Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 5 (3.2.1928)
- Date
- 1928-02-03
- Page
- Seite 69 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/9072829-9103081-9156865--08218-9080953- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 5 Das Jüdische Echo 69 sonders gegen die in dieser Denkschrift niedergelegten Anschauungen, so daß auch wir Gelegenheit nehmen können, unsere Leser von diesen Bestrebungen zu unterrichten.) Die Darstellung dieses historischen Materials hier auch nur annäherungsweise wiederzugeben, würde zu weit führen, ebenso wie eine Wiederholung der gegen Herrn Naumann gerichteten Abschnitte. Besonders wichtig ist im Augenblick das, was Dr. Förder über den § 1 der C.-V.-Satzung sagt, aus dessen Wortlaut gemeinhin die Forderung des Ausschlusses der Zionisten und der Palästinafreunde abgeleitet wird und welche Reformen im C.-V. von ihm verlangt werden. Dieser § 1 lautet: „Der Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens bezweckt, die deutschen Juden ohne Unterschied der religiösen und politischen Richtung zu sammeln, um sie in der tatkräftigen Wahrung ihrer staatsbürgerlichen und gesellschaftlichen Gleichstellung sowie in der unbeirrten Pflege deutscher Gesinnung zu bestärken“; er wird von Förder dahin verstanden, daß es zunächst Zweck und und Pflicht des C.-V. sei, alle deutschen Juden zu einem einheitlichen, lückenlosen und machtvollen Abwehrkampfe zusammenzuschließen, daß man also schon aus diesem Grunde nicht einen wesentlichen Teil des deutschen Judentums zurückweisen könne; weiter aber legt Förder dar, daß die besondere Forderung einer deutschen Gesinnung, die man aus dem zweiten Satz herauslesen möchte, gefährlich sei; man müsse sie eben bis zum Beweis des Gegenteils bei jedem Juden voraussetzen, wie das im allgemeinen bei politischen Parteien üblich sei und man müsse sich begnügen mit dem formalen Bekenntnis zum Deutschtum, d. h. mit der Eigenschaft des deutschen Staatsbürgers und der dadurch bedingten Angehörigkeit zum deutschen Volk, in der gleichen Weise wie man sich mit dem formalen Bekenntnis zum Judentum begnügt. Von solchen Grundsätzen ausgehend, verlangt Förder an praktischen Reformen zunächst einmal Platz für den Gedanken der Demokratie und für seine Betätigung im Central-Verein, eine Änderung des Wahlsystems für den Hauptvorstand, der ihm zu einseitig nach dem Notabeinprinzip zusammengesetzt scheint und schließlich als Folgerung aus seinen Gedankengängen strengste Neutralität bei allen jüdischen Wahlen und Neutralität gegenüber Palästina-Aufbau und Keren-Hajessod. Die Denkschrift schließt mit folgenden aufrichtigen und beherzigenswerten Worten: „Alle diese Erwägungen sollten uns zu ING. G. AIGNER’S PRIVATE KRAFTFAHRKURSE gegründet 1913 Gabelsbergerstr. 62 # Telephon 51314 Straßenbahnhaltestelle: Kreuzung Augusten-Gabelsbergerstraße der Linien 2, 7, 17; — garantieren als alteingeführtes Unternehmen mit besten Referenzen für vollkommene Qualitäts-Ausbildung der Erkenntnis führen, daß es auf die Dauer eine innere Unmöglichkeit bedeutet, für die Gleichberechtigung aller Juden in Staat und Volk einzutreten und zugleich einen erheblichen von positiv-jüdischen Idealen erfüllten Teil derselben Juden vor dem Forum der Öffentlichkeit als staats- und volksfremd hinzustellen und zu bekämpfen.“ So Förder. Die jetzige Leitung des C.-V. ist zwar anderer Ansicht, spricht doch Ludwig Holländer, der Direktor des C.-V., in seinem Artikel auf das Jahr 1928 sogar von zwei verschiedenen Konfessionen im Judentum, womit er die jüdisch-nationale gegenüber der jüdisch - religiösen Anschauung kennzeichnen wollte. Selbstverständlich erregte diese wirklich fein herausgefühlte Unterscheidung, über die man wohl nichts zu sagen braucht, das helle Entzücken der Austrittsorthodoxie, was allerdings u. E. nur dazu beitragen sollte, daß man auch auf seiten des C.-V. einsehen könnte, wie völlig verfehlt sie ist. Wie nun auch die Entscheidung der C.-V.- Hauptversammlung ausfallen mag, darüber werden ihre Teilnehmer und die deutschen Juden sich nicht hinwegtäuschen können, daß sie zwar das Palästinawerk und den Zionismus zeitweise hemmen, nicht aber ihren Fortschritt aufhalten kann. Und für den C.-V. selbst gilt was Dr. Förder in seiner Denkschrift sagt: Der Rückschritt, der sich in einer offen feindlichen Stellungnahme des C.-V. zum Palästinawerk dokumentieren würde, könnte nur seine positivsten, auf dem Boden eines lebendigen Judentums stehenden und deshalb arbeitsfreudigsten Mitglieder veranlassen, ihm den Rücken zu kehren und würde ihn dadurch der besten Träger seiner Ideen berauben. Der große Haufe der Indifferenten nämlich wird den C.-V. in dem Maße verlassen, „in dem der Judenhaß aus äußerer Intensität abnimmt und die Furcht vor dem Klirren der Fensterscheiben schwindet“. I. E. L. KIELLEUTHNER' Besichtigen Sie unverbindlich unsere erlesenen Neuheiten Hauptpreislage: Mk. 180.- bis Mk. 250.- Kein Anzug über Mk. 280- _._J V