Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 6 (10.2.1928)
- Date
- 1928-02-10
- Page
- Seite 91 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6 Das Jüdische Echo 91 llllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll ■1 Feuilleton | lllllll lim 1 ' ■''!! „Der ewige Jude“ Von David P i n s k i Zum Gastspiel der Habima in den Das Schicksal des jüdischen Volks hat seine deutlichste Zäsur in dem Augenblick der Zerstörung des zweiten Tempels: Der jüdische Staat war mit der heiligen Stadt, mit dem Tempel in Trümmer gefallen, es bedurfte einer unerhörten Anstrengung aller geistigen und seelischen Kräfte nach dem langen, fürchterlichen nationalen Verteidigungskampf, damit die jüdische Nation am Leben bleiben konnte. Diesen Augenblick eines nationalen Niederbruchs ohnegleichen zeigt in erschütternder legendärer Darstellung der „Ewige Jude“ David Pinskis, diesen Augenblick, in dem sich Charakter und Geschick jüdischen Lebens für die nächsten Jahrtausende enthüllend andeuten. Die Erwartung des Messias, die Hoffnung auf Erlösung aus nationaler Schmach und Schande, die diesen Zustand kennzeichnen, verkörpern sich in der Gestalt eines „Unbekannten“ (Zwi F r i e d 1 a n d), der in ein weit von der Hauptstadt abgelegenes Dorf, mitten in das vom gedankenlosen Optimismus erfüllte Leben des Alltags kommt, um den neugeborenen Messias zu suchen, von dessen Geburt am Tage der Zerstörung Jerusalems ihm auf dem Felde beim Pflügen Kunde wurde. Das Volk und seine Führer schwanken zwischen Glauben und Zweifel; schließlich findet sich die Mutter des Messias, eine „junge Frau“ (A. Rowina) — durch Boten, die man eilig nach Jerusalem gesandt hat, wird der bisher nicht vorstellbare Fall des Tempels bekannt; als der Unbekannte das verzweifelte Volk mit dem Hinweis auf das Erscheinen des Messias trösten will, erhebt sich ein Sturm, in dem der Messias — Menachem der Tröster genannt — entschwindet. Der „Ewige Jude“ beginnt gebeugten Hauptes seine schwere, end- und trostlose Wanderung! Zwei Gestalten sind es vor allem, die ergreifen und erschüttern: Der Unbekannte und die junge Frau. Auf der Flucht vor seiner Mission, getrieben und gehetzt, selbst im Zweifel und doch wieder gläubig, so sucht mit der Hingabe eines fast Irren der Unbekannte den Messias. Nicht Spott und nicht Gewalt können ihn von seiner Sendung abbringen; er steckt schließlich auch die Kleingläubigen mit seiner Zuversicht an und vermag sogar die junge Frau, die Mutter, die ihr Kind nicht säugen will, weil es an dem Tag geboren wurde, der ihr den Gatten raubte und den Fall des Tempels sah, zu neuer Hoffnung und zu neuem Lebensmut hinzureißen, diese Mutter, deren Schmerz um die Zerstörung Jerusalems sich wie aus den Tiefen der Volksseele hervorringt, deren unnennbarer Jammer um das ver- Kammerspielen im Schauspielhaus lorene Kind, den Messias, allen Jammer der Welt in sich zu vereinen scheint und doch noch von dem des Unbekannten übertroffen wird. Vielleicht die ergreifendste Szene aus dem nicht sehr großen Stück ist jene, wo langsam die nach Jerusalem ausgesandten Boten nahen, wo seltsam unergründlich mit gewaltiger Wucht der Schmerz jeden einzelnen ergreift und zur Erde niederbeugt, wo dumpfer, schauerlicher Klaggesang ertönt. Über alle Fremdheit der Sprache, über alle Entlegenheit der Zeit und des Milieus hinweg, wird lebendig, tritt in diesem Augenblick vor jeden in seiner ganzen tragischen Bedeutung und zwingt jeden zum Miterleben das Ereignis, das Grundlagen und Daseinsformen des jüdischen Volkes so entscheidend veränderte und auch für das heutige Geschlecht noch bestimmt. Auch im „Ewigen Juden“ zeigt sich das Habima-Ensemble den hier gestellten außerordentlich schwierigen darstellerischen Aufgaben — sieht man doch nichts von den eigentlich bewegenden Geschehnissen, weder die Berufung des Unbekannten, noch den Fall Jerusalems, noch das Verschwinden des Messias; wird von all dem doch nur erzählt und berichtet! — voll und ganz gewachsen. Wie hier nationales Schicksal in wenigen Individuen verdichtet und intensiviert ist, wie die elementare, gefühlsmäßige Verknüpfung, Abstoßung und Anziehung, zwischen dem Unbekannten und dem Volk symbolisch und doch klar, gleichnishaft und doch wirklich dargestellt sind — das zeigt wiederum die volle künstlerische Meisterschaft der Habima. — Es ist schwer, gegenüber der Leistung der Habima die richtige Stellung zu finden, und man muß es aufgeben, nach hergebrachten ästhetischen Maßstäben zu messen, was sich gerade der nur ästhetischen Wertung entzieht. Die Habima macht das Theater im wahrsten Sinne des Wortes zur moralischen Anstalt; sie vermag in Wirklichkeit den Menschen, besonders den Juden, über seine individuelle Sphäre zu erheben und sie darf es deshalb als ihre schönste und reichste Belohnung betrachten, daß sie unvergeßlich bleiben wird, wo immer sie war und jedem, der sie sah. I. E. Zum 50. Geburtstag Martin Bubers Aus Anlaß des fünfzigsten Geburtstages Martin Bubers erschien bei Lamb. Schneider, Berlin, eine Festgabe: „Aus unbekannten Schriften“, die Beiträge von mehr als fünfzig Autoren enthält, von denen nur Leo Baeck, Richard Beer-Hoffmann, Max Brod und Arnold Zweig genannt seien. (Zu haben bei der Ewer-Buchhandlung, Ottostraße 2.) Adelholzener Primusquelle Hervorrag. Heilwasser bei Nieren-, Leberu. Blasenleiden Stärkste Rubidiumquelle Europas sehr geeignet zu Hauskuren. B e- T}aPProbierter Apotheker kömmliches Tafelwasser. Hauptniederlage: r uLflllluyi München 2 NW 3 Theresienstraße 33 Telephon 27471 Lieferant sämtlicher städtischer Krankenhäuser, Sanatorien und Heilanstalten