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Das jüdische Echo · 1928-02-17 · 7 (17.2.1928) · p. Seite 109

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
7 (17.2.1928)
Date
1928-02-17
Page
Seite 109 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 7 Das Jüdische Echo / Literarische Beilage 109 . im Hause Jethros sein Volk. Mit dem Bewußtsein seiner Zugehörigkeit zum Volk der Hebräer beginnt sein Werk; er kehrt nach Ägypten zurück, um die dortigen Juden zu befreien. Sie folgen ihm alle,; ob arm ob reich; in endlosem Zug führt er sie aus; Ägypten. I Der Verfasser versucht sich auch mit dem Proi blem des Antisemitismus auseinanderzusetzen, wobei es nicht an Bemerkungen fehlt, wie sie in jedem antisemitischen Hetzblatt zu finden sind; man | merkt zwar deutlich sein Bestreben, gerecht zu sein, muß aber feststellen, daß ihm dies nur . sehr teilweise gelungen ist. Das geschmackvoll ausgestattete Buch ist erschienen bei Gg. Westermann, Braunschweig; Berlin; Hamburg. M. L. Kurt Münzer: Jude ans Kreuz! R. L o e w i t. Ein sicherlich großes Erzählertalent von einem großen Sujet: Die Judenfrage als Menschheitsfrage. Aus | viel Erfahrung und allzuviel Gefühl wird das nun gestaltet, aufgebaut auf der Grundidee: Mission _ des Juden sei es, die Menschheit durch Liebe zu * erlösen. Ähnlich wie Dostojewskis „Idiot“ lebt dieser Sendung ein in die Gegenwart verschlagener Heiland, unbewußt und aus Natur ein göttlicher Helfer, realiter ein musikbesessener dann lebenssüchtiger jüdischer Geiger. Aber viel mehr als bei dem großen Russen wirkt hier ein zu heftiger Gefühlsüberschwang störend, und viele Stellen erin- I nern an kitschigste, ewig und „gott-suchende“ Wandervogelliteratur. (Prellwitz usw.) Was aber; bleibt, ist das Mitreißende des Tempos, der leben- : dige Eindruck farbigster Bilder und einige gute Gedanken. Den Psychologen beunruhigt nur die seelische Quelle dieses Buches: das ewige Be-!. drücktsein kompensiert sich durch eine metaphy- : sische Verklärung des Juden, und die Unfähigkeit zur Tat, die doch auch sehr geistbestimmt sein könnte, schafft Missionsideen von so hoher Per- L spektive, daß sie durch ihre zu erhabene Größe 1 ins Nicht-Verpflichtende sinken. Abgesehen davon ist es ein sehr interessantes i Buch, als Lektüre wie als Dokument. Manche, vor allem Jugendliche, wird es sicher ergreifen. I Manfred Heß. Prof. Julius Goldstein: Deutsche Volksidee und deutsch-völkische Idee. Philo-Verlag. Diese Schrift I versucht die Volksidee gegenüber der völkischen Idee als richtig zu beweisen, und damit die subjektive Volkstheorie gegenüber der objektiven. Insbesondere richtetsich ihre Polemik gegen Stapels „Antisemitismus?“, wobei Fichte und sein von den Völkischen mißverstandener Volksbegriff Hauptgegenstand der Erörterung ist. ■ Abgesehen von vielen zweifellos richtigen Bemerkungen gewinnt man doch den Eindruck, daß Goldstein etwas zu geflissentlich die Kräfte des Blutes und der Abstammung vernachlässigend, die I psychischen und geistigen Faktoren überbetont und dabei die Problematik, ja oft Tragik, deutsch-jüdi- IHG. G. AIGNER’S PRIVATE KRAFTFAHRKURSE gegründet 1913 * Gabelsbergersftr. 