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Das jüdische Echo · 1928-08-17 · 33 (17.8.1928) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
33 (17.8.1928)
Date
1928-08-17
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo S'M/t seNr, It- "Strasse und Qeschäits- '•A fDap. kauft derVernichtung >oll Ww Tel.25007 Pen-Großhdlg, jphon 92 8 37 * 15.- an .j fichterung Hag Tel. 26 5 87 : 'Räume er Konditorei ff. Pralinen i s e n I fit« 12 I hr EITEN } on 23072 | ■he < ng 1 ✓ ( I C | re n enl i ten Ti»! Nummer 33 17. August 15. Jahrgang Die Weltkonferenz der Liberalen- In einigen Tagen findet in Berlin eine Weltkonferenz des liberalen Judentums statt, nachdem die vorangegangene in London getagt hatte. Auf dieser Konferenz werden hauptsächlich Vertreter aus Amerika, England und Deutschland den Ton angeben. Namen von Weltruf, Namen um das gesamte Judentum verdienter Männer werden vertreten sein. Es ist kein Zweifel, daß diese Zusammenkunft das größte allgemein-jüdische Interesse mit Recht in Anspruch nehmen darf. Handelt es sich doch beim religiösen Liberalismus um eine bedeutende ernste Bewegung, die aus dem tief empfundenen Wunsch hervorgegangen ist, überliefertes Judentum mit dem modernen Zeitgeist in Einklang zu bringen. Dabei spielte — die Geschichte vom Entstehen des religiösen Liberalismus lehrt es — nicht so sehr der Wunsch eine Rolle, den Modernismus dem Judentum einzuverleiben, als das Bestreben, angesichts des durch die rechtliche Emanzipation der Juden allenthalben in Erscheinung getretenen Abfalls vom Judentum, einen Weg zu finden, der es auch dem modernen Juden ermöglicht, im Judentum zu verharren. Der Ausgangspunkt des religiösen jüdischen Liberalismus ist politischer Natur gewesen. Man lese in der großen „Geschichte der Juden“ von Heinrich Graetz nach und man wird diese Behauptung bestätigt finden. Es heißt dort: „Denn weil in Deutschland (und Deutschland ist das Ursprungsland des religiösen Liberalismus Anm. d. Red.) die alte Schmach so schwer zu tilgen, die junge Freiheit so mühsam zu erringen war, sahen die gebildeten Juden in der Eigenart ihres Bekenntnisses eines der Hindernisse, ihre Ebenbürtigkeit zu erlangen, waren bereit sie zu opfern und suchten sich einzureden, es sei kein Selbstaufgeben, sondern ein bloßes „Sichhäuten“. Da die christliche Gesellschaft sie nicht als Deutsche anerkennen wollte, so wollten sie durch volles Abstreifen ihres Wesens beweisen, daß sie nur Deutsche, nichts als Deutsche wären und vom Judentum nur einen kleinen Rest beibehielten. „Trotz dieser ätzenden Kritik kann Graetz nicht umhin, festzustellen, daß durch die neue Bewegung dem Judentum in seiner äußeren Gestaltung Würde und Anziehungskraft verliehen wurde, um der Fahnenflucht besonders der Massentaufe entgegenwirken zu können.“ Zur Steuer der Wahrheit muß also zugegeben werden, daß der religiöse Liberalismus darauf ausging, die abfallenden Juden für das Judentum wieder zu gewinnen, ihnen das Judentum „mundgerecht“ zu machen. Insofern hatte der Liberalismus seine großen historischen Verdienste. Da er jedoch das jüdische Leben in die vier Wände der Synagoge bannen wollte, da er aus dem Rabbiner einen Seelsorger und aus der Synagoge eine Kirche machte, hat er im Laufe seiner Entwicklung, gegen seinen ursprünglichen Willen, eine Verflachung und Schwächung des Judentums, zumindest bei der Masse der liberalen Parteigänger, wenn nicht bei den Führern, zur Folge gehabt. Hemmend für die Entwicklung und theoretische Durchbildung des religiösen Liberalismus erwies sich sein in der Politik liegender Ursprung. Die Verquickung von liberal-religiöser Entwicklung und Fortbildung, die als solche in den verschiedensten Zeitläuften der jüdischen Geschichte festzustellen sind, mit der Assimilationsbewegung wirkt bis auf den heutigen Tag nach und beeinflußte in einem Maße, das man nicht mehr als erträglich bezeichnen kann, die Gesamtauffassung des religiösen Liberalismus. Die Umwandlung des Judentums in eine „Allerweltsreligion“, wie Graetz sich ausdrückt, verführte die religiös-liberalen Theoretiker dazu, die Existenz eines jüdischen Volkstums zu leugnen. Als ob das Bekenntnis zu einer Universalreligion den Volkscharakter auslöschen würde! Türken und Araber bleiben Türken und Araber, obwohl beide Völker Mohammedaner sind. Angenommen, Judentum sei Universalreligion wie Christentum und Islam — so würde daraus noch lange nicht folgen, daß die Juden keine Nation sind. Und darin scheint uns das Hauptproblem des religiösen Liberalismus zu liegen: die Freimachung von politischen Absichten, mögen diese bewußter oder unbewußter Art sein. Der religiöse Liberalismus muß sich von den Problemen der jüdischen Politik emanzipieren und soll vornehmlich dort seine Einflußsphäre suchen, wo seine eigentliche Heimat ist: auf dem Gebiete des religiösen Erlebens. Das Bekenntnis zu religiösen Richtungen hat längst aufgehört der hauptsächlichste jüdische Einteilungsgrund zu sein. Mit dieser Tatsache muß sich der religiöse Liberalismus abfinden. Die Judenheit der Gegenwart betrachtet ganz andere Dinge als jüdische Hauptprobleme. Damit soll keineswegs die Bedeutung der religiösen Strömungen gerade im Judentum in Frage gestellt werden. Diese aber spielen isoliert nicht mehr die zentrale Rolle wie einst. Kardinalfrage der zeitgenössischen Judenheit ist: wie stellt sich jede jüdische Richtung zur Schicksalseinheit der jüdischen Gesamtheit? Und zwar nicht nur der gesamtjüdischen Glaubenssondern der Volksgemeinschaft. Kann der religiöse jüdische Liberalismus derzeit auf diese Frage keine eindeutige positive Antwort geben, dann täte er gut, sich zunächst in dieser Beziehung Reserve aufzuerlegen und sich als Rahmenbewegung zu betrachten, in der alle politischen Richtungen der Judenheit Platz finden können. Will er jedoch in der unseligen Verquickung mit dem politischen Assimilantentum verharren, dann wird er eine Episode im Leben des jüdischen Volkes bleiben, die religiöse Folie der nationalen Zersetzung eines großen Teiles der Judenheit in der Diaspora. Und da die Assimilation, dynamisch genommen, ihr Ende im Untergange erblicken muß, so muß der religiöse Liberalismus, wenn er sich mit der Assimilation solidarisch erklärt, den gleichen Weg nehmen. Anders jedoch, wenn er seine Aufgabe richtig erfassen wird; als religiöse Erneuerung eines in seinem Bestände gesicherten jüdischen Volkstums. Will der religiöse Liberalismus ernstlich nicht nur Vergangenheit, sondern auch Zukunft, dann müßte er die jüdisch-nationale Renaissance bejahen. Das ist seine Schicksalsfrage. m. w.

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