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Das jüdische Echo · 1928-08-10 · 32 (10.8.1928) · p. Seite 510

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
32 (10.8.1928)
Date
1928-08-10
Page
Seite 510 (sequence 14)
Language
German
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510 Das Jüdische Echo gesehen, wie der Mann immer in Gedanken da saß? Woran konnte er die langen Abende hindurch, wie er an seinem Tische saß, denken? Er muß ein interessanter Mensch gewesen sein. Sein Schweigen deutete auf Tiefe. Jedenfalls muß er ein geheimnisvoller Mensch gewesen sein; irgendein Geheimnis war um den Mann. Wieso ein Geheimnis? — Einige wurden neugierig. Haben Sie seinen Pelz bemerkt? Was war an seinem Pelz Besonderes? Sein Pelz verriet irgend etwas Verborgenes. Er mußte aus sehr reichem Hause sein! Sicher aus einer Millionärs-Familie. So einen Pelz tragen drüben nur Millionäre. Der Mann muß eine interessante Vergangenheit gehabt haben. Er muß einer der interessantesten Menschen gewesen sein, die je in dieses Kaffeehaus kamen. Ich bedauere sehr, daß ich ihn nicht näher kennen gelernt habe. So wurde Finkeistein, über den nie ein übriges Wort gesprochen worden war, mit einem Male nach seinem Verschwinden der Held des Kaffeehauses ... Das ging so kurze Zeit, bis eine neue Sensation kam und Finkeistein wieder vergessen wurde. Sein Name wird nicht mehr genannt, und wenn ein Blick das Tischchen im Winkel trifft, an dem er saß, bemerkt niemand mehr, daß etwas fehlt. Nur wenn irgend einmal am alten Stammtisch die Rede auf Pelzwerk kommt, taucht Finkeisteins Pelz in der Erinnerung auf. Was für eine Pelzsorte mochte das wohl sein? Biber oder persisches Lammfell? — fragt ein Neugieriger aus der Runde. Durch seinen Pelz ist es Finkeistein beschieden, noch dann und wann am Stammtisch genannt zu werden. Wohin ist wohl der Mann verschwunden, dieser Finkeistein? Es ist sonderbar, da war ein Mensch, und der ist verloren gegangen — sagt ein anderer. Verloren gegangen — stimmt der Doktor zu und streifte die Asche seiner Zigarre ab. (Aus dem 'Jüdischen übertragen von S. S.) * Grotesken aus der amerikanischjüdischen Assimilation Die Sucht mancher aus Osteuropa eingewanderter Juden, in Amerika sich expreß zu amerikanisieren und auch äußerlich ihren ostjüdischen Ursprung vergessen zu machen, führt manchmal zu den groteskesten Szenen. So ereignete es sich, wie uns aus Neuyork geschrieben wird, vor kurzem, daß ein Jude mit dem Familiennamen Lewy (sprich Liwai) bei Gericht erschien und bat, seinen Familiennamen auf Leroy ändern zu dürfen. Mister Liwai hatte aber das Pech, gerade vor den Richter am Obersten Gerichtshof des Staates Neuyork Aron Lewy (sprich Liwai) geraten zu sein. Nun entspann sich folgender Dialog: „Weshalb wollen Sie, Mr. Lewy, nicht mehr Lewy heißen?“ Nr.;2 „Ich bin Elektrotechniker, und in meinem Berufe ist der prononciert jüdische Name Lewy ein schweres Hindernis für mein wirtschaftliches Fortkommen. Ich bin ein tüchtiger anerkannter Handwerker und Fachmann und ich bin es mir und meiner Familie schuldig, das einzige Hindernis einer sicheren Karriere, meinen Familiennamen, aus der Welt zu schaffen und ihn durch einen weniger anstößigen, wie zum Beispiel Leroy, zu ersetzen.“ Nun hielt Richter Aron Leway dem kleinen Elektrotechniker Lewy ein strenges Privatissimum über Ehre und Charakterfestigkeit, das sich dieser sicherlich für sein ganzes Leben lang merken wird. In der Entscheidung des Richters stellt dieser zunächst fest, daß Lewy ein Name ist, der jeden, der ihn trägt, mit Stolz erfüllen kann. „Da jedoch Mr. Lewy mit aller Gewalt diesem Namen entrinnen will, so beweist er, daß er ein Feigling, ein kleiner Mensch ohne Mut und Selbstvertrauen ist, da Charakter und Mut notwendig seien, um Einflüsse zu bekämpfen, die der Bosheit und dem Vorurteil entspringen. Es ist kein Zweifel, daß Mr. Lewy die in der Bibel festgehaltene Tatsache nicht kennt, daß der Stamm Lewy sich niemals vor dem goldenen Kalb gebückt hat. Da aber Mr. Lewy mit seinem Ansuchen bekundet, welch einen Charakter er besitzt, so erfülle ich sein Ansuchen, damit sein Volk seiner loswerde.“ Zu dem Kapitel der Amerikanisierung jüdischer Namen erzählt der Neuyorker Korrespondent des „Moment“ einige lustige Fälle. So unter anderem, daß er in Kanada einen Juden kennengelernt habe, der „Reverend“ und Mohel war, und Wolf Shakespeare hieß. Tatsächlich stand auf seiner Visitkarte: „Wolf Shakespeare, Reverend, Mohel und Trauungsvollzieher (Messader Kiduschimb“ Auf die Frage, wie er zu diesem Namen komme, erzählte Reverend Shakespeare, daß er ursprünglich Wolf Schächter hieß. Als er nach Kanada kam, nannte er sich zunächst William anstatt Wolf. In dem Städtchen, in dem er in den ersten Jahren nach seiner Einwanderung wohnte, wurde er von der Bevölkerung, offenbar auch wegen des Gleichklanges bei der englischen Aussprache des Namens Schächter, scherzweise Shakespeare genannt, so daß er überhaupt nur unter dem Namen Shakespeare bekannt war. Schließlich adoptierte er auch selbst diesen Namen, wobei jedoch wieder der ursprüngliche Vorname Wolf hervorgeholt wurde. Es ist begreiflich, daß diese wilde Hast eingewanderter Juden, in ihren Namen als hundertprozentige Amerikaner zu gelten, eine ganze Flut von Volkswitzen zur Folge hat. So wird auch die folgende Anekdote erzählt: In einem amerikanischen Städtchen wendet sich ein Mr. Cohen an das Gericht mit dem Ersuchen, seinen Namen in Murphey ändern zu dürfen. Auf die Frage des Richters, was ihn hierzu bewege, antwortet Mr. Cohen, er habe sein Geschäft in einer fast durchwegs christlichen Gegend und die Christen wollen bei einem Cohen nicht einkaufen. Der Richter erfüllt das Ansuchen. Ein Jahr später erscheint derselbe Jude vor demselben Richter mit der Bitte, nunmehr seinen Namen auf Maocurty ändern zu dürfen. Erstaunt fragt nun der Richter, warum er auf einmal auch an dem echtamerikanischen Namen Murphey keinen Gefallen mehr finde? „Mir gefällt er schon,“ antwortet traurig Mr. Murphey recte Cohen, „aber ... so oft ein christlicher Kunde in meinen Laden kommt und mich anschaut, fragt er mich immer: Mr. Murphey, wie hießen Sie eigentlich früher .. .?“

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