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Das jüdische Echo · 1928-06-22 · 25 (22.6.1928) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
25 (22.6.1928)
Date
1928-06-22
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 25 22. Juni 15. Jahrgang Die Tagung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden in Bamberg am 17. und 18. Juni 1928 i. Die Bamberger Tagung hat keinerlei Sensationen gebracht, weder innerhalbnoch außerhalb des Sitzungssaales. Selbst dem Versuche eines Dutzends von Hakenkreuzlerjiinglingen, die sich am Sonntag vormittags vor der Residenz aufgepflanzt hatten, die Teilnehmer der Eröffnungssitzung durch wüstes Johlen und Lachen sowie auch durch vereinzelte Anrempelungen von der Höhe ihrer Kultur zu überzeugen, war keinerlei Echo beschieden. Und so haben denn die Vertreter der bayerischen Judenheit auf ihrer jetzt schon zur Selbstverständlichkeit im jüdischen Leben unseres Landes gewordenen alljährlichen Frühjahrstagung auch diesmal den bewährten Weg praktischer Arbeit fortgesetzt, haben in rein sachlichen Beratungen, die aber bis zum Schluß von der Feierstimmung der Eröffnungssitzung überstrahlt waren, unter ein weiteres Stück der unermüdlichen Arbeit ihrer Führer, das Siegel ihrer Zustimmung gedrückt. Wenn hier und da die Befürchtung laut wurde, daß die Arbeit des Verbandes sich allzusehr ins Organisatorische verliere und der Wunsch erklang, daß diese Anfangsstufe der Entwicklung durch eine Periode abgelöst werde, in der die bisher geschaffenen Formen mit Leben auszufüllen seien, so zeigt dies deutlich, daß das Parlament der bayerischen Juden sich auch seiner eigenen Arbeit gegenüber stets die Weite des Blicks bewahrt, die vor Erstarrung und Verknöcherung schützt. Daß aber die Besorgnis unbegründet ist, der lebendige Geist werde durch Paragraphen und Organisationsformen erstickt, hat der Verlauf der Tagung bewiesen, die von der erhebenden Festsitzung an auf einer beträchtlichen geistigen Höhe stand und trotz aller Einigkeit in den praktischen Zielen doch den Gegensatz der Weltanschauungen nicht verdeckte, der dem jüdischen Leben der Gegenwart das Gepräge gibt. Und der Eindruck, der von dieser Tagung haften bleibt, ist der, daß die Sorge für die Bedürfnisse der bayerischen Judenheit in guten Händen liegt, daß der Verband an äußerer Entfaltung, aber auch an innerer Entwicklung ruhig und stetig fortschreitet. Als hervorstechendstes sachliches Ergebnis aber wird von dieser Bamberger Tagung von 1928 der Beschluß denkwikdig bleiben, der die Zustimmung zur Gründung eines Reichsverbandes der deutschen Juden ausspricht. II. Wohl selten hat eine jüdische Körperschaft für den feierlichen Beginn ihrer Arbeit einen so würdigen und stimmungsvollen Rahmen gefunden, wie ihn der Kaisersaal der Bamberger Residenz darstellt, in dem um die Mittagsstunde des 17. Juni 1928 der Vorsitzende der Tagung, Rat am Bayerischen Obersten Landesgericht Prof. Dr. Silberschmidt, die diesjährige Versammlung der Verbandskörperschaften eröffnte. Nachdem das einleitende Harmoniumspiel verklungen war, begrüßte er die fast vollzählig erschienenen Mitglieder der Tagung und des Rates, gedachte in ehrenden Worten der seit der letzten Versammlung Verstorbenen und insbesondere des Verlustes von RA. Dr. Silberschmidt (Kissingen), dem stellvertretenden Vorsitzenden der Tagung, und von Oberlehrer Simon Dingfelder (München), der nur wenige Tage vor der Versammlung, an deren Vorbereitungen er intensiv mitgearbeitet und auf der er ein Referat übernommen hatte, plötzlich dahingerafft wurde. Daran anschließend übermittelte er dem 2. Vorsitzenden des Rates, Rabbiner Dr. Freudenthal (Nürnberg), die Glückwünsche der Tagung zum 60. Geburtstage und schloß mit herzlicher Begrüßung der anwesenden Vertreter der Staats- und Stadtbehörden. Von diesen begrüßte Min.-Rat Metzger die Versammlung im Namen des Kultusministeriums, Ob.-Reg.-Rat Frhr. v. Crailsheim als Vertreter der Kreisregierung von Oberfranken, und Oberbürgermeister Weegmann als Oberhaupt der Stadt Bamberg. Der Vorsitzende der Kultusgemeinde Bamberg, Geh. Justizrat Dr. Werner, begrüßte die Verbandskörperschaften als Gäste der Kultusgemeinde, gab seiner Freude über die Wahl Bambergs als Tagungsort Ausdruck und erinnerte in Verbindung mit dem an die Krongutsverwaltung für die Überlassung des Saales gerichteten Dank an die edle Gestalt des Erbauers dieses Schlosses, des Fürstbischofs Franz Lothar v. Schönborn, der sich in bemerkenswerter Weise für die Juden eingesetzt habe. Endlich gedachte er der gerade im Fürstbistum Bamberg mehrfach vorgekommenen Zusammenschlüsse von Judengemeinden zu einem Verbände, deren letzter durch die Gesetzgebung der Emanzipationszeit aufgelöst wurde, bis ihm im Bayerischen Verbände ein größerer Nachfolger erstand. Nach Dankesworten des Vorsitzenden der Tagung für die Begrüßungen wurde als Nachfolger des verstorbenen Dr. Silberschmidt (Kissingen), Rabbiner Dr. Wohlgemuth zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Im Mittelpunkt der Festsitzung stand die von jugendlichem Feuer und heiligem Ernst durchglühte, aus den tiefsten Quellen jüdischer Lehre und jüdischer Geschichte geschöpfte Darstellung, die der Rabbiner der Bamberger Gemeinde, Dr. Rülf, von der „Gläubigkeit des jüdischen Menschen“ gab. In Worten, die die Versammlung sichtlich bewegten, schilderte er die verschiedenen Stufen der Durchdrungenheit des Menschen von der göttlichen Wahrheit, von der Stufe der Bereitschaft für Gott und seine Gebote, über die der Großteil nie hinauskommt, aufsteigend zur Stufe der Gotteskämpfer, die für die Verwirklichung der erkannten Warheit alles, selbst das Leben einsetzen, und schließlich zu den wenigen Auserwählten, die über den'Kampf mit dem eigenen Innern und mit der Umwelt hinausgelangt sind zum Frieden in Gott. Mit einem wunderbar

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