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Das jüdische Echo · 1928-08-24 · 34 (24.8.1928) · p. Seite 542

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
34 (24.8.1928)
Date
1928-08-24
Page
Seite 542 (sequence 18)
Language
German
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4 542 Das Jüdische Echo / Literarische Beilage Nr. 34 die Gattin und Mutter; Milka, das ist die Geliebte: Marina, das ist die angebetete Freundin, die Diotima. Von diesen drei Brennpunkten erfährt das Leben des Blinden seine Glut, das sind die Gestirne seines Raumes. Erschütternd in seiner Wahrhaftigkeit ist dieses Buch. Für den Blinden gilt ein anderes Gesetz als für den Sehenden; daher lege man an dieses Buch nicht die Normen üblicher Moral. Der Blinde verlangt Dienst von den Menschen, die ihm nahe sind. Er steht souverän über ihnen als ein heimlicher König; denn sein Leben ist ein Reich, das in seiner verborgenen Weite unbegrenzt ist. Hier hat einer das Leben gezeichnet von einer uns unbekannten Seite her. Das ist eine Variation, die wir noch nicht kannten. Und mit neuer Klangfülle ersteht das alte Lied von der „lebendigen Welt“. Manfred Sturmann. Jean Richard Bloch: Levy. Im Rhein-Verlag Basel. In einer lesenswerten Novelle von großer Einfühlungskunst skizziert Jean Richard Bloch das Schicksal einer in die französische Provinz verschlagenen Judenfamilie; er zeigt, wie trotz aller antisemitischen Verfolgung die Assimilation unaufhaltsam ihren Gang geht; wie aber auch dieser Entjudungsprozeß nicht das Gefühl der endgültigen Befreiung hervorruft, wie trotz allem das jüdische Element erhalten bleibt und sei es auch nur in einer Komik des Auftretens, in der Paradoxie des Wesens und der äußeren Erscheinung. I.-E. Edna Ferber: Die Mädchen. Gebrüder Enoch Verlag, Hamburg. Die bekannte amerikanische Schriftstellerin erzählt mit psychologischer Meisterschaft in diesem Roman von den Schicksalen dreier aufeinanderfolgender Frauengenerationen; in gelegentlichen Bemerkungen von großer Treffsicherheit werden auch amerikanische Juden und ihr Verhältnis zur Umwelt charakterisiert; das Buch verdient auch in Deutschland das Interesse, das ihm bisher bereits in vielen Ländern zuteil geworden ist. H. Z. Josef Kaplan: Im siebenten Himmel und andere Skizzen. Verlag M. W. Kaufmann, Leipzig 1928. Eine Sammlung anspruchsloser heiterer und ernster Skizzen aus ostjüdischem Leben, die genaue Kenntnis ostjüdischer Lebensumstände und seelischer Haltung verraten. Gelungen sind vor allem u. a. „Der Paß“, eine humoristische Erzählung von den Erlebnissen eines nach Deutschland verschlagenen Flüchtlings. Alles in allem ein recht unterhaltendes Buch, in dem nur der deutsche Stil des Autors manches zu wünschen übrig läßt. R- S. Jüdisches Jahrbuch für Groß-Berlin, Jahrgang 1928. Verlag Fritz Scherbel & Teilh. Berlin SW 19. Dieses zum zweitenmal erscheinende Jahrbuch erweist sich als ein wertvolles Informationsmittel, als ein ausgezeichneter Wegweiser durch die jüdischen Einrichtungen und Organisationen Berlins. Es enthält auch eine ganze Reihe wertvoller Aufsätze, von denen besonders der gedankenreiche und instruktive Beitrag Dr. Kollenschers „Gedanken zur Erneuerung der Gemeindesatzung“ genannt sei. R. H. Hans Brandt: „Der Staat und die Juden“. Der bisherige Königsberger Polizeipräsident Hans Brandt hat im Verlage der „Königsberger Hartungschen