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Das jüdische Echo · 1928-02-10 · 6 (10.2.1928) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
6 (10.2.1928)
Date
1928-02-10
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 6 10. Februar 15. Jahrgang Die jüdische Kolonisation in Rußland Von Dr. Artur Ruppin, Jerusalem1 Umfang der Ansiedlungstätigkeit 1925 bis 1927 Der Komzet hat mir die Ziffern über die für die jüdische Kolonisation bisher zugeteilte Fläche und über die darauf angesiedelten Familien zur Verfügung gestellt. Sie beziehen sich auf die Zeit von der Gründung des Komzet und umfassen die Jahre 1925, 1926 und 1927. Es ergibt sich daraus, daß insgesamt für die jüdische Ansiedlung bisher 295 917 Desjatinen zugeteilt worden sind, von denen sich etwa die Hälfte, nämlich 145 213 Desjatinen, in der Ukraine und mehr als ein Drittel, nämlich 108 113 Desjatinen, in der Krim befinden. Auf Weißrußland entfallen nur 22 000 Desjatinen, auf das übrige europäische und asiatische Rußland etwa 20 000 Desjatinen. Die Zahl der Siedler betrug 12 483. Außerdem sollten bis Ende des Jahres 1927 (die mir zur Verfügung gestellten Zahlen reichen bis Ende Juni 1927) noch 3319 Siedler, denen bereits Boden zugeteilt war, die aber den Boden noch nicht in Besitz genommen hatten, in die Siedlungen gehen. Ob dies tatsächlich geschehen ist, ist mir nicht bekannt. Von den bereits fest angesiedelten 12 483 Juden entfallen 7866 auf die Ansiedlungen in der Ukraine, 2252 auf die Krim, 1503 auf Weißrußland und die übrigen 862 auf das übrige europäische und asiatische Rußland. Lage der Siedler im Jahre 1927 Bei dem jetzigen System ist der Siedler nicht in der Lage, aus seinen normalen Einnahmen seine normalen Ausgaben zu decken. Die Sachlage wird aber noch dadurch verschärft, daß in der Krim und in der Ukraine nicht ein normales Jahr auf 1 Das Problem der jüdischen Kolonisation in Rußland beschäftigt nicht zum wenigsten infolge der systematischen Propaganda der Sowjet-Regierung andauernd die jüdische Öffentlichkeit. In den letzten Tagen erst wurde bekannt, daß man sich von kommunistischer Seite mit dem Gedanken trägt, in Sibirien ein „Jüdisches Land“ zu schaffen. Es ist deshalb besonders erfreulich, daß der hervorragende jüdische Kolonisationsfachmann Dr. A. Ruppin nunmehr in der Wiener Monatsschrift „P a 1 ä s t i n a“, auf deren gründliche Information und anregende Diskussion aller Kolonisationsfragen wir bei dieser Gelegenheit wieder einmal aufmerksam machen möchten, einen ausführlichen Bericht über Erfahrungen und Beobachtungen seiner Studienreise durch das russische Kolonisationsgebiet veröffentlicht. Wir geben aus dem umfangreichen Aufsatz Dr. Ruppins, aus dem die sehr begrenzten Möglichkeiten der jüdischen Kolonisation in Rußland klar hervorgehen, einige besonders wichtige und interessante Stellen wieder, verweisen aber jeden Interessierten auf die Lektüre des ganzen Aufsatzes, der eine objektive und wissenschaftliche Begründung für alle Behauptungen Ruppins enthält. Die Red. das andere folgt, sondern daß die Ernten sehr verschieden ausfallen. Die Krim gehört zu einem Gebiete mit geringen Niederschlägen (kaum 400 mm im Jahr) und auch im Süden der Ukraine ist die Regenmenge nur um ein geringes größer. Es kommt aber in manchen Jahren vor, daß auch diese Regenmenge nicht erreicht wird, oder daß der Regen nicht zur richtigen Zeit niedergeht, was eine Mißernte zur Folge hat. Auch der Saharawind, der bis hierher dringt, kann, wenn er nach starken Regenfällen eintritt, die Körner zum Schrumpfen bringen und die Ernte stark reduzieren. Im allgemeinen kann man damit rechnen, daß in zehn Jahren drei gute Ernten, drei schlechte Ernten und vier Mittelernten Vorkommen. Das Schlimme hierbei ist aber, daß der Siedler in den drei guten Jahren nicht etwas für die drei schlechten Jahre zurücklegt, sondern daß er den Mehrertrag in den guten Jahren verbraucht, um ein paar Bedürfnisse, die immer vorhanden sind, zu befriedigen. Kommt dann ein Jahr mit einer schlechten Ernte, in dem er von seinem Felde wenig oder gar nichts herunternimmt, so hat er keine Reserven und steht sofort vis-ä-vis de rien. Das ist besonders mißlich im Beginn der Kolonisation. Erstens ist es gerade in dieser an sich schon genügend schwierigen Anfangszeit besonders wichtig, daß der Mut der Siedler aufrechterhalten und nicht durch eine Mißernte gebrochen wird, und zweitens hat der Siedler in dieser Zeit noch keinerlei andere kleine Einnahmequellen, z. B. noch kein Geflügel. Das Jahr 1927, das eine Mißernte brachte, hat gezeigt, wie verheerend die Folgen einer solchen Mißernte sind. Sie hat auf die Stimmung der Siedler geradezu katastrophal gewirkt. In den von der Mißernte am schlimmsten betroffenen Siedlungen in der Krim und im Chersoner Rayon (im Kriwoi-Rog-Rayon war die Ernte etwas besser) haben viele Siedler nicht einmal die zu ihrem eigenen Lebensunterhalt und als Futter für das Vieh notwendigen Mengen Getreide geerntet, und sie wissen nicht, wie sie sich bis zur nächsten Ernte durchschlagen sollen. Nach den Mitteilungen, die ich von den Beamten der Kolonisationsgesellschaften erhalten habe, haben bisher 15 Prozent der Siedler, die seit 1925 angesiedelt sind, ihre Wirtschaften aufgegeben und sind wieder in die Stadt zurückgekehrt. Dieser Prozentsatz ist an sich nicht übermäßig hoch, er ist ungefähr derselbe, wie er in allen anderen Ländern bei Neukolonisation vorkommt. Aber es ist zu fürchten, daß noch viele weitere Siedler ihre Wirtschaften verlassen werden, wenn man ihnen nicht aus der durch die Mißernten des Jahres 1927 geschaffenen Notlage heraushilft. Wie ich höre, hat der Agrojoint auch bereits beschlossen, helfend einzugreifen und entweder den Siedlern ein Darlehen zum Ankauf einer zweiten Kuh zu geben, oder sie, bei Ameliorationsarbeiten, z. B. bei der Trockenlegung sumpfiger Ländereien, von denen es im Chersoner und Kriwoi-Rog-Rayon

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