Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 12 (23.3.1928)
- Date
- 1928-03-23
- Page
- Seite 190 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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190 Das Jüdische Echo Nr. 12 Inzwischen beobachtete Korälek auf dem Hofe im Kreise der Kinder den Himmel. Plötzlich rief er freudig: „Dort! Der erste Stern!“ Und schon stand alles in der Stube um den runden Tisch, um das Schlußgebet des Samstags zu sprechen. Der Korälek war es, als hätte man ein Messer in ihre Brust gestoßen. Schon hielt der Jüngste die angezündete Kerze. Korälek sprach mit zitternder Stimme das Gebet. Dann entzündete er die wochentägliche Lampe und nun folgten einige tödlich lange Augenblicke. Es waren nur wenige Minuten, aber ihnen schienen sie eine Ewigkeit zu währen. Da wartet schon die alte Jandourek mit dem Topf für das Blut, und Adler-Endlich! An der Schwelle waren Schritte hörbar und Adler betrat die Stube. Die Korälek umfängt fast die Ohnmacht. Wie im Traum sieht sie die Vorbereitungen zum Schlachten treffen. Loisl und Eda stehen jeder mit einer brennenden Kerze an der Schwelle. Korälek schüttet ein Handvoll Asche auf den Boden. Und schon hebt die Jandourek den Gänserich aus dem Verschlage. Die Korälek weiß nicht, ob er lebendig oder tot ist. Es verschwimmt ihr alles vor den Augen. Die Jandourek hält den Gänserich mit dem Bauch aufwärts, Adler spannt ihm den Hals, seine Lippen murmeln einen Segensspruch, die Jandourek hält ihr Töpferl hin, das Messer blitzt im matten Schein der Kerzen — und ein Strom warmen Blutes schießt in den vorgehaltenen Topf. Der Topf wird rasch voll, das Blut darin schäumt rot und Adler läßt den Gänserich sinken. Er fällt schwer zu Boden und im Todeskampf schwirren noch seine beiden Flügel. Adler fuhr mit dem Zeigefingernagel seiner Rechten über die Schärfe des Messers und sprach: „Koscher, jeder Rabbiner kann ihn essen.“ Und die Korälek wankt zurück in die Stube, sinkt dort auf eine Bank und weint — weint vor Freude. Gemeindenu.Vereins-Echo Jüdischer Jugendverein, München. Nach monatelanger ernster Arbeit bringt unsere dramat. Spielgruppe am Dienstag, dem 27. März 1928, abends 8.30 Uhr, im Cherubinsaal des Hotels Vier Jahreszeiten das Lustspiel von G. Büchner: „Leonce und Lena“ zur Aufführung. Karten sind im Vorverkauf in der Ewer- Buchhandlung, Ottostraße 2, zu haben. (S. Inserat.) Wir bitten jeden, diesen genußreichen Abend nicht zu versäumen. Die Freitag-Abende erfahren durch die Pesachfeiertage eine Unterbrechung. Freitag, den 30. März, letzter Abend. Nächster Abend am 13. April um 9 Uhr, Herzog-Max-Straße 5, Rückgeb., I. St. Die Donnerstag-Abende sind weiterhin in unserem Heim, St.-Anna-Straße 6, pt. Bar-Kochba. Um die Mitgliederbeiträge rascher und bequemer hereinzubringen, haben wir unter der Nummer 8294 ein eigenes Postscheckkonto eröffnet. Allen Mitgliedern, die nicht auf dem Turnboden erscheinen, ließen wir bereits die erste Zahlkarte zugehen; dabei ersuchen wir um Miteinsendung der Rückstände aus Dezember, Januar und Februar. Künftighin wird jedem Mitglied, soweit es nicht auf den Turnboden kommt, jeden Monat eine Zahlkarte zur Verfügung gestellt; wir bitten um pünktliche Beachtung. Nach einer Revidierung unserer Mitgliederliste stellen wir folgenden Mitgliederstand fest: 50 Herren, 57 Damen, 43 Jugendliche. Künftighin werden wir allmonatlich über unsere Mitgliederbewegung berichten. Wir hoffen, daß der nächste Ausweis durch eifrige Werbung bereits ein anderes Gesicht bekommt. Es wird uns der Sport-Palast, Kolosseumstraße, für einen Abend der Woche zur Verfügung gestellt. Zur Verfügung stehen: Allerbeste Lehrkraft, sämtliche Geräte, Bäder, Erfrischungsraum. Ubungsmöglichkeit besteht nur für Herren. Interessenten wollen sich wegen näherer Information sofort bei Friedländer, Maffeistraße 14, melden; die Kosten sind außerordentlich gering. Wir hatten neuerdings den Besuch des Präsidiums-Mitgliedes aus Berlin, Herrn Dr. Kottier, der sich in aufopfernder Weise um uns bemühte. Wir danken ihm auch an dieser Stelle für seine große Mühe. Jüdischer Turn- und Sport-Verein Bar-Kochba München I. A.: Gustav Fiedländer. Bar-Kochba : Postsportverein 2:2 (1:1). Bar- Kochba mußte mit einigen Ersatzleuten antreten, die natürlich die Geschlossenheit beeinträchtigten. Zudem ließ der schlüpfrige Boden ein reguläres Spiel nicht zu. So kämpften beide Mannschaften, so gut es möglich war. Postsportverein hatte in der körperlichen Überlegenheit und dem genaueren Zuspiel ein Plus, trotzdem gelang es Bar- Kochba in der Mitte der ersten Halbzeit durch Saposchnik in Führung zu gehen; er mußte sich US Der neue AUSTRO-DAIMLER 6Cylinder,12/70PS Eine umwälzende Neukonstruktion Hirschbold K o m m. - G e s. Fernruf 51355 MÜNCHEN Sonnenstr.19