Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 16 (20.4.1928)
- Date
- 1928-04-20
- Page
- Seite 252 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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252 _Das Jüdische Echo Nr. 1 b Das Moskauer jüdische akademische Theater in Berlin Berlin, 13. April. (JTA.) Am Mittwoch, dem 11. April, begann das von Alexis Granowsky geführte Moskauer jüdische akademische Theater sein Berliner Gastspiel im Theater des Westens mit der Aufführung der Musikalischen Komödie „200.000“ frei nach Scholom-Aleichem. Bearbeitung und Regie: Alexis Granowsky; Musik: Leo Pulwer. Der große Theatersaal war von Angehörigen der verschiedensten Gesellschaftsschichten Berlins besetzt. Ein großer Teil des Publikums feierte die Darsteller, insbesondere Alexis Granowsky und den Hauptdarsteller Michoels durch rauschenden Beifall und rief sie oft vor die Rampe, während der Rest des Publikums sich reserviert verhielt. Die Aufnahme in der Presse ist zum großen Teil enthusiastisch. Alfred Kerr schreibt im „Berliner Tageblatt“: „In summa: für die Kenntnis von allerhand Möglichkeiten der Bühnenkunst ist hier ein prachtvolles und absonderliches Beispiel. Drei, vier, fünf Gattungen verwebt. Wort, Sang, Hupf, Bild, Ethnologie. Gestuft bis ins letzte. Klappend. Kein toter Punkt am ganzen Abend. Nicht eine Sekunde lassen sie locker, Sprechstück, Singstück; auch Wurstelprater; commcdia dell’ arte; dazwischen Tempelklang; Puppenbühne; Variete; fast Clownzirkus . . . und Menschlichkeit. Wunderbar.“ In der „Vossischen Zeitung“ schreibt Monty Jacobs: „Die Habimah auf lustig. Alexis Granowsky, der Leiter des Ensembles, das gestern mit so viel Glück die Europa-Reise antrat, wird diesen Vergleich wahrscheinlich ablehnen. Er kann sich ja auch auf die Verschiedenheit der Sprache berufen: die Habimah spricht hebräisch, seine Truppe jiddisch. Aber es ist die gleiche Besessenheit, der gleiche furor judaicus, die gleiche elektrisierende Hingabe der Schauspieler an ihr Werk. Ein Spiel, das den Zuschauer von seinem Sitz aufreißt, hinein in den Rhythmus der Leute da oben auf der Bühne.“ Der Kritiker des „Lokal-Anzeigers“ nennt die Moral des Stückes, daß die reichen Leute böse und die armen Leute gut sind, „primitiv“ und faßt seine Eindrücke wie folgt zusammen: „Längen, Übertreibungen, Unverständlichkeiten, Geschmacklosigkeiten. Die Personen teils Marionetten in häßlichster Karikatur (die bösen Reichen), teils naturalistisch geschaute, aber expressionistisch verzeichnete Gestalten mit stilisiert übersteigerten Gesten.“ Max Hochdorf im „Vorwärts“: „Man sah vorläufig mehr Kunststücke als Kunst, mehr Dressur als guten Geschmack, mehr Clownerie und Zirkus als Theater.“ Besondere Erwähnung verdient noch eine Kritik, die der „Jüdisch-Liberalen Zeitung“. Nicht etwa, weil der Referent, Herr Walter Loewenstein, außerordentliches Verständnis für die gewiß auch angreifbare Kunst dieser jüdischen Schauspieler besäße, sondern weil sich in seinen Betrachtungen wieder einmal diejenige Geisteshaltung dokumentiert, die wir seit Achad Haam „Innere Knechtschaft bei äußerer Freiheit“ zu nennen gewohnt sind. Herr Löwenstein schreibt u. a.: „Als der Erfolg des