Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 22 (1.6.1928)
- Date
- 1928-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Das jüdische Echo Nummer 22 1. Juni 15. Jahrgang Der XXII. Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Breslau, 28. Mai. (JTA.) Am Sonntag, dem 27. Mai, wurde in Breslau der XXII. Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland in Anwesenheit der Mitglieder des Geschäftsführenden Ausschusses und des Landesvorstandes, sowie 108 Delegierter aus allen deutschen Ländern und zahlreicher Gäste feierlich eröffnet. Die Eröffnungssitzung wurde im festlich geschmückten Gewerkschaftshause abgehalten. Es erschienen zu derselben Vertreter der Regierung, der Stadt Breslau, des Polizeipräsidiums, der Jüdischen Gemeinde und des Rabbinats. Die Eröffnungsrede hielt der Präsident der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Herr Kurt Blumenfeld, der den Zionismus als den Sinn des Judentums definierte. Er begrüßte die Delegierten und die Gäste, unter ihnen Vertreter der zionistischen Organisationen Österreichs und der Tschechoslowakei, woraufhin der Vizepräsident der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Dr. Martin Rosenblüth, Begrüßungsdepeschen fast aller zionistischer Verbände der Welt, sowie des Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation, Dr. Chaim Weizmann, des Präsidenten der Zionistischen Exekutive, Nahum Sokolow, und des Vorsitzenden des Keren Hajessod, Dr. Hantke, verlas. Weizmann telegraphierte: „Zu meinem großen Bedauern kann ich nicht persönlich an Ihrer Tagung teilnehmen. Ich möchte jedoch, wenn ich Ihre Tagung begrüße, zunächst der schönen Tage gedenken, die ich in diesem Jahre mit den deutschen Zionisten in gemeinsamer Arbeit verbrächt habe. Ich möchte nochmals meinen Dank für die herzliche und brüderliche Aufnahme, die mir überall in Deutschland zuteil geworden ist, zum Ausdruck bringen. Das hohe geistige Niveau und die gesunde Grundlage des deutschen Zionismus haben auf mich einen tiefen Eindruck gemacht, und ich bin überzeugt, daß die von ihm ausgehende belebende Kraft eine ständige aufsteigende Entwicklung der moralischen und materiellen Energien zur Folge haben wird. Unsere Bewegung steht heute am Vorabend einer neuen Periode. Ich kann, nicht ohne eine gewisse Befriedigung, heute darauf hinweisen, daß wir die Hauptschwierigkeiten der Krise überwunden haben, dank unserer eigenen Selbstbeherrschung, aber auch dank der bewundernswerten Ausdauer und Initiative unserer Arbeiterschaft, sowie dem Selbstvertrauen des Jischuw und der Hilfe der Regierung. Die Aufgabe, die jetzt vor uns liegt, ist eine sorgfältige Vorbereitung des Bodens für neue produktive Tätigkeit auf einer gesunden Basis in einem größeren Ausmaß; wir müssen zunächst fortfahren in der Konsolidierung unserer Finanzen und unserer Kolonisation, gestützt aufden Rat der Experten und den Beistand der Jewish-Agency-Kommission, die demnächst in London Zusammentritt. Die Exekutive ist mit allem Nachdruck bemüht, den Beginn einer Periode neuer schöpferischer Arbeit zu beschleunigen, indem sie neue finanzielle Quellen auf Grund systematischer Wirtschaftspläne zu erschließen sucht und zugleich unsere politische Position befestigt. Ich bin überzeugt, daß der Ruf zu erneuter Anstrengung auf allen Gebieten eine adäquate Antwort bei den deutschen Zionisten finden wird. Es ist mir schließlich ein Bedürfnis, meiner besonderen hohen Wertschätzung für Blumenfelds Führerschaft und ihre Erfolge Ausdruck zu geben. Schalom! Weizmann.“ Sokolow telegraphierte aus Paris: „Durch wichtige Besprechungen mit unseren Freunden vom Komitee France-Palestine in Paris festgehalten, bin ich verhindert, Ihrer Einladung, der ich so gern entsprochen hätte, zu folgen. In mehrfacher Unterhaltung mit Herrn Vandervelde, der hier einen begeisterten und begeisternden Bericht über seine Reise durch das jüdische Palästina erstattet hat, konnte ich wiederum feststellen, welch tiefen Eindruck unser Werk durch seine menschlich und jüdisch erhabenen Tendenzen auf gerecht und vornehm denkende Repräsentanten der Kulturmenschheit übt. Nehmen Sie zu Ihrer Tagung meine besten Wünsche entgegen. Die Organisation der deutschen Zionisten bedeutet für unsere Sache einen Stützpunkt, dessen Wert in der ganzen zionistischen Welt anerkannt wird. Schalom. Sokolow.“ Aus Südafrika telegraphierte Dr. Olsvanger, daß die bisherige Keren-Hajessod-Kampagne in der südafrikanischen Union rund 80 000 Pfund Sterling erbracht hat. Regierungsrat Langenhagen beglückwünschte den Delegiertentag im Namen der Regierung und führte aus, daß der Aufbau Palästinas Zielsicherheit und Geduld erfordert und daß die von den Zionisten entwickelte Energie und die von ihnen gemachten Anstrengungen die Anerkennung und die Billigung aller verdienen. Der Vertreter der Stadt Breslau, Stadtrat Zigon, überbrachte die Grüße des Oberbürgermeisters und des Magistrats und sprach den Wunsch aus, daß der Delegiertentag einen Schritt vorwärts bedeuten möge zum Heile des Judentums und der Menschheit. Geheimrat Dr. Goldfeld begrüßte im Namen der Synagogengemeinde Breslau und des Bezirksverbandes der jüdischen Gemeinden Niederschlesiens den Delegiertentag mit herzlichen Worten und stellte fest, daß die Zionisten, obwohl sie eine Minderheit im deutschen Judentum darstellen, das Verdienst für sich in Anspruch nehmen können, das Interesse für das Judentum neu geweckt zu haben. Kurt Blumenfeld dankte Dr. Goldfeld für seine Worte und erinnerte an den Ausspruch Dr. Leo Baecks, daß die Juden als Minderheit immer gezwungen gewesen waren, nachzudenken. (Lang anhaltender Beifall.) Rabbiner Dr. Hoffmann, der die Weiherede •hielt, erinnerte daran, daß heute „Issu r chag“ sei, der Tag, an dem Israel, wie es in der Bibel heiJBt, vor dem Berge lagerte, wo Göttliches zu ihm sprach. Der Zionismus, sagte er, betone in der stärksten Weise den Gedanken von „Klal Jisrael“. Zion bedeutete im Altertum Freude, im Mittelalter Klage, im Zeitalter der Emanzipation war es ein verblaßtes Symbol, durch den Zionismus erhielt es wieder lebendigen Inhalt. Gustav Finzi (Troppau) überbrachte die Grüße der tschechoslowakischen zionistischen Organisation und des mährischen Ge-