Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 8 (24.2.1928)
- Date
- 1928-02-24
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Das Jüdische Echo Nummer 8 24. Februar 15. Jahrgang Ein österreichisches Pro-Palästina-Komitee Der Aufbau der jüdischen Heimstätte in Palästina ist heute, in politischem Sinne genommen, historische Tatsache. Doch er bliebe bloßes politisches Moment, wenn ihm nicht gewissermaßen als moralische Hilfe die Sympathien in aller Welt zur Seite stünden. Daß das, was als Werk jüdischer Hände und jüdischen Geistes in dem schmalen Landstrich zwischen dem Mittelmeer und den Ufern des Jordan geschieht, immer mehr ins Bewußtsein der Welt dringe, ist eine der wichtigsten propagandistischen Aufgaben der zionistischen Bewegung, welche dieses Werk hervorgerufen hat. Auf diesem Gebiete ist man nun um einen wichtigen Schritt vorwärts gekommen. Für die Zusammenfassung der Sympathien und der Anteilnahme der verschiedenen Staaten und Völker an dem jüdischen Palästina-Werk haben sich in den einzelnen Ländern Pro-Palästina-Komitees gebildet; jetzt ist auch in Österreich ein solches Komitee entstanden. Die Konstituierung Die konstituierende Sitzung des Österreichischen Pro-Palästina-Komitees fand Donnerstag, den 16. d. M. nachmittags, im Festsaal des Hotels Imperial statt. Von den Mitgliedern des Komitees waren erschienen: Ministerpräsident a. D. Dr. Max Vladimir v. Beck, Vizekanzler a. D. Dr. Walter B r e i s k y, Präsident des Bundesamtes für Statistik, Industrieller Adolf Böhm, Botschafter Dr. Konstantin D u m b a; Rabbiner Dr. Feuchtw a n g, Hofrat Professor Dr. S. Frankfurter, Dr. Desider Friedmann, Ministerialrat Dr. Bernhard Fuchs, Dr. Leo Goldhammer, der Präsident der soziologischen Gesellschaft, Dr. Rudolf Goldscheid, Dr. N. M. Gelber, Hofrat Dr. Friedrich Hertz, Professor, Ing.-Arch. Klemens Holzmeister, bevollmächtigter Minister Dr. Emil Junker, der Vizepräsident der n. ö. Rechtsanwaltskammer Dr. Siegfried Kantor, Univ.-Prof. Hofrat Dr. Leon Kellner, Großindustrieller Ing. Johann Kremenetzky, Dr. Josef Löwenherz, Vizepräsident der Israelitischen Kultusgemeinde, bevollmächtigter Minister, Gesandter Eduard Ludwig, der Delegierte Österreichs beim Völkerbund Graf Albert Mensdorff- Pouilly-Dietrichstein, Gemeinderat Anton M a c h a t, Hofrat Prof. Dr. Josef Marx, Rektor der Akademie für Musik, Univ.-Prof. Dr. Eugen Oberhummer, General-Oberstabsarzt Prof. Dr. Pick, Univ.-Prof. Dr. Schlick, Dozent Dr. Friedrich Schreyvogel, Prof. Dr. Leo Strisowe r, Prof. Oskar S t r n a d , Rektor Magnificus Prof. Dr. Ziegler, Prof. Dr. Karl B e t h , Prof. Dr. S c h e y. Ferner gehören dem Pro-Palästina-Komitee folgende Mitglieder an, die ihr Fernbleiben von der konstituierenden Sitzung entschuldigt haben; Univ.-Prof. Dr. Siegm. Freud, Bundesminister a. D. Eduard Heini, Gen.-Sekr. für auswärtige Angelegenheiten Franz Peter, der Präsident der österr. Nationalbank, Univ.-Prof. Dr. Richard Reisch, Polizeipräsident Bundeskanzler a. D. Dr. Hans Schober, Sekt.-Chef Dr. Adolf Vetter, Franz Werfel, Hofrat Dr. Anton W i 1 d g a n s , Stefan Zweig. Der Verlauf der Sitzung Die Versammlung wurde namens des vorbereitenden Komitees vom Präsidenten Dr. Goldh a m m e r eröffnet. Dr. Goldhammer begrüßte die erschienenen Mitglieder des Komitees und legte in einer kurzen Ansprache den Zweck des Pro- Palästina-Komitees dar. Dr. Goldhammer verlas ferner ausführliche Begrüßungsschreiben des Bundesministers für Kultus und Unterricht Dr. Schmitz, des Präsidenten des reichsdeutschen Pro-Palästina-Komitees, Graf Bernstorff und des Vorsitzenden des französischen Pro-Palästina- Komitees, Senator Justin Godart, sowie des Präsidenten des italienischen Pro-Palästina-Komitees, Prinz Pietro Lanza di Scalea, die alle auf die Wichtigkeit der Förderung des jüdischen Aufbauwerkes in Palästina und dessen Bedeutung für den Ausbau der Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden hinwiesen. Von besonderem Interesse ist das Schreiben des Grafen Bernstorff, das folgenden Wortlaut hat: „Herr Präsident! Für die Einladung zu der konstituierenden Sitzung des österreichischen Komitees Pro Palästina sage ich Ihnen zugleich auch im Namen des Präsidiums des Deutschen Komitees Pro Palästina den allerherzlichsten Dank. Der Gedanke des Völkerbundes ist aufs engste mit der Ideenwelt der jüdischen Palästinasiedlung verknüpft. Gerechtigkeit und das Gefühl für das Lebensbedürfnis unterdrückter Gruppen hat dazu geführt, daß wir mit gleichem Interesse die Entwicklung der großen und der kleinen Völker verfolgen und daß wir mit Ernst und Verantwortungsgefühl an der Lösung aller mit der Idee des Völkerbundes zusammenhängenden Fragen arbeiten. ln genialer Form wird die Balfour-Deklaration den Bedürfnissen der Juden und den menschlichen Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden gerecht. Sie proklamiert durch Errichtung einer jüdisch-nationalen Heimstätte in Palästina die Voraussetzung für eine Erneuerung jüdischen Lebens und sie schafft gleichzeitig Vorsorge dafür, daß aus diesem Streben der Juden nach politischem und kulturellem Eigenleben keinerlei Nachteil für die Stellung der Juden in der Welt hervorgehen darf. Handlungen und nicht Gesinnungen unterstehen dem Urteil der öffentlichen Politik. Die Bedeutung der Mitarbeit aller Völker an der Verwirklichung der im Palästinamandat zugesicherten jüdischen Rechte ist meines Erachtens in einem hohen Maße erziehlich. An Stelle des Kampfes um Worte tritt die von vereinten Kräften geförderte Tat. Mit lebhaftestem Interesse begleiten wir die von idealistischer Leidenschaft getragene Lebensarbeit der jüdischen Siedler in Palästina und wir beob-