jiddischen Neuyork vor kurzem bei Reinhardt in den Berliner Kammerspielen gezeigt wurde, schrieb ich hier, daß uns die Problematik dieser Ghettojuden nicht tangiert. Uns ist die Möglichkeit einer Synthese von modernem Leben und jüdischer Religiosität Gewißheit. Und wenn nun hier wieder in dem Stück von Scholom-Aleichem gezeigt wird, die armen Juden hui, die reichen Juden pfui, so wissen wir, daß diese primitive Ghettoauffassung mit der fortschreitenden Emanzipation, die auch das Ostjudentum jetzt durchlebt, verschwinden wird. Alles in allem: ein unerfreulicher Abend. Nicht nur, weil füruns das Jiddisch keine Sprache der Kunst ist (Sperrung von uns. Red.), sondern auch, weil uns der Inhalt des Stückes und die Darstellung nicht selten anwidert. In einer Pause hörte ich von einem der zum Glück nicht eben zahlreichen nichtjüdischen Theaterbesucher einen Ausdruck der Bewunderung darüber, wie diese jüdische Truppe die jüdischen Schwächen darzustellen vermag. Nur gut, daß diese Schwächen nur in der Phantasie der Ghettojuden und der Nichtjuden bestehen.“ Ob Herr Löwenstein den Gebrauch der jiddischen Sprache verbieten möchte? Ein Kommentar zu dieser Leistung erübrigt sich. Gemeinden-u.Vereins-Kcho Abschluss der Münchner Keren- Haj es sod-Aktion Wie wir nach Schluß der Redaktion erfahren, wird der Präsident des deutschen Keren Hajessod, Herr Direktor Oskar Wassermann, bestimmt an der Veranstaltung vom 26. April im Cherubinsaal, für die Herr Dr. Martin B u b e r als Referent vorgesehen ist, teilnehmen und auch selbst das Wort ergreifen. Da Herr Wassermann noch am selben Abend Weiterreisen muß, wurde der Beginn der Veranstaltung auf 8 U h r verlegt. Karten zu dieser Veranstaltung sind bis zum 25. April nur im Büro des Keren Hajessod, Herzog-Rudolf-Straße L nachmittags von 3—6 Uhr zu haben. Hebräische Sprachkurse München. S o m mersemester 192 8. Das Sommersemester beginnt Montag, den 23. April. Sämtliche bestehenden Kurse werden fortgesetzt, außerdem werden Neuanmeldungen für einen Anfänger- und Kinderkurs (letzterer soll jeden Mittwoch nachmittag stattfinden) entgegengenommen. Alle diejenigen, die die Absicht haben, an diesen Kursen teilzunehmen, werden gebeten, sich, im Kurslokal, Herzog-Rudolf-Straße 1, anzumelden. (Telephon 297 449.) Der Stundenplan bleibt vorderhand der gleiche wie im vergangenen Semester. Jüdischer Kulturverein J. L. Perez, München. Heute, Samstag, den 21. April 1928, findet in unserem Vereinslokal, Herzog-Rudolf-Straße 1, Parterre (Lessingsaal), eine Unterhaltung über junge jüdische Maler, die für die moderne Kunstrichtung maßgebend sind, statt. Einleitung: Herr Schneuer jun. Beginn: 8.45 Uhr abends. Die Vorstandschaft. Schachklub „Lasker“, München. Regelmäßiger Schachabend ist Mittwoch ab 8 Uhr im Restaurant „Herzog Heinrich“, Ecke Landwehr- und Mathildenstraße. Gäste sind jederzeit willkommen. Die Vorstandschaft. Bar-Kochba, Leichtathletik-Abteilung. Morgen, vormittag halb 11 Uhr, findet auf dem Sportplatz an der Säbenerstraße das Rückspiel gegen Postsportverein I statt, das wir mit folgender Mannschaft bestreiten: Kornhauser Jos. Levite Kornhauser Otto Finkei Schuster Felsen Fleischer Hellfeld Schneuer Goldstern Gröbel