Befreiung vom Kadischsagen um meinen Vater — dies alles habe ich mir um schnöden Mammon erkauft... Aber die Seligkeit des freiwilligen Gebens und Schenkens — die hat mich niemand gelehrt... Das Unbedeutende wurde für mich mehr als bedeutungslos, das Erhabene hat zuletzt — erdrückend auf mich gewirkt! Ich sterbe, da ich unfruchtbar an Leib und Seele bin. In mir ist nichts, was eigentlich lebt oder eben spendend sein könnte... Schon längst habe ich eigentlich zu leben aufgehört und das Leben als solches zu genießen —■ nun ist es mir vollauf zum Ekel geworden. Man ging mit mir um, ungefähr so, wie der Bauer mit seinem Schwein: man mästete mich... jedoch der Bauer schlachtet sein Schwein, wenn es genug Fett angesetzt hat, mich dagegen zwingt man, mich selbst umzubringen und ich habe nicht die Kraft, mich diesem Zwang zu widersetzen. Das Opium steht vor mir auf dem Tisch — der letzte Trank, bestimmt, mich für immer trunken zu machen — denn aus dieser Trunkenheit werde ich nicht mehr erwachen ... Ob es wohl am Platze ist, daß ich Verfügungen über mein Vermögen treffe? Doch wozu — es wurde mir ja nur zum Fluch.... Habe ich vielleicht noch irgend jemand etwas zu danken? Nein — denn ich habe jedem und für jedes bezahlt. Sogar den letzten Trunk...“