Zeitung und Verlagsdruckerei“ unter dem Titel „Der Staat und die Juden“ eine Schrift erscheinen lassen, die auf Grund eines umfangreichen Materials nachweist, welches Unrecht den Juden vielfach im alten preußischen Staat angetan wurde, wie von amtlichen Stellen immer wieder versucht wurde, ihre staatliche Gleichberechtigung zu unterbinden. Die Kapitel über Staatsbürgerrechte, Verwaltungs-, Lehr- und Militärdienst sowie über die Justiz und die allgemeinen Rechte der Juden bieten einen sehr interessanten Beitrag zur Judenfrage. Die Zeitschrift „Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge“ tritt mit dem soeben erschienenen Hefte in den zweiten Jahrgang ihres Bestehens. Sie behandelte in dem ersten Jahrgang nicht nur alle Fragen der organisierten und produktiven Wanderung und Wanderfürsorge, sondern sie versuchte über den anfänglich gesetzten Rahmen hinaus eine Fülle grundsätzlicher Probleme der jüdischen Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik zur Diskussion zu stellen. Uber das Verhältnis von Zedakah und moderner Wohlfahrtspflege sind einige wichtige Aufsätze aus der Feder von Rabbiner Dr. Horowitz (Frankfurt), Rabbiner Dr. Vogelstein (Breslau), Eugen Caspary (Berlin) und Dr. Straus (München) erschienen. Zur bedeutungsvollen Frage der jüdischen Rechtsauskunftsstellen und Schiedsgerichte hat in einem allgemeinen Artikel Oberregierungsrat Dr. Geyer (Dresden), von jüdischer Seite Rechtsanwalt Dr. Foerder (Breslau) Stellung genommen. Die Berliner jüdischen Darlehenskasse wurde von Dr. Fritz Lamm behandelt, nebst Material zur Gründung einer Darlehenskasse, die neue jüdische Kreditgenossenschaft von James Goldschmidt (Berlin). Ein Sonderheft war, von Eugen Caspary eingeleitet, allen Formen produktiver Fürsorge der Jüdischen Gemeinde Berlin gewidmet. Die wichtigsten Fragen des Ausländerrechts wurden fortlaufend von Rechtsanwalt Dr. Fraustädter (Berlin) behandelt. Über das drängende Problem der jüdischen Gefangenenfürsorge schrieben die beiden bekannten Gefängnisrabbiner Dr. Joseph (Berlin) und Dr. Steinthal (Münster). Aus der Fülle der sogenannten sonstigen Themen seien genannt: Voraussetzungen einer jüdischen Arbeiterkolonie (S. Adler-Rudel), Die christliche Wanderfürsorge (Grünberg, Paris), Arbeitsvermittlung und Erwerbslosenfürsorge (Dr. Kreutzberger), Der Boykott jüdischer Angestellter, Ostjudeneinwanderung und Mädchenhandel u. a. m. Eine ausgedehnte Rundschau unterrichtet über Gesetzgebung, Praxis und Tagesfragen der Wohlfahrtspflege. Die Zeitschrift hat weit über jüdische Wohlfahrtskreise hinaus Beachtung und Anerkennung gefunden. (Redaktion und Geschäftsstelle: Berlin N 24, Auguststraße 17.) Encyclopaedia Judaica. Soeben ist im Verlag Eschkol A.-G., Berlin, der zweite Band der „Encyclopaedia Judaica“ zur Ausgabe gelangt, deren erster Band bekanntlich vor sechs Monaten erschienen ist. Dieses auf 15 Bände berechnete, in seiner Weise einzigartige Werk unternimmt, zum erstenmal in deutscher Sprache, den Versuch, unter Mitarbeit führender jüdischer und nichtjüdischer Gelehrten aller Länder, den gesamten Wissensstoff über das Judentum zu sammeln und rein objektiv und wissenschaftlich zur Darstellung zu bringen. Das Erscheinen des ersten Bandes hat in der gesamten Öffentlichkeit stärkste Aufmerksamkeit hervorgerufen. Der zweite Band, der die

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