62 / Telephon 51314 ■ Straßenbahnhaltestelle: Kreuzung Augusten-Gabelsbergerstraße der Linien 2, 7, 17; — garantieren als alteingeführtes Unternehmen mit 5 besten Referenzen für vollkommene Qualitäts-Ausbildung scher Zwischenstellung eben deshalb viel zu leicht übergeht. Wie überhaupt das Buch wohl viel Wissen verwertet, aber nie in das Reich schöpferischer Gedanken vorstößt, sondern, die wahrhaft entscheidenden und letzten Fragen umgehend, Lösungen bietet, die einen Geist, der nach eindeutiger ideelicher Klärung sucht, absolut nicht befriedigen. M. H. Jean-Richard Bloch, Kurdische Nächte, Rotapfel- Verlag, Leipzig-Zürich. Der Autor, der in der Vorrede ein glühendes Bekenntnis zum jüdischen Volk und zur Urheimat seiner Rasse ablegt, wurzelt doch mit allen Fasern im französischen Schrifttum. Blutgetränkter als Flauberts Salambo, grobsinnlicher als Maupassants Erzählungen fehlt ihnen die Ursprünglichkeit und Monumentalität, die die Werke dieser Meister auszeichnet. Diese primitiven Orientalen, kurdische Räuber und Frauenschänder meditieren, als wenn sie zumindesten eine Volksausgabe von Freud gelesen hätten. Trotzalledem fühlt man, daß Bloch eine nicht alltägliche Begabung besitzt, die eine Beachtung seiner Werke wohl wert erscheinen läßt. Die Übertragung kann ohne Übertreibung als meisterhaft bezeichnet werden. L. S. Georges Duhamel, Briefe nach Patagonien. Übertragung von Magda Mahn. Rotapfel-Verlag, Zürich und Leipzig. Geb. RM. 6.30. In sechs scharf gemeißelten Typen porträtiert Duhamel mit überlegener Ironie Europas maskenloses Gesicht. Er schildert seinem Freund in Patagonien den Volksredner und sein Publikum, den verhängnisvollen Werdegang eines erfolgreichen Theaterdichters, das moderne Spezialistentum. Er schaut hinter die Kulissen des Wissenschaftsbetriebes und schildert den Leidensweg eines produktiven Geistes mit bitterem Spott. Den Sammlertyp von heute nimmt er aufs Korn und schließlich den Kranken und mit ihm den Arzt. Emil Roniger, Panoptikum. Rotapfel - Verlag. Amüsante, nicht allzu anspruchsvolle Geschichten, die in grotesker, teilweise etwas zu grotesker Weise die Kontraste unserer Zeit beleuchten wollen. Das Buch, aus der schweizerischen Atmosphäre heraus geschrieben, wird auch anderwärts Interesse finden. L. S. 10 Jahre Balfour-Deklaration. Eine Sammelschrift. Das Zionistische Landeskomitee für Österreich hat aus Anlaß der zehnjährigen Feier des Erlasses der Balfour-Deklaration eine Sammelschrift herausgegeben, welche u. a. zum ersten Male eine sehr bemerkenswerte, gründliche Darstellung der Vorgeschichte der Balfour-Deklaration aus der Feder des bekannten Historikers Dr. N. M. Gelber enthält. Die vornehm ausgestattete Festschrift bringt ferner Äußerungen über den Zionismus und das Palästina-Aufbauwerk von Minister Dr. Eduard B e n e s c h, Exminister Colonel Wedgwood und Senator G o d a r t. Professor Dr. C h a j e s kommentiert die Balfour-Deklaration, Adolf Böhm schildert und beurteilt die Palästina-Arbeit der Zionistischen Weltorganisation seit Kriegsende und Dr. Leo Goldhammer behandelt die Bedeutung des Pro-Palästina-Komitees. Die Sammelschrift wird durch einen Aufsatz, „Dank an Balfour“, von Otto A b e 1 e s eingeleitet und durch einen Essay Dr. R o t h b 1 u m s „Der Blick nach innen“ abgeschlossen. In das fünfeinhalb Bogen starke, illustrierte Buch wurde auch der genaue Wortlaut des Mandates aufgenommen.

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